Ein innovatives Unternehmen, das sich scheinbar von innen heraus selbst zerstört - schade!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die OSG verfügt über einen großen Innovationsgeist und arbeitet stets an neuen Lösungen und Produkten. Vor allem mit laufenden technischen Entwicklungen wird hier stetig versucht am Zahn der Zeit zu bleiben. Berufseinsteiger:innen können in kurzer Zeit viel lernen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Sehr hohe Kundenzahlen pro Ansprechpartner, sodass Qualität unweigerlich auf der Strecke bleibt.
Zeitlich unrealistische Kalkulation für interne und externe Aufgaben sowie Weiterbildung und Organisation.
Kritikresitenz und Reflexion über eigenes Verhalten.
Mangelnde Social Skills auf Führungsebene.
Doppelmoral bezüglich eigener Standards, beispielsweise wird die Struktur in versendeten E-Mails kritisiert, während die schriftliche Kommunikation der Führungsebene (siehe Punkt Kommunikation) wenig beispielhaft vorangeht.
Verbesserungsvorschläge
Loyalität von Mitarbeiter:innen entsteht aus Vertrauen und Wertschätzung. Wer zu seinem Unternehmen steht, geht dann auch gerne eine Extrameile. Aber Probleme von Mitarbeiter:innen sollten ernst genommen werden, denn wenn diese rückgemeldet werden aber keine Änderung erfolgt, ist es nicht verwunderlich, wenn sich diese schließlich umorientieren. Nicht zuletzt sorgt das auch im Unternehmen selbst für eine enorme Verschwendung von Ressourcen, wenn dauerhaft neue Mitarbeiter:innen rekrutiert und eingearbeitet werden müssen.
Arbeitsatmosphäre
Die die Atmosphäre habe ich zunächst als gut empfunden, vor allem in der Anfangszeit. Mit der weiteren Beschäftigung änderte sich das. Hoher Druck, immer knapper bemessene Zeitfenster und spürbare Anspannung untereinander machten den Arbeitsalltag für mich zunehmend belastender.
Kommunikation
Die Kommunikation gestaltete sich meiner Meinung nach als sehr schwierig, vor allem gegen Ende meiner Tätigkeit. Da die Vorgesetzten kaum im Büro anwesend waren und auch an den Bürotagen lediglich für einen kurzen Zeitraum, fanden gemeinsame Team Meetings nur sehr unregelmäßig statt, sodass allgemeine Absprachen und Updates nahezu ausschließlich schriftlich erfolgen. Auch hier fehlte es für mein Empfinden jedoch an Struktur, klaren Vorgaben und Erwartungshaltungen, die oftmals nur schwer zu erfüllen schienen. Besonders in schriftlicher Kommunikation herrschte zudem oftmals ein Umgangston, der unter den Mitarbeiter:innen durchgehend als herablassend, aggressiv und schlichtweg unprofessionell empfunden wurde.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt war über die gesamte Zeit und trotz der hohen Fluktuation sehr gut. Meinem Empfinden nach lag das vor allem daran, dass alle im gleichen Boot saßen und die gleichen Erfahrungen gemacht haben.
Work-Life-Balance
Durch ausgiebige Homeoffice Möglichkeiten erschien die Work-Life-Balance zunächst sehr gut. Ein flexibles Gleitzeitmodell ermöglichte zudem einen individuellen Arbeitsbeginn und Feierabend. Durch zunehmende Arbeitsbelastung waren Überstunden jedoch in der Regel unumgänglich, um die erwartete Leistung zu erfüllen. Oftmals ging die Zeitplanung somit nur auf, wenn Kunden selbst Termine absagten oder Input zur Weiterarbeit nicht geliefert hatten und somit Zeit frei machten. Wenn alle Kunden in vollem Umfang mitgearbeitet hätten, wäre der Arbeitsumfang mit den gegebenen Ressourcen für mein Empfinden schlicht unmöglich gewesen. Sehr genaue Zeiterfassung mit auf die Minute genauem Tracking für externe sowie interne Aufgaben ließen zudem keinerlei Spielraum zu.
Vorgesetztenverhalten
In diesem Punkt liegt meiner Meinung nach mit das größte Verbesserungspotenzial. Das Verhalten der Vorgesetzten empfand ich - wie bereits im Punkt "Kommunikation" angedeutet - als nicht tragbar. Vor allem der schriftliche Umgangston war in der Regel von knappen Antworten, verwirrenden Nachrichten mit vielen Rechtschreibfehlern und Autokorrektur sowie einer allgemein wenig respektvollen Art geprägt. Die persönliche Kommunikation z.B. in Mitarbeitergesprächen empfand ich als angenehmer. Wirre Anweisungen und widersprüchliche Aussagen sorgten jedoch dafür, dass ich schließlich meine eigene Wahrnehmung und eigene Fähigkeiten in Frage gestellt habe. Somit entstand auch das Gefühlt, nichts richtig machen zu können. Lediglich der Umstand, dass dies von allen Kolleg:innen gleich empfunden wurde, erwies sich hier als Rettung des eigenen Verstands. Wertschätzung wurde für mein Empfinden selten gezeigt. Meiner Meinung nach findet sich hier auch eine der Hauptursachen für die mangelnde Loyalität und die hohe Fluktuation unter den Mitarbeiter:innen. Wenig Präsenz im Büro sorgte zudem automatisch für eine persönliche Distanz zu den Vorgesetzten.
