Kunde zahlt 700 Euro, der Lektor sieht davon 100 Euro. die entsprechenden Nachweise für diese Aussage liegen vor.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Projektabwicklung ist technisch gut organisiert und funktioniert reibungslos. Deadlines, Abläufe und Uploads sind klar geregelt – das System ist strukturiert und zuverlässig.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Bezahlung liegt weit unterhalb einer anständigen oder angemessenen Vergütung, die Normseite ist zu Ungunsten der Lektoren definiert, und sämtliche Vertragsklauseln sind einseitig: Pflichten, Nachbesserungspflichten und Strafandrohungen, jedoch keinerlei Rechte für Lektoren. Qualität wird nach außen verkauft, intern aber durch Dumpinghonorare systematisch unmöglich gemacht.
Verbesserungsvorschläge
Faire Honorierung auf Basis realistisch definierter Normseiten.
Einführung von Rechten für Freelancer, nicht nur Pflichten.
Abschaffung oder zumindest deutliche Milderung einseitiger Strafklauseln.
Bessere Transparenz in der Kommunikation mit den Lektoren.
Arbeitsatmosphäre
Lektoren sollen an Sonn- und Feiertagen ohne Aufschlag arbeiten,
im Arbeitsvertrag ist nur von Pflichten und Strafen die Rede, jedoch nicht von Rechten.
Von einer eigentlichen Arbeitsatmosphäre kann daher kaum die Rede sein, da keine kollegiale Interaktion vorgesehen ist. Auffällig ist jedoch die Erwartungshaltung: Auch an Feiertagen wie Ostersonntag oder Weihnachten werden E-Mails mit der „Bitte“ verschickt, die Vergabeplattform zu prüfen und Aufträge anzunehmen. Es wird vom Lektor Verfügbarkeit jederzeit erwartet – selbst an Tagen, die üblicherweise der Erholung dienen.
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Dem Kunden wird Qualität versprochen, die Vergütung des Lektors macht eine solche aber faktisch unmöglich. Beispiel: für das Lektorat von 53 Normseiten (NS) erhält der Lektor 33 Euro. ein guter Lektor schafft nur ca. 7 NS in der Stunde, wenn er Qualität liefern möchte. Das ergibt 7 Stunden Arbeitszeit für 33 Euro, also einen Stundenlohn von unter 5 Euro pro Stunde.
Dazu muss man wissen, dass Mentorium dem Lektor gegenüber die NS mit 2200 Zeichen definiert, dem Kunden gegenüber hingegen mit 1600 Zeichen. Für den Lektor ist die NS also um 37% länger als für den Kunden.
Arbeitet der Lektor mit Hochgeschwindigkeit, leidet die Qualität. Ist der Kunde dann nicht zufrieden, unterliegt der Lektor einer Nachbesserungspflicht und muss ggf. an Mentorium eine Vertragsstrafe in Höhe des Dreifachen der vereinbarten Vergütung zahlen.
Work-Life-Balance
viel Arbeit für eine Bezahlung von etwa 5 bis 6 Euro pro Stunde
Karriere/Weiterbildung
Nicht vorhanden. Lektoren sind austauschbare Subunternehmer, eine Perspektive auf Weiterentwicklung besteht nicht.
Kollegenzusammenhalt
da es eine Plattform ist, auf der nur Freiberufler arbeiten, kennt man sich nicht untereinander.
Vielleicht sollten wir uns zusammenschließen und gemeinsam an die Presse gehen? Wer macht mit?
Umgang mit älteren Kollegen
Nicht relevant, da der Kontakt zwischen Kollegen praktisch nicht vorgesehen ist. Mentorium organisiert die Arbeit ausschließlich über das System und schriftliche Vorgaben. Altersbezogene Unterschiede spielen keine Rolle.
Vorgesetztenverhalten
Das „Vorgesetztenverhalten“ zeigt sich ausschließlich in Form von detaillierten Bearbeitungsvorgaben. Für Lektoren bedeutet das: maximale Fehlerbehebung ist Pflicht, stilistische Umformulierungen müssen umgesetzt werden, und selbst wenn ein Text schon gut geschrieben ist, müssen zusätzliche Kommentare eingefügt werden, um den Bearbeitungsaufwand sichtbar zu machen. Damit wird die Arbeit künstlich verschärft und es entsteht ein immenser Druck, jedes Detail im Sinne des Unternehmens abzudecken – eigene Entscheidungsspielräume oder Vertrauen in die Professionalität des Lektors gibt es nicht.
Arbeitsbedingungen
die Bezahlung ist unglaublich gering, weshalb man sich ausgenutzt fühlt. Das gesamte Risiko liegt beim Lektor. Mentorium definiert die Normseite für Lektoren mit 2.200 Zeichen, für Kunden jedoch mit 1.600 Zeichen – die Lektoren leisten somit rund 37 % mehr Arbeit, als dem Kunden offiziell berechnet wird. Wer dennoch gründlich arbeitet, arbeitet zu Dumpinglöhnen; wer schnell arbeitet, liefert minderwertige Qualität.
Kommunikation
„Ihr Lieben“ lautet die Anrede. Jedoch ist die Kommunikation klar asymmetrisch: Sämtliche Vorgaben sind präzise geregelt (Bearbeitung, Upload, Reklamationen, Nachbesserungspflicht), aber Rechte oder Mitspracherechte für den Lektor sind im Vertrag nicht vorgesehen. Selbst Geheimhaltung und Strafklauseln sind einseitig formuliert: zugunsten des Unternehmens.
Gehalt/Benefits
Lektoren arbeiten auf freiberuflicher Basis, dadurch bestehen weder Sozialleistungen noch arbeitsrechtlicher Schutz. Das Honorar liegt real deutlich unter dem Mindestlohn. Da es sich um freie Mitarbeit handelt, greift das Mindestlohngesetz hier nicht – was bedeutet, dass Lektoren die Niedrigvergütung rechtlich hinnehmen müssen.
Ist der Kunde mit der Arbeit des Lektors nicht zufrieden, muss der Freelancer nachbessern. Erfolgt dies nicht fristgerecht oder ist der Kunde immer noch nicht zufrieden, kann Mentorium dem Lektor die Vergütung kürzen oder komplett streichen und zusätzlich eine Vertragsstrafe bis zum Dreifachen der Vergütung verlangen.
Gleichberechtigung
Keine Unterschiede erkennbar – alle Lektoren werden gleich behandelt. Allerdings bedeutet „Gleichbehandlung“ hier: alle unterliegen denselben Dumpinghonoraren.
Interessante Aufgaben
manchmal bekommt man interessante Arbeiten zu lesen und das macht natürlich Freude, oft haben die Texte jedoch keine gute Qualität und sind arbeitsaufwendig