Moderne HR nach außen, innen enttäuschende Führung und fehlende Perspektiven (insb. für Frauen)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Software
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Besonders im Senior Leadership und im Go-to-Market-Bereich hat sich aus meiner Sicht eine ausgeprägte Bro-Kultur entwickelt. Frauen sind in der oberen Führung kaum noch vertreten. Die damit verbundene Führungskultur passt für mich nicht zu dem Personio, das ich einmal geschätzt habe.
Starke Hierarchien, Micromanagement und interne Machtverhältnisse prägen meinen Eindruck inzwischen stärker als Vertrauen, Wertschätzung und Zusammenarbeit. Ob dieser Kurs das Unternehmen erfolgreicher macht, kann ich nicht beurteilen. Aus meiner Sicht trägt er jedoch dazu bei, dass gute und langjährige Mitarbeitende nach und nach gehen.
Bereiche die ich nicht empfehlen kann: Alles was mit Payroll zu tun hat, Account Management, Solution Engingeers, Implementation
Verbesserungsvorschläge
Gerade von einem Unternehmen im HR-Bereich erwarte ich eine zeitgemäße Arbeitskultur, die unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtigt. Mein Wunsch wäre, Leistung wieder stärker am Ergebnis zu messen und Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung zuzugestehen.
Die Homeoffice-Regeln grundlegend überdenken und wieder mehr Flexibilität ermöglichen. Die Erfassung der Büropräsenz über WLAN und entsprechende Dashboards empfinde ich als Ausdruck von Misstrauen. Anwesenheitsdaten sollten keine Grundlage dafür sein, Entwicklungsmöglichkeiten zu verwehren. Entscheidend sollten Leistung, Ergebnisse und übernommene Verantwortung sein.
Außerdem sollte überprüft werden, ob Frauen bei Förderung und Beförderungen gleichberechtigt berücksichtigt werden und wo Führungskräfte ihre Entwicklung möglicherweise blockieren. Dafür braucht es transparente Kriterien und klare Verantwortlichkeit.
Mitarbeiterbefragungen und Feedback-Zyklen müssen endlich zu sichtbaren Konsequenzen führen. Aus meiner Sicht werden Probleme wiederholt klar benannt, ohne dass ausreichend gehandelt wird. HR und Senior Management sollten diese Rückmeldungen systematisch auswerten, wiederkehrende Muster ernst nehmen und konkrete Verbesserungen nachhalten. Wer datenbasiert führen möchte, sollte auch die Erfahrungen der eigenen Mitarbeitenden als wichtige Entscheidungsgrundlage nutzen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als wenig vertrauensvoll erlebt. Wertschätzung und ein fairer, offener Umgang mit Kritik kamen aus meiner Sicht zu kurz. Mir fehlte das Gefühl, Probleme konstruktiv ansprechen zu können und damit ernst genommen zu werden.
Inzwischen ist Personio stark hierarchisch und vom Sales geprägt. Bei Konflikten hatten aus meiner Sicht die Interessen des Vertriebs häufig Vorrang vor denen anderer Teams. Durch die verlässliche Rückendeckung der eigenen Führungskräfte wurde auch rücksichtsloses Durchsetzen aus meiner Sicht zu wenig hinterfragt.
Die Folgen mussten häufig die Teams tragen, die für die weitere Betreuung und Umsetzung verantwortlich waren. Mir fehlten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, gegenseitiger Respekt und Führungskräfte, die auch über die Interessen des eigenen Teams hinaus Verantwortung übernehmen.
Kommunikation
Über Unternehmensentwicklungen und Ergebnisse wird regelmäßig informiert. Bei der Kommunikation zwischen Teams habe ich dagegen häufig erlebt, dass Themen direkt an Teamleads und Manager eskaliert wurden, statt sie zunächst mit den betroffenen Personen zu klären. Aus meiner Sicht erhielten die Positionen des Sales dabei meist mehr Gewicht. Wer außerhalb des Vertriebs arbeitete, musste häufig zurückstecken. Das erschwerte eine direkte, offene Kommunikation auf Augenhöhe.
Relevante Informationen, Erwartungen und Prioritäten wurden aus meiner Sicht nicht immer rechtzeitig und eindeutig vermittelt.
Kollegenzusammenhalt
Den Kollegenzusammenhalt habe ich früher deutlich positiver erlebt. Inzwischen stehen aus meiner Sicht häufig die eigenen Interessen und das persönliche Weiterkommen im Vordergrund. Ich habe auch erlebt, dass dies auf Kosten anderer geschieht und man sich gegenseitig in den Rücken fällt. Darunter leiden Vertrauen und gegenseitige Unterstützung. Ein gutes Teamklima wird aus meiner Sicht zu wenig gepflegt.
Work-Life-Balance
Eine sehr gute Work-Life-Balance ist bei Personio weiterhin möglich, hängt aber stark vom jeweiligen Bereich ab. Verständnis für persönliche Lebensumstände und private Verpflichtungen hat deutlich abgenommen. Gerade bei häufigen Dienstreisen und der Anwesenheitspflicht fehlt zunehmend die Flexibilität, Arbeit mit Kindern oder anderen Verpflichtungen zu vereinbaren. Ausnahmen sind kaum möglich. Auch die Möglichkeiten, vorübergehend aus dem Ausland zu arbeiten, wurden extrem eingeschränkt.
