Mehr Frust als Fortschritt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Zusammenhalt im Kollegenkreis war stabil und offen. Man konnte sich aufeinander verlassen und wusste, dass man mit seinen Themen nicht allein war. Die Ausstattung war funktional, das Gehalt solide und tariflich angelehnt. Wer gut organisiert war, konnte sich seinen Arbeitsalltag grundsätzlich angenehm gestalten. Positiv war auch, dass sich das Unternehmen trotz aller Schwierigkeiten nicht aufgegeben hat. Man hat gemerkt, dass noch an alten Werten festgehalten wurde, zumindest in Teilen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Entscheidungen wirkten oft unkoordiniert und wurden zu spät oder ohne Einbindung kommuniziert. Führung war der zentrale Schwachpunkt, nicht nah an den Mitarbeitern, nicht an der Realität. Entwicklungsmöglichkeiten fehlten ebenso wie eine klare Strategie oder Richtung. Vieles lief parallel, ohne wirklich abgeschlossen zu werden. Insgesamt fehlte es an Tiefe, Klarheit und Konsequenz.
Verbesserungsvorschläge
- Führung nicht nur besetzen, sondern ernsthaft befähigen
- Kommunikation proaktiver und transparenter gestalten
- Weiterentwicklung nicht dem Zufall überlassen
- Strategie entwickeln und auch im Alltag spürbar machen
- Prozesse hinterfragen
- Weniger gleichzeitig anfangen, dafür konsequent Dinge zu Ende bringen
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre war oft angespannt, vor allem weil es kaum eine klare Richtung gab und vieles einfach nicht kommuniziert wurde. Entscheidungen kamen plötzlich, Prioritäten änderten sich ständig und man hatte selten das Gefühl, wirklich mitgenommen zu werden. Was den Alltag erträglich gemacht hat, war der Zusammenhalt im Team. Da haben sich viele echt Mühe gegeben sich gegenseitig zu stützen. Ohne das wäre es schwierig gewesen.
Image
Das Image des Unternehmens hat in den letzten Jahren stark gelitten. Intern genauso wie extern. Viele schlechte Entscheidungen, hohe Fluktuation und wirtschaftliche Schwierigkeiten haben Spuren hinterlassen. Der Ruf bei Kunden und Lieferanten ist angeschlagen, und es wird zunehmend schwerer neue Mitarbeiter zu gewinnen. Gerade die Mitarbeiterzufriedenheit kann man online allerdings kaum nachvollziehen, da Bewertungen offenbar nicht dauerhaft sichtbar bleiben. ;)
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war grundsätzlich in Ordnung. Es gab eine geregelte 40-Stunden-Woche und wer strukturiert gearbeitet hat konnte seinen Job auch ohne ständige Überstunden erledigen. Gleichzeitig hatte man oft den Eindruck, dass Überstunden intern als Zeichen von besonderem Einsatz gewertet wurden. Wer pünktlich Feierabend machte galt teils als weniger engagiert.
Karriere/Weiterbildung
Klare Karrierepfade gab es nicht. Wer sich gut positioniert hat, konnte sich weiterentwickeln, aber nicht auf Basis eines strukturierten Systems. Titel haben sich teilweise verändert, die Aufgaben blieben dabei oft gleich. Weiterbildungsangebote waren kaum vorhanden und lagen eher in der Eigenverantwortung. Entwicklung musste man sich selbst organisieren.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war tariflich angelehnt und damit in Ordnung, weder besonders hoch noch auffällig niedrig. Sozialleistungen wurden angeboten, wenn sie keine zusätzlichen Kosten verursacht haben. Insgesamt war das Paket solide, aber eher auf das Nötigste beschränkt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Standards wurden eingehalten, so wie man es von einem Unternehmen mit entsprechender Zertifizierung erwarten würde. Es wurde gemacht, was notwendig war, ohne etwas besonders hervorzuheben aber auch ohne negativ aufzufallen.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen war immer gut. Man hat sich gegenseitig auf dem Laufenden gehalten, sich Luft gemacht und versucht, das Beste aus dem zu machen, was einem vor die Füße geworfen wurde. Wenn es regnet werden eben alle nass. Man wusste aufeinander ist Verlass, vor allem, wenn’s mal wieder drunter und drüber ging. Ohne das hätte die Zeit deutlich unangenehmer werden können.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kollegen war grundsätzlich respektvoll. Leistungen wurden anerkannt, und niemand wurde überfordert oder in eine Rolle gedrängt, die nicht mehr gepasst hätte. Altersunterschiede spielten im täglichen Miteinander kaum eine Rolle. Der Umgang war insgesamt unkompliziert.
Vorgesetztenverhalten
Die Art und Weise wie Führung im Unternehmen gelebt wurde war oft schwer nachvollziehbar. Entscheidungen kamen häufig überraschend oder wirkten wenig abgestimmt. Man hatte häufig das Gefühl, dass die Perspektive der Mitarbeiter im Entscheidungsprozess keine Rolle spielte. Gerade auf den oberen Ebenen fehlte oft der Bezug zu dem, was im Tagesgeschäft tatsächlich gebraucht wurde. Dadurch fühlten sich viele Entscheidungen realitätsfern an. Insgesamt war das Führungsverhalten einer der größten Schwachpunkte im Unternehmen und hat spürbar zur Unzufriedenheit beigetragen.
Arbeitsbedingungen
Die Ausstattung war solide – man hatte, was man zum Arbeiten brauchte. Neue oder ergonomischere Möbel wurden eher pragmatisch verteilt: Wenn irgendwo noch etwas übrig war, konnte man Glück haben. Die Büros waren teilweise etwas beengt, insgesamt aber funktional. Homeoffice war in Einzelfällen möglich, eine klare Regelung dazu gab es nicht.
Kommunikation
Kommunikation war ein dauerhaft schwieriges Thema. Wichtige Entscheidungen wurden meist spät und ohne echte Einbindung der Mitarbeitenden kommuniziert. In den unregelmäßig stattfindenden „Treppensitzungen“ sollte eigentlich für mehr Klarheit gesorgt werden. Meist ging man aber mit mehr Fragezeichen raus, als man reingegangen ist. Insgesamt fehlte es spürbar an Offenheit und Verlässlichkeit im Austausch.
Gleichberechtigung
Rein formal war Gleichberechtigung kein Thema. Vielfalt wurde nicht aktiv behindert, aber auch nicht selbstverständlich mitgedacht.
Interessante Aufgaben
Es gab definitiv Themen, die spannend hätten sein können, allerdings fehlten meist Zeit, Struktur und die nötigen Rahmenbedingungen, um sie wirklich gut anzugehen. Häufig wurde erwartet, dass man mit bestehenden Mitteln neue Lösungen entwickelt, ohne Prozesse oder Ressourcen anzupassen. Gleichzeitig wurden immer wieder neue Baustellen aufgemacht, während andere noch offen waren. Eine inhaltliche Vertiefung war dadurch kaum möglich. Das Potenzial war da, wirklich genutzt wurde es eher selten.