Burnout in 3.. 2.. 1..
Gut am Arbeitgeber finde ich
- in über 10 Jahren noch nie Probleme mit der Pünktlichkeit des Gehalts gehabt
- Anrufe in verschiedenen Abteilungen der Zentrale waren in den allermeisten Fällen sehr freundlich und zielführend
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- ständige Angst, dass die Leistung nicht reicht, egal wie schnell man arbeitet, wie viele Überstunden oder verkürzte Pausen man macht, weil man nie kommuniziert bekommt, wann es denn gut genug ist, sondern immer nur, was nicht gepasst hat. Wenn man 98% schafft, wird auf den 2% rumgeritten als hätte man garnichts geleistet.
- fehlende Menschlichkeit. Personal ist nur ein Kostenfaktor, der einzelne, individuelle Mensch wird nicht geschätzt
- jede/r muss alles können, statt dass man nach Stärken und Schwächen abwägen und Aufgaben verteilen kann
- abschließend finde ich es wirklich schlecht, dass man nach all den oben genannten Punkten bei Firmenevents/in der Weihnachtsmail, etc. hört, wie wertvoll doch jede/r Einzelne ist, wenn im Arbeitsalltag nichts davon zu spüren ist. Da ist Zynismus vorprogrammiert..
Verbesserungsvorschläge
- verpflichtende Schulungen zu gewaltfreier Kommunikation (beginnend bei der Geschäftsführung, sodass nicht mehr per Mail mit "arbeitsrechtlichen Konsequenzen" gedroht wird, wenn die neueste pfiffige Idee nicht bis gestern umgesetzt wird)
- Entlastung der unteren Ebenen - wir haben genug zu tun, bitte verkauft nicht noch zig Quadratmeter an Fremdfirmen, für die man dann noch einen weiteren tollen Aufbau machen muss, für den aber die Ware fehlt
- in zuverlässig funktionierende Technik investieren, es wird sich durch die gesparte Zeit auszahlen, moderne Kassen, ergonomische Stühle
Arbeitsatmosphäre
Wenn grad alle Sterne richtig stehen, ist eine gute Atmosphäre mal möglich. Meistens ist sie aber gehetzt und gestresst.
Kommunikation
Jede/r wirft jeder/m vor, zu wenig zu kommunizieren
Kollegenzusammenhalt
Wo Zusammenhalt da ist, gibt es meist auch ein gutes privates Verhältnis. "Reine" Arbeitskolleg:innnen pflegen eher, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen. Als Führungskraft muss man sehr aufpassen, dass das offene Ohr nicht dafür ausgenutzt wird, sich gegen einzelne Mitarbeitende aufbringen zu lassen. Allerdings wird fast immer, wenn etwas umfällt/kaputt geht/laut scheppert, sofort gefragt ob alles ok ist und Hilfe angeboten.
Aber wenn jmd krank ist, lästern die Anwesenden direkt darüber, dass angeblich "blau" gemacht wird etc.
Work-Life-Balance
Man kann Wünsche äußern. Wenn es ausnahmsweise und einmalig um eine bestimmte Schicht oder frei an einem bestimmten Tag geht, klappt das eher gut. Alles darüber hinaus ist zu viel verlangt.
Vorgesetztenverhalten
Von unterstützend bis unmenschlich/grausam schon alles erlebt. Im Durchschnitt wird mit Druck und Angst für Gefügigkeit gesorgt. Nach außen aber immer eine gute Mine.
Interessante Aufgaben
Als Führungskraft hat man noch ein wenig Spielraum, alles abwechslungsreich und fair zu verteilen - aber auch nur, wenn das was von oben kommt es zulässt. Leider sind die wiederholenden Pflichtaufgaben so durchgetaktet, dass kaum Zeit bleibt die eigene oder die Kreativität der Mitarbeitenden zu entfalten. Ich gebe hier nur deshalb 3 Sterne, weil ich persönlich gerne immer wieder dieselben Aufgaben mache.
Gleichberechtigung
Den Mitarbeitenden würde es die Zehennägel hochrollen, wenn sie wüssten, in welchem Ausmaß die meisten Führungspersonen sympathieabhängig abwägen, wem welche Privilegien zustehen.
Umgang mit älteren Kollegen
Werden genau so reingehetzt, wie der junge Nachwuchs. Wenn ich als Führungskraft versuche, sie in Schutz zu nehmen, ernte ich verächtliche Blicke aus dem Führungsteam.
Arbeitsbedingungen
Mit viel Glück erwischt man eine Filiale, in der die Klima funktioniert, dann sind wenigstens die Temperaturen zu ertragen. Lärmpegel hängt stark von Filiale, Vorhandensein einer Rolltreppe, Saison und Wochentag/Uhrzeit ab. Die Computer sind bei manchen Tools so langsam, dass man pro Woche ca. 1 Stunde damit verbringt, den Ladebalken anzufeuern (Ja, ich habe nachgerechnet). Telefone und EDV-Geräte fallen regelmäßig aus, sodass Arbeiten garnicht erledigt werden können.
Personal fehlt, an manchen Tagen hat man eigentlich keine Zeit auf Toilette zu gehen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Wird nach außenhin behauptet, aber völlige Fehlanzeige. Alles doppelt und dreifach verpackt, Materialverschwendung ohne Ende. Oft keine richtige Mülltrennung.
Gehalt/Benefits
Fände das Gehalt angemessen, wenn die Arbeitsbedingungen/Belastungen es auch wären. Aber dafür, so viel ertragen zu müssen, ist es definitiv zu wenig; vor allem für Voll- und Teilzeitkräfte ohne Führungsverantwortung. Es bricht mir das Herz, wenn alleinerziehende Mütter nach ihrer Schicht bei Müller zum nächsten Job rennen, um ihren Kindern ein normales Leben zu ermöglichen.
Image
Es gibt kaum jemanden der gut über diesen Arbeitgeber spricht. Diejenigen, die es tun, sind Teil der beschriebenen Probleme.
Karriere/Weiterbildung
Es wird zwar immer wieder mal was angeboten aber habe noch nie erlebt, dass jemand dadurch wirklich aufsteigt. Das klappt viel besser durch Vitamin B.