Besonders kritisch sehe ich den starken Fokus auf Büropräsenz. Die Anwesenheit wird mittels WLAN-Verbindung erfasst und über Dashboards ausgewertet. Dass solche Anwesenheitsdaten auch in Leistungsbewertungen einfließen, halte ich für eine deutliche Fehlentwicklung. Bei mir entsteht dadurch der Eindruck, dass Kontrolle mehr zählt als Vertrauen und tatsächliche Arbeitsergebnisse.
Vorgesetztenverhalten
Mir fehlten klare Erwartungen, nachvollziehbare Entscheidungen und rechtzeitiges, konstruktives Feedback. Bei Konflikten habe ich wenig Rückhalt und keine ausgewogene Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven erlebt. Hinweise auf Kapazitätsengpässe und widersprüchliche Prioritäten führten aus meiner Sicht zu wenig zu konkreter Unterstützung. Mitarbeitende wurden bei Entscheidungen, die ihre Arbeit betrafen, nicht ausreichend einbezogen. Diese Führungskultur war für mich der entscheidende Grund zu gehen.
Interessante Aufgaben
Ich habe meine Rolle und die Arbeit mit Kunden sehr gemocht. Gleichzeitig blieb durch starke Managementvorgaben und Micromanagement wenig Spielraum, die eigene Arbeit zu gestalten und selbst zu priorisieren. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass Aufgaben mit geringem tatsächlichem Mehrwert vor allem deshalb verfolgt wurden, weil sie die verantwortlichen Führungskräfte gut aussehen ließen.
Aufgaben und Erwartungen wurden stetig ausgeweitet, ohne rechtzeitig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Ich habe regelmäßig erlebt, dass Mitarbeitende erst an ihre Belastungsgrenze kamen, bevor personelle Unterstützung bereitgestellt wurde.
Gleichberechtigung
Ich habe deutliche Defizite erlebt. Aus meiner Sicht erhalten Mütter beim Wiedereinstieg zu wenig Unterstützung. Teilzeitmöglichkeiten und Perspektiven auf Führungspositionen sind für sie stark eingeschränkt.
Es gibt stark männlich geprägte Bereiche. Dort habe ich den Eindruck gewonnen, dass männliche Kollegen bei Entwicklungsmöglichkeiten bevorzugt und die Perspektiven von Frauen weniger geschätzt werden. Gerade von einem HR-Unternehmen erwarte ich hier deutlich mehr.
Auch bei Remote-Mitarbeitenden sehe ich eine systematische Benachteiligung. Nach meiner Wahrnehmung stehen ihnen Führungspositionen nicht mehr offen. Insgesamt erlebe ich einen deutlichen Kurs gegen Remote-Arbeit, der die Perspektiven bestehender Remote-Mitarbeitender zunehmend einschränkt. Bei mir entsteht der Eindruck, dass ihr Weggang eher in Kauf genommen wird, als ihnen gleichwertige Entwicklungschancen zu bieten.
Umgang mit älteren Kollegen
nur wenige Mitarbeitende über 40. Eine größere Altersvielfalt hätte ich begrüßt. Auch langjährige Mitarbeitende wurden aus meiner Sicht nicht gezielt gefördert. Ihre Erfahrung und Betriebszugehörigkeit fanden zu wenig Wertschätzung. Bei Kündigungen habe ich zudem wenig Bemühen erlebt, erfahrene Mitarbeitende zu halten.
Arbeitsbedingungen
Die Büros sind modern und ansprechend gestaltet. In den Großraumbüros fehlen allerdings ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten. Gespräche, Telefonate und Meetings sorgen für einen dauerhaft hohen Geräuschpegel, den ich auf Dauer als sehr anstrengend empfunden habe. Durch die verbindliche Büropräsenz lässt sich dem nur begrenzt ausweichen.
Defekte Monitore und fehlende Kabel erschweren zudem regelmäßig die Arbeit. Hier passen der Anspruch an Büroanwesenheit und die tatsächlich vorhandenen Arbeitsbedingungen aus meiner Sicht nicht zusammen.
Gehalt/Benefits
Die Benefits sind insgesamt gut. Das Gehalt liegt aus meiner Sicht eher im Durchschnitt. Es ist solide, allerdings bieten viele andere Unternehmen für vergleichbare Rollen eine deutlich höhere Vergütung.
Image
Das positive Image passt für mich zunehmend weniger zur internen Realität. Personio hat viel Potenzial, doch starke Hierarchien und wenig Raum für Impulse von Mitarbeitenden stehen dem im Weg. Bei mir entstand immer mehr der Eindruck, dass das persönliche Vorankommen höherer Führungskräfte wichtiger ist als die Entwicklung des Unternehmens und seiner Mitarbeitenden. Personio hat sich für mich dadurch leider entzaubert.
Karriere/Weiterbildung
Meine Erfahrung mit den Entwicklungsmöglichkeiten war sehr enttäuschend. Ich habe gerne zusätzliche Verantwortung übernommen und mich in Projekte und Entscheidungen eingebracht. Eine entsprechende Anerkennung durch Titel, Gehalt oder eine konkrete Entwicklungsperspektive blieb jedoch aus.
Gleichzeitig habe ich in meinem direkten Team beobachtet, dass männliche Kollegen mit vergleichbaren Aufgaben und aus meiner Sicht teils geringeren Beiträgen eher befördert wurden. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass ich als Frau nicht dieselben Aufstiegschancen hatte. Transparente, nachvollziehbare Kriterien fehlten mir. Diese Erfahrungen waren ein wesentlicher Grund für meinen Weggang.

