Zwischen innerem Zirkel und fehlender Führungskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Interessante und technisch anspruchsvolle Themenfelder
- Flexible Homeoffice-Möglichkeiten
- Es gibt jetzt auch Siebträgermaschinen
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Mangelnde Kritik- und Fehlerkultur
- Geringe Transparenz bei wichtigen Entscheidungen
- Vertrauensverlust durch den Umgang mit sensiblen Themen
- Starker Einfluss informeller Netzwerke
- Fehlende Selbstreflexion auf Führungsebene
- Zu viel operatives Eingreifen der Geschäftsführung statt strategischer Führung
Verbesserungsvorschläge
- Kritik als Chance statt als Bedrohung verstehen
- Vertraulichkeit konsequent wahren
- Transparenter kommunizieren
- Einfluss durch Leistung statt Zugehörigkeit
- Strategisch führen statt operativ eingreifen
- Verantwortung gegenüber Mitarbeitern ernst nehmen
Arbeitsatmosphäre
Professionelles Verhalten ist in Teilen der Belegschaft offenbar optional. Es wird aus meiner Sicht toleriert, dass einzelne Personen Kollegen und Kunden auf eine Art behandeln, die wenig mit professioneller Zusammenarbeit zu tun hat. Konsequenzen scheinen dabei nicht immer vom Verhalten selbst abzuhängen.
Zusätzlich ist das Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt. Mein Vertrauen in den vertraulichen Umgang mit sensiblen Themen wurde über die Zeit erheblich erschüttert.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als moderner und sozialer Arbeitgeber. Meine persönlichen Erfahrungen haben jedoch nicht immer zu diesem Bild gepasst.
Work-Life-Balance
Das Homeoffice ist für viele Mitarbeiter vermutlich die einzige Möglichkeit, sich zeitweise dem belastenden Umfeld im Büro zu entziehen. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass das offene Ansprechen von Belastungsgrenzen, Überstunden oder strukturellen Problemen nicht immer willkommen war.
Karriere/Weiterbildung
Wer nicht zum inneren Zirkel gehört, hat aus meiner Sicht deutlich schlechtere Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen oder Veränderungen anzustoßen. Transparente Entwicklungsperspektiven und nachvollziehbare Karrierewege habe ich nur eingeschränkt wahrgenommen.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Benefits waren insgesamt marktgerecht
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Soziale Verantwortung sollte sich nicht nur in Unternehmenswerten widerspiegeln, sondern insbesondere in schwierigen Phasen sichtbar werden. Gerade während der Umstrukturierungen hatte ich nicht immer den Eindruck, dass soziale Aspekte ausreichend berücksichtigt wurden.
Kollegenzusammenhalt
Wer nicht zum inneren Zirkel gehört, hat aus meiner Sicht deutlich schlechtere Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen oder Veränderungen anzustoßen.
Gleichzeitig hatte ich häufig den Eindruck, dass informelle Netzwerke mehr Einfluss hatten als offene und sachliche Diskussionen.
Es gab aber auch sehr nette Leuten, mit denen man gerne zusammengearbeitet hat.
Umgang mit älteren Kollegen
Die soziale Kälte zeigte sich besonders während der Umstrukturierungen Mitte 2025 / Anfang 2026 und den damit verbundenen Stellenabbaumaßnahmen. Besonders kritisch habe ich wahrgenommen, wie im Rahmen dieser Maßnahmen auch langjährige und besonders schutzbedürftige Mitarbeiter betroffen waren.
Nach meiner Wahrnehmung haben die Umstrukturierungen nicht immer die Personen getroffen, die für entstandene Probleme oder Fehlentwicklungen verantwortlich waren. Gleichzeitig blieben viele der bestehenden Strukturen und Einflussverhältnisse unverändert bestehen.
Auch die Rolle des Betriebsrats habe ich in dieser Phase kritisch wahrgenommen, da er aus meiner Sicht die Interessen der betroffenen Mitarbeiter nicht immer mit der Konsequenz vertreten hat, die ich erwartet hätte.
Vorgesetztenverhalten
Dem Vorstand fehlt aus meiner Sicht der Blick über den eigenen Tellerrand. Die Führungsentscheidungen wirkten auf mich häufig wenig durch externe Management- oder Unternehmenserfahrung geprägt, wodurch bekannte Herausforderungen wiederholt unterschätzt wurden.
Die Realität zeigt aus meiner Sicht, dass Projekte und Strukturen besonders dort leiden, wo die Geschäftsführung aktiv in operative Themen eingreift.
Nach meiner Wahrnehmung geraten Mitarbeiter, die Veränderungen anstoßen oder bestehende Strukturen kritisch hinterfragen, häufig ins Abseits. Viele engagierte Kollegen haben das Unternehmen in den vergangenen Jahren verlassen oder verlassen müssen. Wer konstruktive Kritik äußert, die von bestimmten Entscheidungsträgern nicht gewünscht ist, gilt schnell als Störfaktor.
Arbeitsbedingungen
Strategische Fehlentscheidungen der Führungsebene treffen am Ende die Belegschaft. Nach dem Umbruch 2025, geprägt durch den Wechsel von einem Vorstands-Duo zu einem Alleinvorstand, die Gründung eines Betriebsrats sowie den zunehmenden Einstieg des neuen Inhabers in das operative Tagesgeschäft, ging nach meinem Eindruck viel von dem verloren, was das Unternehmen früher ausgemacht hat.
Kommunikation
Wiederholt entstand bei mir der Eindruck, dass Informationen über personelle Veränderungen im Unternehmen bereits einem größeren Personenkreis bekannt waren, bevor die unmittelbar betroffenen Mitarbeiter selbst vollständig informiert wurden. Dadurch wurde mein Vertrauen in den vertraulichen Umgang mit sensiblen Themen nachhaltig beschädigt.
Wichtige Veränderungen wurden nach meinem Eindruck häufig erst dann sichtbar, wenn Entscheidungen bereits getroffen waren.
Gleichberechtigung
Frauen haben es im Unternehmen nach meinem Eindruck deutlich schwerer als notwendig. Wiederholt hatte ich den Eindruck, dass weibliche Kolleginnen zunächst nicht selbstverständlich über ihre fachliche Rolle wahrgenommen wurden.
Wenn neue Kolleginnen ins Unternehmen kamen, wurde teilweise zunächst angenommen, es handele sich um neue Assistentinnen, unabhängig davon, welche fachliche Position sie tatsächlich innehatten. Solche Situationen haben bei mir den Eindruck eines Rollenverständnisses hinterlassen, das nicht immer den tatsächlichen Qualifikationen und Verantwortlichkeiten der betroffenen Mitarbeiterinnen gerecht wurde.
Interessante Aufgaben
Inhaltlich gäbe es insbesondere in den technologischen Nischen großes Potenzial. Dieses Potenzial wird jedoch aus meiner Sicht durch strategische Selbstzufriedenheit und fehlende Marktorientierung ausgebremst. Man verliert sich häufig in Details und übersieht dabei, dass sich Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse schneller entwickeln als die eigene Organisation.

