Viel Bewegung, wenig Richtung - Wenn Wachstum die Orientierung überholt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Gerade in den früheren Jahren war die familiäre Atmosphäre wirklich angenehm - und auch heute findet man stellenweise noch Kollegen, mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht und auf die man sich verlassen kann. Der Zusammenhalt ist zwar nicht überall gleich stark ausgeprägt, aber wenn er da ist, dann funktioniert er auch.
Und nicht zuletzt bietet die Firma - gerade durch ihre Entwicklung und die vielen Veränderungen - eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und sich neu zu orientieren.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was weniger überzeugt: Führung ist eher ein Zufallsprinzip, Kommunikation ein Geduldsspiel und Verlässlichkeit ein Wunschgedanke. Versprochene Entwicklungen bleiben aus, während gleichzeitig ständig neue Veränderungen angekündigt werden.
Die Aufgaben sind größtenteils wenig fordernd, echte Weiterentwicklung wird kaum unterstützt. Dazu kommt eine teils angespannte, laute Arbeitsatmosphäre und eine Kultur, in der man genau überlegen sollte, was man wem erzählt.
In Summe fühlt man sich oft eher wie Teil der Masse als wie ein wertgeschätzter Mitarbeiter.
Verbesserungsvorschläge
Vielleicht könnte man damit anfangen, Führungskräfte einzusetzen, die zumindest grob wissen, was ihre Teams eigentlich den ganzen Tag tun. Alternativ würde es auch schon helfen, wenn sie gelegentlich Zeit hätten, mit ihren Mitarbeitern zu sprechen – ein kurzer Termin alle paar Monate wäre da schon ein mutiger erster Schritt.
Beim Thema Kommunikation könnte man ein spannendes Pilotprojekt starten: auf E-Mails und Nachrichten einfach mal antworten. Idealerweise noch im selben Quartal – aber man will ja nicht direkt unrealistisch werden.
Für die Arbeitsatmosphäre wäre es eventuell hilfreich, Emotionen nicht ausschließlich in Lautstärke zu messen. Ein bisschen weniger „Reality-Show“ und ein bisschen mehr Professionalität könnten hier Wunder wirken.
Und bei den Aufgaben selbst könnte man darüber nachdenken, den Begriff „interessant“ wieder vorsichtig ins Vokabular aufzunehmen. Mitarbeiter tatsächlich zu fordern und zu fördern wäre sicherlich eine gewagte, aber spannende Idee.
Und last but not least: Die angekündigten „großen Veränderungen“ könnte man testweise einfach mal umsetzen. Nur um zu schauen, wie sich das so anfühlt.
Aber hey, Schritt für Schritt. Man will das System ja nicht überfordern.
Arbeitsatmosphäre
Sagen wir mal so: eher laut als leise. Einige Kollegen leben ihre Emotionen sehr authentisch aus - gerne auch mal lautstark und für alle hörbar. Wer also schon immer mal in einem Umfeld arbeiten wollte, das gleichzeitig Büro und Reality-Show ist, kommt hier definitiv auf seine Kosten.
Work-Life-Balance
Die darf man sich immerhin selbst gestalten - was vor allem daran liegt, dass sich ohnehin niemand so richtig dafür interessiert. Nachfragen gibt es kaum, Kontrolle auch nicht. Man geht einfach wunderbar in der Masse unter – ideal für alle, die schon immer mal ausprobieren wollten, wie unsichtbar man im Berufsalltag eigentlich werden kann.
Kollegenzusammenhalt
der Kollegenzusammenhalt ist stellenweise tatsächlich ganz okay. Man hilft sich, hält zusammen… zumindest bis zu dem Punkt, an dem man sich überlegen sollte, wem man was erzählt. Ein falsches Wort, und man merkt schnell: Auch intern wird hier gerne mal „weiterverwertet“. Teamgeist mit einem kleinen Hauch von Nervenkitzel.
Umgang mit älteren Kollegen
Kurz gesagt - Respektlos
Vorgesetztenverhalten
Das absolute Highlight kam dann mit Führungskräften-Karussell. Kaum hatte man sich einen Namen gemerkt, war der Posten auch schon wieder weg. Parallel dazu wurden natürlich weiter fleißig neue Geschäftszweige gegründet und die Firma umbenannt - weil das ja bekanntlich alle Probleme löst.
Kommunikation
Führungskräfte haben weder Ahnung von der eigentlichen Arbeit noch Zeit für die Mitarbeiter eine beeindruckende Kombination. Mitarbeitergespräche? Werden zuverlässig verschoben. Kommunikation? Funktioniert am besten im „Wir melden uns einfach gar nicht“-Modus.
Interessante Aufgaben
Ach ja - die Aufgaben selbst sollte man natürlich auch nicht unerwähnt lassen. Wer auf spannende, herausfordernde Tätigkeiten hofft, wird hier angenehm auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die meisten Aufgaben bewegen sich eher im Bereich „solide Beschäftigungstherapie“ perfekt, um bloß nicht in den Verdacht zu geraten, man könnte sich fachlich weiterentwickeln.