Interessante Aufgaben
Fachlich konnte ich viel von der Arbeit mitnehmen, vor allem zu Beginn der Tätigkeit. Durch Kunden aus den verschiedensten Branchen und Unternehmensgrößen entstand ein breites Spektrum, das dem entsprechend verschiedenste Ansätze und Lösungswege abverlangte. Vor allem in der zweiten Hälfte der Beschäftigung schlich sich jedoch eine Routine ein, die sich in 90% der Kunden widerholte. Teilweise wurden meiner Meinung nach zudem Kunden angenommen, die aus meiner Sicht - beispielsweise aufgrund des eigenen Geschäftsmodells - nicht aus den Leistungen profitieren konnten, sodass sich die Rolle des Ansprechpartners etwas beklemmend und unbehagen anfühlte. Diese Rückmeldung erhielt ich auch von Kunden.
Gleichberechtigung
Die Mitarbeiter:innen wurden für mein Empfinden überwiegend gleich behandelt. In einigen Situationen hatte ich jedoch vereinzelt das Gefühl, dass mit männlichen Kollegen nachsichtiger umgegangen wurde, während Kolleginnen bei ähnlichen Vorfällen deutlich mehr Konsequenzen tragen mussten.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gab keine älteren Kolleg:innen.
Arbeitsbedingungen
Die Räumlichkeiten im Coworkingspace sind modern und angenehm. Isolierte Kabinen für Termine sind für ungestörte Telefonate sehr vorteilhaft. Das Büro selbst verfügt über gute Arbeitsplätze mit modernen Laptops, Bildschirmen und allem was benötigt wird. Die Stühle empfand ich als angenehm. Problematisch ist, dass es lediglich sechs Sitzplätze gibt. Auch aufgrund der im Bewerbungsgespräch angegebenen über 20 Mitarbeiter:innen erschien dies verwirrend. Da das Imagevideo auf der Website bereits stark veraltet ist, entsprechen auch die dort gezeigten Räumlichkeiten keinesfalls der Realität. Befinden sich daher mehr als sechs Mitarbeiter:innen im Büro, müssen diese den Tag im offenen Bereich des Coworkingspaces verbringen. Dieser ist nicht nur laut, sondern verfügt auch lediglich über kleine Bistrotische und Stühle sowie keine externen Bildschirme, sodass den Tag über am kleinen Laptop ohne ergonomischen Platz gearbeitet werden muss. Positiv hervorgehoben wird die Baristastation mit tollem Kaffee.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mir ist keine Kooperation oder Initiative dazu bekannt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war für mein Empfinden vor allem für Berufseinsteiger und hohen Lebenskosten am Standort München eher niedrig angesetzt. Für Gehaltsunterschiede bei gleicher Position und Verantwortung gab es scheinbar keine Erklärung. Ergänzend zum Gehalt gibt es einen monatlichen Sachbezug, der auf eine firmeneigene Kreditkarte geladen wird.
Image
Der externe Ruf der OSG scheint tendenziell gut zu sein, vor allen durch das innovative firmeneigene Tool Performance Suite. Intern empfand ich, dass das Bild mehr Schein als Sein war. Wirre Strukturen, unklare Abläufe und viele improvisierte Lösungen sorgten bei einem Unternehmen mit 17 Jahren Bestand für eher ernüchternde Eindrücke. Auch hier möchte ich erneut auf das Imagevideo auf der Website hinweisen, bei dem Kolleg:innen vorgestellt werden, die (wie ich nach einer kurzen Linkedin-Recherche herausfand) bereits seit annähernd 10 Jahren nicht mehr im Unternehmen tätig sind. Kunden bemängelten zunehmend den unprofessionell wirkenden häufigen Wechsel der Ansprechpartner:innen, die durch Fluktuation entstanden. Auch in Bewerbungsgesprächen wurde ich von Interviewern bereits darauf aufmerksam gemacht, dass sie bereits viele Bewerbungen von Ex-OSGlern mit jeweils eher kurzen Zugehörigkeiten erhielten. Der Ruf der OSG scheint somit nun auch in anderen Kreisen angelangt zu sein.
Karriere/Weiterbildung
Jobbezeichnungen und Teamhierarchen wurden eher als formell empfunden, da der Aufgaben- und Verantwortungsumfang der Kundenbetreuer nahezu gleich schien. Die OSG verfügt über ein sehr umfangreiches internes Archiv an Lehrmaterial, Blogs, Videos und Co. Externe Weiterbildungen waren buchbar, allerdings sollten diese in der Freizeit abgeschlossen werden. Auch in den Ressourcenplänen sind monatliche Stunden zur Weiterbildung vorgesehen, durch das zunehmend hohe Arbeitspensum konnten diese jedoch nur selten genutzt werden.