Außen Glanz, innen Stillstand: Die Paradoxie der Probezeit bei Morgenfund
Gut am Arbeitgeber finde ich
1. Die „Hardware“ und Infrastruktur
2. Die finanzielle Sicherheit & Sozialleistungen
3. Gelebte Work-Life-Balance
4. Wertschätzung von Erfahrung (Age Diversity)
5. Fachliche Komplexität
6. Hilfsbereitschaft im Kleinen
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. Die „Double Bind“-Kommunikation (Die psychologische Falle)
Das ist der schwerwiegendste Punkt. Ich wurde in eine Situation manövriert, in der jede Handlung falsch ausgelegt wurde. Meine fachlichen Fragen wurden als „nervig“ und „belastend“ abgestempelt. Mein Versuch, eigenständig zu arbeiten (um nicht zu nerven), wurde als „Desinteresse“ oder „mangelndes Fragen“ umgedeutet.
Das Ergebnis: Für mich war das eine No-Win-Situation. Diese Art der Führung ist hochgradig destruktiv und nimmt Mitarbeitern jegliche Sicherheit. Das Unternehmen hat mich „verhungern“ lassen und mir dann die Schuld daran gegeben, dass ich „hungrig“ (wissbegierig) war.
2. Mangelnde Aufrichtigkeit der Führungskraft
Ein Teamleiter, der auf Nachfrage sagt: „Nein, nein, es ist alles gut“, während intern bereits die Kündigung vorbereitet wird, handelt unprofessionell und unaufrichtig. Ein guter Vorgesetzter hätte mir ein faires Zwischenfeedback gegeben.
3. Strukturelles Versagen beim Onboarding
Man hat mir eine Mentorin zugeteilt, die physisch und zeitlich gar nicht in der Lage war, mich einzuarbeiten. Sie war selbst in einer Umschulung und durch das Tagesgeschäft überlastet.
4. „Tratsch-Kultur“
Dass Kritik nicht direkt an mich herangetragen wurde, sondern über den Flur oder hinter verschlossenen Türen beim Chef landete, deutet auf ein feiges Arbeitsumfeld hin.
5. Fehlende Lern- und Fehlerkultur
In einem Finanzumfeld (DWS-Umfeld), in dem es um viel Geld und komplexe Daten geht, ist es lebensgefährlich, Fragen zu unterdrücken. Dass meine Fragen genervt aufgenommen wurden, zeigt, dass das Team mehr Wert auf „Ruhe im Karton“ legt als auf fachliche Korrektheit und Wissensaufbau.
6. Ignoranz gegenüber Qualifikation
Ich bin Akademiker mit einer IHK-Zertifizierung als Datenanalyst. Man hat mich behandelt wie einen unselbstständigen Anfänger, dem man sagen muss, dass er mehr mitschreiben soll (obwohl ich das stets tat).Diese Herabwürdigung meiner Arbeitsweise war ein Zeichen von mangelndem Respekt gegenüber meiner Berufserfahrung.
Verbesserungsvorschläge
1. Mentoren-Ressourcen schützen (Struktur vor Improvisation)
Man kann einen neuen Mitarbeiter nicht einer Kollegin „anhängen“, die selbst gerade in einer Umschulung steckt und im Tagesgeschäft ertrinkt.
Vorschlag: Wer einarbeitet, muss von 20–30 % seiner restlichen Aufgaben freigestellt werden. Einarbeitung ist eine Investition, keine Nebenaufgabe.
2. Die „Frage-Kultur“ als Qualitätssicherung begreifen
Dass Fragen als „nervig“ empfunden werden, ist ein Warnsignal für eine toxische oder überlastete Kultur.
Vorschlag: Fragen müssen als Risikominimierung gewertet werden. Jede Frage, die ein neuer Mitarbeiter stellt, verhindert einen potenziellen Fehler im Fondssystem. Der Teamleiter muss hier moderieren: „Lieber Kollege, sammeln wir deine Fragen bis 14 Uhr, dann gehen wir sie gebündelt durch“, statt genervt zu reagieren. Und diese Durchgänge müssen dann auch stattfinden.
3. Psychologische Sicherheit statt „Double Bind“
Dich in eine Situation zu bringen, in der du weder fragen darfst noch nicht fragen darfst, ohne kritisiert zu werden, ist psychologisch destruktiv.
Vorschlag: Einführung von strukturierten Feedback-Zyklen in der Probezeit (alle 4 Wochen). Ein „Alles gut“ am Kaffee-Automaten darf nicht die einzige Rückmeldung sein, wenn intern schon an der Kündigung gearbeitet wird.
4. Den „Clash der Generationen“ moderieren
Ein Team, das fast nur aus langjährigen, älteren Kollegen besteht, neigt zur Betriebsblindheit und zu informellen Hierarchien (Tratsch).
Vorschlag: Teamentwicklungs-Workshops. Wenn „die Neuen“ kommen, müssen die „Alten“ verstehen, dass frische Fragen keine Kritik an ihrer bisherigen Arbeit sind, sondern notwendig für den Wissenstransfer.
5. Das DWS-Image nach innen leben
Wenn man von den Vorteilen eines Weltkonzerns profitiert, muss man auch dessen professionelle Standards in der Führung halten.
