44 Stunden, 1000 E-Mails und trotzdem keine klare Richtung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Lego Männchen am Eingang
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schau wer bleibt, schau was die Leute schreiben. Das sollte man mal ernst nehmen.
Verbesserungsvorschläge
Sie nehmen es sich sowieso nicht an.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre lässt sich eigentlich ziemlich einfach zusammenfassen. Wer zum richtigen Personenkreis gehört, hat deutlich weniger Probleme. Für alle anderen ist es teilweise ein Spieß-Ruten-Lauf. Es herrscht häufig eine Atmosphäre, in der jeder aufpasst, was der andere macht, weil man nie weiß, wann es gegen einen verwendet wird. Gegenseitiges Vertrauen sieht anders aus. Besonders bitter ist, dass Führungskräfte dieses Verhalten teilweise nicht nur nicht verhindern, sondern eher noch begünstigen.
Image
Das Unternehmen kann sich nach außen definitiv gut verkaufen. Das muss man ihnen lassen. Intern sieht die Wahrnehmung teilweise deutlich anders aus. Das Image hat meiner Meinung nach bereits ordentlich Kratzer bekommen. Nur scheint man dort lieber über die Hochglanzversion des Unternehmens zu sprechen, als sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, warum Mitarbeiter überhaupt so kritisch darüber sprechen. Ein schlechtes Image entsteht schließlich nicht dadurch, dass plötzlich jemand einen bösen Kununu-Eintrag schreibt. Es entsteht durch das, was vorher passiert.
Work-Life-Balance
44 Stunden pro Woche sind schon eine Ansage. Wer behauptet, dass eine solche Arbeitszeit automatisch eine hervorragende Work-Life-Balance ermöglicht, darf das gerne einmal mit einem Taschenrechner erklären.
Zusatzaufgaben werden immerhin extra vergütet. Klingt gut. bis sich jemand darüber beschwert. Dann wird die Aufgabe im Zweifel eben wieder weggenommen. Nicht weil die Leistung schlecht war, sondern offenbar weil man Konflikte vermeiden möchte. Das Führungsprinzip lautet dann sinngemäß, wenn sich einer beschwert, nimmt man lieber dem anderen etwas weg. Hauptsache, es ist wieder ruhig
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungen werden grundsätzlich gut unterstützt. Viele werden bezahlt, das ist definitiv ein Pluspunkt. Karrieremöglichkeiten sind dagegen eher überschaubar. Man kann sich also durchaus weiterbilden. Die Frage ist nur, wohin man damit anschließend aufsteigen soll. Weiterbildung, gut. Karriere, eher Endstation mit Zertifikat.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist grundsätzlich okay. Bei 44 Wochenstunden sollte man das allerdings auch erwarten dürfen. Zeitgemäß fühlt sich die Bezahlung im Verhältnis zur Arbeitszeit für mich jedenfalls nicht an.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltbewusstsein? Da geht sicherlich noch einiges. Sozialbewusstsein ist dagegen hervorragend, wenn es sich nach außen gut verkaufen lässt. Für die Öffentlichkeit kann man sehr sozial sein. Interessanter wird es immer dann, wenn es nicht um Außenwirkung geht, sondern um den täglichen Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Denn genau dort entscheidet sich für mich, ob soziale Verantwortung wirklich gelebt wird oder lediglich Teil der Außendarstellung ist.
Kollegenzusammenhalt
Wer seinen festen Kreis gefunden hat, hält zusammen. Teilweise so eng, dass Außenstehende kaum noch einen Fuß in die Tür bekommen. Es gibt durchaus Kollegen, auf die man sich verlassen kann. Das Problem ist nur: Man muss sie erst einmal finden. Der Zusammenhalt innerhalb einzelner Grüppchen ist gut, der Zusammenhalt der gesamten Belegschaft könnte dagegen deutlich besser sein.
Umgang mit älteren Kollegen
Solange man funktioniert, seine Arbeit macht und möglichst wenig Fragen stellt, ist alles in Ordnung. Wer allerdings anfängt, Dinge zu hinterfragen, Kritik zu äußern oder unangenehme Fragen zu stellen, bekommt teilweise deutlich zu spüren, dass kritisches Denken nicht unbedingt überall als Bereicherung empfunden wird.
