Vom Top-Arbeitgeber zum Auslaufmodell - wie fehlende Führungskultur zur Gefahr wird.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Potenzial der Marke und das Kernprodukt sind (oder waren) hervorragend. Der größte Pluspunkt ist jedoch (noch) die Hilfsbereitschaft innerhalb der Belegschaft auf operativer Ebene – der kollegiale Zusammenhalt ist das Einzige, was das Unternehmen aktuell noch zusammenhält. Und zehrt noch von früherer Führung.
Purpose ist sicherlich vorhanden, und die Internationalisierung war eine große, spannende Bereicherung für viele.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider hat sich das Unternehmen letztes Jahr in eine Richtung entwickelt, die mit der ursprünglichen Kultur nichts mehr zu tun hat. Wo früher Transparenz herrschte, regiert heute strategische Leere und ein fragwürdiger Umgang mit den Mitarbeitenden. Erstaunlich, wie sich ein Unternehmen binnen eines Jahres um 180 Grad drehen kann.
Verbesserungsvorschläge
Werte sollten gelebt werden und bedeuten Verantwortung für Menschen, nicht nur für KPIs. Ein ehrlicher Dialog auf Augenhöhe, mehr Transparenz und Sichtbarkeit der Geschäftsführung sowie die Einhaltung von Zusagen wären ein erster Schritt zur Besserung.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung ist aktuell geprägt von Angst und Unsicherheit. Ein wertschätzendes Miteinander ist einer Kultur des Misstrauens gewichen. Es wird massiv in eine „kulturelle Transformation“ investiert, die nach außen glänzt, intern aber von der Führung weder vorgelebt noch ernst genommen wird. Es ist schmerzhaft zu sehen, dass hier immense Ressourcen für externe Berater und Image-Projekte aufgewendet werden, während gleichzeitig betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Dieses Budget wäre in der Produktentwicklung oder im Erhalt von Arbeitsplätzen wesentlich sinnvoller investiert gewesen. Es wird nicht mehr in Menschen investiert, jeder ist ersetzbar, Mitgestaltung ist nicht mehr gewünscht und man fühlt sich alleine gelassen, wo man früher Teil von etwas war.
Kommunikation
Nach außen weiterhin gewohnt gute Qualität, interne Kommunikation von der Geschäftsführung ist faktisch zum Stillstand gekommen. Und diese fehlt gewaltig. Es gibt verschiedene Formate wie einen Mitarbeiten-Dialog, gute Idee, wird aber nicht genutzt um tatsächliche, wichtige Kommunikation anzusetzen. Übergreifende Austausche werden stark heruntergefahren. Transparenz ist ein Fremdwort geworden. Informationen fließen nur spärlich und oft erst dann, wenn es zu spät ist. Entscheidungen wirken oft willkürlich und werden nicht nachvollziehbar begründet.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist noch das einzig verbliebene Rückgrat des Unternehmens. Man unterstützt sich gegenseitig, wo die Führung versagt, und fängt die enorme Verunsicherung sowie die hohe Arbeitslast gemeinsam auf. Es gibt ein starkes ‚Wir-Gefühl‘ an der Basis – allerdings ist dieser Zusammenhalt oft ein reiner Solidarpakt gegen die gefühlte Strategielosigkeit und den wachsenden Druck von oben. Es ist schade zu sehen, wie dieses Potenzial durch die aktuelle Fluktuation und das toxische Klima Stück für Stück zerrieben wird.
Work-Life-Balance
Da letztes Jahr sehr viele Überstunden angefallen sind, weniger gut. Betriebsbedingte Kündigungen machen das Abfangen schwer. Dennoch: Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und das Büro liegt zentral.
Vorgesetztenverhalten
Kritisches Feedback wird von der Geschäftsführung nicht als Chance, sondern als Angriff wahrgenommen. Ideen und fachliches Know-how werden konsequent ignoriert oder in einer Weise sanktioniert, die psychologische Sicherheit im Keim erstickt. Hinterfragen des Systems kann sogar in persönlichen Sanktionen enden. Versprechen werden leider selten gehalten; man hat das Gefühl, dass Aussagen eine sehr kurze Halbwertszeit haben. Kein Vertrauen mehr da, dafür umso mehr top-down.
Interessante Aufgaben
Strategielosigkeit und fehlende Planung, was sich leider auch in den Aufgaben und Themen widerspiegelt. Es wird keine Mitgestaltung gefördert, es wird nach Order ausgeführt - die Verantwortung soll man aber trotzdem übernehmen. Während die Belegschaft mit Unsicherheit und einer besorgniserregend hohen Fluktuation kämpft, fehlt ein klarer roter Faden für die Zukunft der Produkte und Ressourcen. Intransparente Planung und Druck erschweren die Arbeit.
Gleichberechtigung
Luft nach oben. Aber im Vergleich zu anderen Branchen schon weiter.
Dies gilt leider nur für die Gender-Gleichberechtigung, aber nicht für Diversität.
Umgang mit älteren Kollegen
Ganz normaler Umgang, aber definitiv nicht wertschätzend genug bez. Erfahrung, Know-How etc.
Arbeitsbedingungen
Guter Standort in der City, normale Ausstattung der Arbeitsmittel. Klassiches, modernes Büro-Set up, Großflächen. Das Betriebsklima macht allerdings ein gemeinsames Team-Arbeiten, so wie früher, im Büro schwierig.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wird Nachhaltigkeit suggeriert durch Kleinstprojekte, die viel Geld kosten und aufgebauscht werden.
Gehalt/Benefits
Gehalt ist gut. Seltsames incentive: Das Deutschlandticket wird lediglich zu 50% bezuschusst, aber nur, wenn man mindestens 4 Tage die Woche ins Büro kommt. Schade. Zu günstigen Preisen: Jobrad. Fitness-Pass.
Image
Nach außen hin präsentiert sich das Unternehmen als innovativer technischer Vorreiter. Doch die schöne Fassade bröckelt: Intern herrscht ein Klima der Unsicherheit und Stagnation. Das Image als moderner, werteorientierter Arbeitgeber wird durch die hohe Fluktuation und den fragwürdigen Umgang mit langjährigen Leistungsträgern ad absurdum geführt. Es ist eine klassische ‚Inside-Out‘-Problematik: Man versucht ein Bild zu verkaufen, das im täglichen Miteinander und in der Führungskultur keinerlei Fundament hat. Wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell, dass hier Schein über Sein geht.
Karriere/Weiterbildung
Strukturbedingt mäßige Aufstiegsmöglichkeiten. Weiterbildungen werden regelmäßig angeboten. Unternehmen bildet auch aus.