Potenzial vorhanden, aber deutlicher Verbesserungsbedarf im Onboarding, Arbeitsklima und bei der Gleichberechtigung
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Flexibilität: Die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, ist ein Pluspunkt. Trotz gelegentlicher subtiler Bemerkungen wie „Man sieht dich ja immer seltener im Büro“ schätze ich die Freiheit, die mir dadurch geboten wird.
- Kostenlose Getränke: Ein kleines, aber nettes Benefit sind die kostenlosen Getränke im Büro.
- Weiterbildungsmöglichkeiten: Falls man den Wunsch hat, sich weiterzubilden, wird einem hier entgegengekommen. Das ist ein positiver Aspekt, der zeigt, dass der Arbeitgeber die persönliche Entwicklung der Mitarbeitenden unterstützen möchte.
- Eigeninitiative wird belohnt: Es kommt vor, dass man längere Zeit keine konkreten Aufgaben zugewiesen bekommt. Für mich persönlich ist das kein Problem, da hier viel Eigeninitiative gefragt ist und man sich selbstständig Aufgaben suchen kann.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Fehlendes Onboarding-Konzept: Das Onboarding ist ein einziges Chaos. Man wird komplett allein gelassen, ohne klare Ansprechperson oder Orientierung. Zugänge zu Systemen und Tools erfährt man oft nur zufällig und muss sie dann mühsam anfordern. Wichtige Termine werden regelmäßig verpasst, weil man keinen Zugang zu Teamkalendern hat. Ein strukturiertes Einarbeitungskonzept fehlt völlig.
- Lange Phasen ohne Aufgaben: Es ist unverständlich, warum überhaupt neue Mitarbeitende eingestellt werden, wenn es offenbar keine klaren Aufgaben für sie gibt. Zwar kann man sich selbst Aufgaben suchen, wenn man Eigeninitiative zeigt, aber das ist keine Lösung für das strukturelle Problem. Wer klare Vorgaben und eine geführte Einarbeitung erwartet, wird hier enttäuscht.
- Technische Einschränkungen: Die Vorgabe, welches Betriebssystem genutzt werden muss, ist unnötig restriktiv. Auch für Werkstudierende wäre es effizienter, wenn sie mit einem vertrauten System arbeiten könnten. Dies steigert erwiesenermaßen die Produktivität.
- Gleichberechtigung nur auf dem Papier: Obwohl der Arbeitgeber gerne betont, viel für Frauen im Tech-Bereich zu tun, zeigt die Realität ein anderes Bild. Der Großteil der Entwickler ist männlich, und es gibt kaum gezielte Maßnahmen, um Frauen in der Entwicklung zu fördern und gezielt einzustellen. Es fehlt an Vernetzungsmöglichkeiten oder spezifischen Angeboten für Frauen, die bereits im Tech-Bereich tätig sind. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen durch andere Frauen diffamiert werden, beispielsweise durch Herunterspielen ihrer Fähigkeiten oder Unterbrechungen beim Präsentieren. Hier besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung des Unternehmens und der gelebten Praxis.
- Ineffektive Kommunikation: Es wird zwar viel geredet, aber die Konsequenz ist oft: „Es ist ja alles super bei uns.“ Konkrete Maßnahmen oder Veränderungen bleiben aus. Kritik und Vorschläge werden zwar angehört, aber es folgen keine Taten. Das führt zu Frustration und dem Gefühl, dass Feedback nicht ernst genommen wird.
- Kritik wird selektiv behandelt: Obwohl nach außen hin betont wird, dass Kritik willkommen ist und man an sich arbeiten möchte, zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild. Bestimmte Personen scheinen aufgrund ihrer Nähe zur Geschäftsführung unantastbar zu sein. Kritik an diesen Personen wird heruntergespielt oder auf andere geschoben, anstatt konstruktiv damit umzugehen. Dies untergräbt das Vertrauen in eine offene Feedback-Kultur und führt zu Frustration bei den Mitarbeitenden.
Verbesserungsvorschläge
Verbesserungsvorschläge:
1. Strukturiertes Onboarding: Ein klar definiertes Onboarding-Konzept mit festen Ansprechpartnern, einer Checkliste für benötigte Zugänge und einer Einführung in Teamkalender und Tools ist dringend notwendig.
2. Aufgabenverteilung: Überdenkt die Einstellungspraxis und stellt sicher, dass neue Mitarbeitende von Anfang an klare Aufgaben und Verantwortungsbereiche haben. Eigeninitiative ist wichtig, aber eine gewisse Grundstruktur sollte vorhanden sein, um Überforderung oder Unterforderung zu vermeiden.
3. Flexibilität bei Betriebssystemen: Lasst Mitarbeitende, auch Werkstudierende, ihr bevorzugtes Betriebssystem wählen. Dies steigert erwiesenermaßen die Effizienz und Zufriedenheit.
4. Professionelles Arbeitsklima: Fördert eine Kultur der konstruktiven Kritik und Fehleranalyse anstelle von Lästereien und Schuldzuweisungen. Dies würde das Arbeitsklima deutlich verbessern.
5. Gleichberechtigung und Frauenförderung: Setzt gezielte Maßnahmen um, um Frauen in der Entwicklung zu fördern und zu unterstützen. Schafft Vernetzungsmöglichkeiten und klare Angebote für Frauen im Tech-Bereich. Sensibilisiert das Team für unbewusste Vorurteile und fördert eine Kultur des Respekts und der Solidarität von Frauen für Frauen.
6. Offene Feedback-Kultur: Stellt sicher, dass Kritik unabhängig von Hierarchien oder persönlichen Beziehungen ernst genommen und konstruktiv bearbeitet wird. Nur so kann eine echte Feedback-Kultur entstehen.
Arbeitsatmosphäre
Das Arbeitsklima leidet unter häufigen Lästereien und unprofessionellen Schuldzuweisungen. Positiv ist die grundsätzlich lockere Atmosphäre trotz der strukturellen Probleme.
Work-Life-Balance
Home-Office-Möglichkeiten werden flexibel gewährt. Lange Phasen ohne klare Aufgaben können die Balance stören.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wird viel für die Region getan.
Karriere/Weiterbildung
Es besteht immer die Möglichkeit der Weiterbildung. Hier kommt man den Mitarbeitern entgegen.
Kollegenzusammenhalt
Einige engagierte Kollegen tragen die Hauptlast, während andere kaum eingebunden werden. Der Zusammenhalt wird durch Lästereien und ungleiche Arbeitsverteilung beeinträchtigt.
Umgang mit älteren Kollegen
Alter spielt keine Rolle.
Vorgesetztenverhalten
Kritik an Führungskräften wird oft heruntergespielt oder ignoriert.
Arbeitsbedingungen
Kostenlose Getränke sind ein positiver Aspekt.
Kommunikation
Informationen werden unvollständig und sporadisch weitergegeben. Kritik wird zwar angehört, aber selten in konkrete Maßnahmen umgesetzt.
Gleichberechtigung
Trotz Beteuerungen gibt es kaum Maßnahmen zur Frauenförderung im Tech-Bereich. Frauen mit naturwissenschaftlichen/technischen Background erleben hinter dem Rücken vielmehr Diffamierungen und mangelnde Solidarität durch andere Frauen. Das hat mich tatsächlich am meisten schockiert. Hier besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung des Unternehmens und der gelebten Praxis.
Interessante Aufgaben
Aufgaben sind grundsätzlich interessant, müssen aber oft in Eigeninitiative gesucht werden. Längere Phasen ohne klare Aufgabenstellung sind problematisch.

