Flexible Arbeitsbedingungen, aber Schwächen bei Führung und Zusammenarbeit
Arbeitsatmosphäre
Nach der Umstellung auf „selbstorganisierte Zellen“ hat sich die Arbeitsatmosphäre aus meiner Sicht deutlich verschlechtert. Das Modell sah vor, dass Teams ohne klassische Führungshierarchie weitgehend eigenständig entscheiden. Zellen mit Kundenkontakt finanzierten dabei über interne Verrechnungen die Leistungen der Produktentwicklung. In meinem Arbeitsalltag rückten dadurch die Rechtfertigung der eigenen Kosten und der Druck zur Kostensenkung zunehmend in den Vordergrund. Ich empfand dies als belastend für die Zusammenarbeit zwischen den Teams. Wurden bestimmte Fähigkeiten innerhalb einer Zelle nicht mehr benötigt, mussten sich betroffene Mitarbeitende über einen internen Arbeitsmarkt neu orientieren.
Kommunikation
Die Kommunikation habe ich grundsätzlich als offen erlebt. In Townhalls konnten beispielsweise über eine App Fragen gestellt werden. Nach der organisatorischen Umstellung wurden Entscheidungen des Vorstands aus meiner Sicht jedoch nicht ausreichend erläutert. Für Rückfragen fehlten mir klare Ansprechpartner. HR übernahm Teile der Kommunikation, konnte aus meiner Erfahrung aber nicht alle offenen Fragen ausreichend beantworten.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im unmittelbaren Kollegenkreis gehörte für mich zu den positiven Aspekten des Unternehmens. Über die Teamgrenzen hinweg hat das Miteinander aus meiner Sicht nach der organisatorischen Umstellung allerdings deutlich gelitten.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten ließen sich im Rahmen der anstehenden Aufgaben weitgehend flexibel gestalten. Diese Möglichkeit zur eigenständigen Zeiteinteilung habe ich positiv erlebt.
Vorgesetztenverhalten
Mit der Umstellung auf selbstorganisierte Zellen entfielen die klassischen Führungsrollen. In der praktischen Umsetzung fehlten mir anschließend klare Verantwortlichkeiten und verlässliche Ansprechpartner. Aus meiner Sicht wurden die bisherigen Führungsaufgaben durch die neue Struktur nicht ausreichend aufgefangen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren überwiegend interessant und technologisch auf einem aktuellen Stand. Die Möglichkeiten, über den eigenen Aufgabenbereich hinaus Einblicke zu gewinnen oder andere Tätigkeiten zu übernehmen, empfand ich allerdings als begrenzt.
Gleichberechtigung
Zur Gleichberechtigung kann ich aus eigener Erfahrung wenig sagen. Aus einzelnen Gesprächen habe ich den Eindruck gewonnen, dass bei der Einbindung aller Teammitglieder noch Verbesserungspotenzial bestand.
Umgang mit älteren Kollegen
In meinem Arbeitsumfeld gab es nur wenige ältere Kolleginnen und Kollegen. Daher kann ich den Umgang mit dieser Altersgruppe nur eingeschränkt beurteilen.
Arbeitsbedingungen
Die bereitgestellte Hardware war während meiner Beschäftigung durchgehend gut und auf einem aktuellen Stand. Mit der technischen Ausstattung war ich sehr zufrieden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Über lange Zeit habe ich das Unternehmen als einen Arbeitgeber erlebt, der viel für seine Mitarbeitenden getan hat. Die Kündigungen, die nach meinem damaligen Kenntnisstand etwa 15 Prozent der weltweiten Belegschaft betrafen und kurz vor Weihnachten erfolgten, haben diesen Eindruck deutlich verändert. Betroffen waren auch langjährige Mitarbeitende mit mehr als zehn Jahren Betriebszugehörigkeit und mehreren unterhaltsberechtigten Kindern. Zum damaligen Zeitpunkt gab es bei uns keinen Betriebsrat. Ein Sozialplan war mir nicht bekannt; welche sozialen Kriterien bei der Auswahl berücksichtigt wurden und welche Unterstützung vorgesehen war, war für mich nicht ausreichend transparent. Den Umgang mit den betroffenen Mitarbeitenden habe ich deshalb als wenig sozial verantwortlich empfunden.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt lag aus meiner Sicht eher im unteren Bereich der in der Softwarebranche üblichen Vergütung.
Karriere/Weiterbildung
Die berufliche Weiterentwicklung lag während meiner Beschäftigung weitgehend in der Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. Ein strukturiertes Laufbahnmodell war mir damals nicht bekannt. Mir fehlten dadurch klare Entwicklungsperspektiven und eine systematische Begleitung durch das Unternehmen.