Vorgesetztenverhalten
Für mich mit Abstand eine der größten Baustellen. Entscheidungen werden gerne vermieden, Probleme ausgesessen und unangenehme Situationen möglichst so lange verschoben, bis sie sich vielleicht von alleine erledigen. Tun sie natürlich selten. Eine Führungskraft muss nicht jedem gefallen. Sie muss führen. Dazu gehört auch, einmal auf den Tisch zu hauen, eine klare Entscheidung zu treffen und diese anschließend zu vertreten.
Hier entsteht dagegen teilweise der Eindruck, dass vor allem eines wichtig ist. Bloß bei niemandem anecken. Das Problem daran, wenn man versucht, es jedem recht zu machen, macht man es am Ende meistens allen falsch. Und wenn dann Entscheidungen oder Aussagen plötzlich anders dargestellt werden, als sie vorher kommuniziert wurden, leidet irgendwann auch das Vertrauen. Dass Mitarbeiter wegen der wahrgenommenen Menschenführung und des Umgangs miteinander gegangen sind, sollte eigentlich Warnsignal genug sein.
Arbeitsbedingungen
Hier könnte man vermutlich ein eigenes Buch schreiben. Mitarbeiter machen Vorschläge. Mitarbeiter weisen auf Probleme hin. Mitarbeiter sagen teilweise sogar vorher, was passieren wird. Und dann passiert. Nichts!
Bis es irgendwann tatsächlich knallt. Dann wird etwas geändert und plötzlich stellt man fest, dass die Mitarbeiter mit ihren Bedenken gar nicht so falsch lagen. Besonders interessant ist die Personalpolitik bei Führungspositionen. Menschen werden teilweise mit Verantwortung ausgestattet, obwohl ihnen aus Sicht der Belegschaft die notwendige Führungserfahrung fehlt. Die Belegschaft sagt vorher: „Lasst das lieber.“ Es wird trotzdem gemacht. Ein paar Monate später funktioniert es nicht. Die Belegschaft sagt: „Wir haben es doch gesagt.“ Und anschließend wird der nächste Kandidat auf dieselbe Weise ins Rennen geschickt. Das hat schon fast Unterhaltungswert, wenn man nicht selbst darunter arbeiten müsste. Teilweise werden Menschen mit Zusatzaufgaben ausgestattet, die ihnen offensichtlich über den Kopf wachsen. Dadurch kann man nach außen zwar darstellen, dass jemand „Verantwortung“ trägt und etwas zu sagen hat. Was fehlt sind klare Strukturen.
Kommunikation
Kommunikation wird nach außen gerne als große Stärke verkauft. In der Realität besteht sie häufig aus Flurfunk und einer E-Mail nach der anderen. Gefühlt bekommt man 100 Mails am Tag und trotzdem weiß am Ende keiner genau, was eigentlich Sache ist. Die wirklich wichtigen Informationen gehen zwischen Rundmails, Weiterleitungen und internen Gerüchten irgendwann unter. Kurz gesagt! Es wird viel kommuniziert, aber erstaunlich wenig gesagt.
Gleichberechtigung
Auf dem Papier selbstverständlich vorhanden. Auf dem Papier ist schließlich vieles hervorragend. Besonders interessant wird es, wenn Menschen, deren früheres Auftreten von Mitarbeitern noch sehr präsent in Erinnerung ist, heute erklären, wie wichtig Offenheit, Gleichberechtigung und ein respektvoller Umgang miteinander sind. Veränderung ist grundsätzlich etwas Gutes. Aber Glaubwürdigkeit entsteht nicht dadurch, dass man irgendwann die richtigen Begriffe verwendet. Gleichberechtigung zeigt sich nicht in Broschüren, Leitbildern oder schönen Worten, sondern darin, wie man Menschen behandelt, wenn gerade keiner zuschaut.
Interessante Aufgaben
Das Aufgabenfeld ist tatsächlich interessant und vielseitig. Das ist einer der Punkte, bei denen man ehrlich sein muss. Das Problem beginnt bei den Versprechungen. Es wird gerne viel in Aussicht gestellt. Von den großen Plänen bleibt dann teilweise ein Bruchteil übrig.
Wer einem Mitarbeiter zehn Dinge verspricht und anschließend drei davon umsetzt, darf sich nicht wundern, wenn dieser Mitarbeiter irgendwann nicht mehr begeistert, sondern einfach nur noch genervt ist. Das Interessante an der Arbeit wird dadurch leider regelmäßig von enttäuschten Erwartungen überschattet.