Zwischen Lernchance und Burnout
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Aufgaben waren spannend und boten viele Lernmöglichkeiten. Der kollegiale Zusammenhalt innerhalb der Teams war stark und sorgte trotz starker struktureller Schwächen für ein unterstützendes Arbeitsumfeld.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Es fehlte an klarer strategischer Führung, stabilen Prozessen und transparenter Kommunikation – insbesondere auf höheren Managementebenen. Die Work-Life-Balance war stark unausgewogen und individuelle Belastungsgrenzen wurden selten respektiert.
Verbesserungsvorschläge
Die Firmenwerte auch tatsächlich leben. Es wäre sinnvoll, umfassende Managementworkshops für Führungskräfte und insbesondere die Gründer einzukaufen und durchzuführen.
Arbeitsatmosphäre
Stark teamabhängig – in manchen Teams sehr kollegial und motivierend, in anderen eher toxisch. Wirkliche Erfolgserlebnisse waren selten, oft überlagert von permanentem Stress. Plötzliche und unerwartete Entlassungen von Kollegen innerhalb und außerhalb der Probezeit, sorgten für Jobunsicherheit.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist unzureichend. Späte Meetings (z. B. auch gut nach 18 Uhr) waren keine Seltenheit. Pausen wurden häufig nicht respektiert und überplant. Arbeitszeiterfassung fehlte, ebenso wie Ausgleichstage. Wer 'nur' 45 Stunden arbeitete, galt schnell als nicht engagiert genug. Mitarbeitende hatten teilweise über die Jahre mehr als 60 Urlaubstage angesammelt – ohne realistische Möglichkeit, diese zeitnah abzubauen. Es gab zwar offiziell flexible Arbeitszeiten, jedoch hieß das eher, dass man jederzeit flexibel verfügbar sein musste. Es waren bis zu 3 Tage Homeoffice pro Woche erlaubt.
Karriere/Weiterbildung
Schnelle Verantwortungsübernahme und Aufstiegsmöglichkeiten waren gegeben. Onboarding war minimal und wurde auch für weitere neue Mitarbeiter nicht besser – der Alltag folgt dem Motto 'learning by doing'. Für Weiterbildung blieb während der Arbeitszeit keine Zeit. Das Angebot und die Möglichkeiten wurden mit der Zeit verbessert.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war überdurchschnittlich. Rechnet man jedoch die vielen Überstunden und die fehlende Arbeitszeiterfassung mit ein, relativiert sich dieser Vorteil.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kommt auf die Person an, vor allem das Sozialbewusstsein.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt innerhalb der Teams war bemerkenswert gut. Kolleg:innen unterstützten sich gegenseitig, auch in stressigen Phasen, und es herrschte oft ein offenes, hilfsbereites Miteinander innerhalb eines Teams. Dieser Rückhalt gleichte viele der strukturellen Schwächen zumindest im direkten Umfeld aus. Zwischen den Teams hingegen ist der Umgang distanzierter, und es kam häufiger zu Abgrenzung oder Spannungen, insbesondere wenn es um Verantwortlichkeiten geht.
Umgang mit älteren Kollegen
Kaum ältere Mitarbeitende im Unternehmen, ebenso wenige mit familiären Verpflichtungen. Die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben dürfte ein mitverantwortlicher Faktor gewesen sein.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Führungskräfte war stark personenabhängig und insgesamt unstrukturiert. Das Gründerteam trat widersprüchlich auf und Absprachen wurden nicht eingehalten. In Meetings kam es mitunter zu offenen Auseinandersetzungen und lautstarken Konflikten unter Vorgesetzten. Kündigungen erfolgten plötzlich und ohne Vorwarnung – auch außerhalb der Probezeit. Desto höher die Managementebene, desto ausgeprägter waren die Probleme. Gleichzeitig bemühten sich viele Führungskräfte auf mittlerer Ebene ehrlich, ihre Teams zu unterstützen und die negativen Auswirkungen abzufedern. Man gewann zunehmend den Eindruck, dass das Hauptziel darin bestand, das Unternehmen möglichst bald für einen Verkauf attraktiv zu machen. Auch wiederholt eingebrachtes, konstruktives Feedback aus dem Kollegium blieb folgenlos.
Arbeitsbedingungen
Es gab die Möglichkeit für bis zu 3 Tage im Homeoffice, weniger waren jedoch erwünscht. Die technische Ausstattung war sehr gut. Das Büro war meist überfüllt, laut und es war teilweise schwierig einen Arbeitsplatz zu finden. Meetings, Telefonate und Videokonferenzen (teils mit Kunden) fanden auch im Flur, dem Treppenhaus oder der Küche statt. Es fand mittlerweile ein Umzug in ein neues Büro statt.
Kommunikation
Kommunikation war insgesamt unausgewogen und wenig vertrauensbildend. Toxische Diskussionen im Alltag kontrastierten mit auffällig positiv formulierten Slack-Beiträgen, die wenig authentisch wirkten und Spannungen eher verdeckten als lösen.
Gleichberechtigung
Im Grundsatz vorhanden, aber nicht konsequent umgesetzt. Respektloses oder sexistisches Verhalten wurde nur dann sanktioniert, wenn die Person auch fachlich auffiel oder für Vorgesetzte problematisch wurde. Andernfalls blieb es bei lockeren Gesprächen, und Betroffene wurden gebeten, darüber hinwegzusehen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren spannend und vielfältig. Man bekam tiefe Einblicke in komplexe Prozesse und lernte sehr schnell sehr viel. Eine Schonfrist für neue Mitarbeiter oder gründliches Onboarding war nicht vorgesehen. Es gab viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Es gab sehr schnelle Aufgabenwechsel und damit schnell wechselnde Erwartungen.