Vorschlag: Führungskräfte-Training für Teamleiter. Ein Teamleiter bei Morgenfund darf nicht „genervt“ von fachlichen Fragen sein – das ist sein Job.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist geprägt von einem hohen Arbeitsaufkommen, das leider zulasten der Feedbackkultur geht. Menschlich und strukturell scheitert die Integration neuer Mitarbeiter jedoch an einer mangelhaften Feedbackkultur und überlasteten Einarbeitungsprozessen.
Image
Morgenfund profitiert als eher diskret agierende Ausgründung der DWS von hervorragenden Rahmenbedingungen (Gehalt, Ausstattung)
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist positiv hervorzuheben. Die Arbeitszeiten sind fair gestaltet und lassen sich gut mit dem Privatleben vereinbaren. Hier zeigt sich das Unternehmen als verlässlicher Arbeitgeber.
Karriere/Weiterbildung
Wenn man in eine Situation gerät, in der das „Lernen-Wollen“ (Fragen stellen) erst bestraft und später das „Nicht-Fragen“ als Kündigungsgrund vorgeschoben wird, dann hinterlässt das Wort „Weiterbildung“ einen extrem faden Beigeschmack. Theoretisch bietet das komplexe Umfeld von Morgenfund und die Nähe zur DWS-Gruppe ein großes Lernpotenzial. Praktisch wird dieses jedoch im Keim erstickt, da es keine echte Lernkultur gibt. Wenn fachliche Wissensaneignung und Rückfragen als störend empfunden werden, ist an eine langfristige berufliche Weiterentwicklung oder Karriereplanung innerhalb des Teams kaum zu denken. Die „Einarbeitung“ fühlte sich eher wie eine Hürde als wie eine Förderung an.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung sowie die Sozialleistungen sind für die Branche und die Position absolut angemessen und fair. Hier zeigt sich das Unternehmen als solider Arbeitgeber.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Hierzu gibt es wenig zu berichten. Besondere Kampagnen oder Bestrebungen in Richtung Nachhaltigkeit oder soziales Engagement waren während meiner Zeit nicht wahrnehmbar.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Team war zweigeteilt. Einerseits gab es viele hilfsbereite Kollegen, die meine fachlichen Rückfragen gerne beantworteten und mich unterstützten. Andererseits herrscht eine ausgeprägte „Tratsch-Kultur“, bei der viel über Dritte gesprochen wird, statt Probleme direkt zu klären. Das trübt das ansonsten freundliche Miteinander leider massiv.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kollegen ist fair und professionell. Das Team besteht (bis auf wenige Ausnahmen) fast ausschließlich aus langjährigen, älteren Mitarbeitern. In dieser Hinsicht wird Gleichberechtigung gelebt und Erfahrung geschätzt.
Vorgesetztenverhalten
Mein Teamleiter reagierte zunehmend gereizt auf fachliche Rückfragen, was den Lernprozess massiv erschwerte. Das Paradoxe: Nachdem ich versuchte, die Belastung für das Team zu senken und mir Inhalte verstärkt selbst zu erschließen, wurde mir im Kündigungsgespräch am Ende der Probezeit vorgeworfen, ich hätte „zu wenig gefragt“. Es wird erwartet, dass neue Mitarbeiter komplexe Systeme (wie bei Morgenfund üblich) quasi „nebenbei“ lernen, während die Teamleiter selbst keine Kapazitäten für die Anleitung haben.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind vorbildlich. Die Büros sind großzügig gestaltet, es gibt eine gut ausgestattete Küche und die IT-Infrastruktur ist modern. Die Mischung aus Büroarbeit und Home-Office ist sehr gut verteilt und flexibel gestaltet. Hier investiert das Unternehmen spürbar in die Umgebung seiner Mitarbeiter.
Kommunikation
Die Führungskommunikation empfand ich als paradox. Ich wurde in eine „Double-Bind“-Situation manövriert: Auf fachliche Rückfragen wurde zunehmend gereizt reagiert, da die Kapazitäten für die Einarbeitung fehlten. Als ich daraufhin versuchte, das Team zu entlasten, indem ich mir Informationen eigenständig erschloss und intensiv dokumentierte, wurde mir im Kündigungsgespräch (kurz vor Ende der Probezeit) vorgeworfen, ich hätte „zu wenig gefragt“. Besonders enttäuschend: Trotz Nachfrage während der Probezeit wurde mir versichert, es sei „alles gut“. Ein ehrliches, direktes Feedback blieb aus.
Von meinem Teamleiter wurde mir ein Mentor zur Seite gestellt. Dieser war fachlich kompetent, aber durch Tagesgeschäft und parallele Umschulungen zeitlich völlig überlastet. Neue Mitarbeiter werden so zum Spielball der internen Zeitnot.
Gleichberechtigung
Hier gibt es absolut nichts zu beanstanden. In meiner Zeit im Unternehmen habe ich eine faire und gleichberechtigte Behandlung aller Mitarbeiter wahrgenommen, unabhängig von Geschlecht oder Hintergrund. Das Klima ist in dieser Hinsicht sehr professionell und modern.
Interessante Aufgaben
Die Materie bei Morgenfund ist komplex und spannend – umso bedauerlicher ist es, dass man hier keine Umgebung schafft, in der man diese Komplexität strukturiert erlernen darf.