Anfangs top, später eine einzige Enttäuschung
Verbesserungsvorschläge
Meine wichtigste Empfehlung ist schlicht: Nehmt die Mitarbeitenden wirklich ernst. Es gibt Umfragen und Gespräche, doch deren Ergebnisse führen kaum zu Veränderungen. Viele der Punkte, die ich hier anspreche, wurden intern bereits mehrfach vorgebracht – ohne sichtbare Wirkung. Oft entsteht eher der Eindruck, dass konstruktive Hinweise als Angriff verstanden werden, statt als Chance.
Fördert vor allem die Menschen, die etwas verändern möchten. Nicht jede Kritik ist reines Meckern – häufig kommt sie von Mitarbeitenden, die Engagement zeigen und bereit wären, Verantwortung zu übernehmen. Bindet genau diese Personen aktiv ein, nutzt ihre Motivation und macht sie zu einem Teil der Lösung. Das wäre echtes, gelebtes Change Management.
Auch grundlegende Verbesserungen wären leicht umsetzbar: ausreichend Parkplätze, ein angemessenes Getränkeangebot, funktionierende sanitäre Anlagen, Wohlfühltemperaturen im Büro, verlässliche Weiterbildungsmöglichkeiten und echte Wertschätzung für diejenigen, die die operative Arbeit tragen – nicht nur für Führungskräfte bei Awardverleihungen.
Am Ende geht es darum, Mitarbeitende zu sehen, zu hören und ernsthaft einzubeziehen. Alles, was ich hier beschreibe, habe ich bereits offen kommuniziert – nichts davon ist neu oder bislang unausgesprochen geblieben.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre variiert stark zwischen den einzelnen Teams. Mit etwas Glück landet man in einem äußerst fähigen, kompetenten und gut kommunizierenden Team, in dem Zusammenarbeit wirklich funktioniert. Leider kann man aber ebenso in ein Team geraten, das schlecht geführt ist, in dem hoher Druck herrscht, kein strukturiertes Onboarding stattfindet und Mitarbeitende in Calls sogar öffentlich bloßgestellt werden.
Diese starken Unterschiede prägen die Gesamtatmosphäre erheblich. Bedauerlich ist zudem, dass sich niemand nachhaltig um diese Missstände kümmert und konstruktive Kritik kaum ernst genommen wird.
Image
Nach außen hat das Unternehmen weiterhin ein starkes Image und gewinnt regelmäßig Awards. Allerdings werden zu den Preisverleihungen meist nur höher positionierte Mitarbeitende eingeladen – nicht diejenigen, die die operative Arbeit geleistet haben. Mit etwas Glück erhält man dafür eine Flasche Sekt ins Büro. Innerhalb der Agenturwelt entsteht jedoch zunehmend der Eindruck, dass die glänzende Fassade langsam zu bröckeln beginnt.
Work-Life-Balance
Die Büropflicht schränkt die Work-Life-Balance deutlich ein, zumal der Office-Besuch kaum Mehrwert bietet. Zudem wird gelegentlich erwartet, auch am Wochenende ohne Zuschlag zu arbeiten, wobei zunächst von „Engagement“ gesprochen wird, das jedoch schnell in Vergessenheit gerät. Unrealistische Erwartungen und unzureichende abteilungsübergreifende Planung führen häufig zu vermeidbaren Überstunden. Positiv hervorzuheben ist, dass Hunde mitgebracht werden dürfen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Müll wird zwar getrennt – das ist jedoch Standard. Durch die enorm großen Büroräume muss sehr viel geheizt werden (sofern die Heizungen funktionieren). Das Gebäude wirkt zudem älter: Wärme entweicht im Winter nach außen und dringt im Sommer stark ein, was weder energie- noch klimafreundlich ist.
Die allgemeine Büropflicht – unabhängig von Wohnort oder Anfahrtsweg – zeigt ebenfalls wenig Bewusstsein für Klimaschutz, zumal öffentliche Verkehrsmittel oft keine praktikable Alternative darstellen. Weitere nennenswerte soziale oder ökologische Maßnahmen sind mir nicht aufgefallen.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung findet meist nur statt, wenn man selbst aktiv dafür kämpft oder einen Vorgesetzten hat, der sich dafür einsetzt. Bei vielen Kolleginnen und Kollegen war jedoch nicht erkennbar, dass Führungskräfte ihren Karriereweg aktiv begleiten oder fördern. Oft gilt: Man macht seinen Job – und solange man das ruhig und unauffällig tut, wird man irgendwann befördert. Wer hingegen Kritik äußert oder mehr Verantwortung einfordert, erlebt eher Nachteile – so zumindest mein Eindruck.
Es gibt interne Weiterbildungen, deren Qualität jedoch stark variiert und sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Ausbaufähig ist dieses Thema in jedem Fall.
Kollegenzusammenhalt
In meinem direkten Team war der Kollegenzusammenhalt ausgezeichnet, ebenso gab es einzelne sehr positive Verbindungen innerhalb der Abteilung. Darüber hinaus ist jedoch kaum echter Zusammenhalt spürbar. Oft bleibt unklar, was einen in Gesprächen erwartet, welche Informationen im Umlauf sind oder wer was angeblich weitergegeben hat.
Auch aus anderen Teams hört man regelmäßig, dass Mitarbeitende öffentlich bloßgestellt oder gegeneinander ausgespielt werden. Solche Verhaltensweisen sind äußerst problematisch und sollten in einem professionellen Arbeitsumfeld keinen Platz haben.
Vorgesetztenverhalten
Leider zeigt sich auch hier ein klares Muster: Je höher die Position, desto schwieriger wird das Verhalten. Mitarbeitende werden spürbar auf ihre Rolle reduziert, und nicht selten entsteht der Eindruck, nicht ernst genommen oder sogar unterschätzt zu werden. Gespräche hinterlassen häufig das Gefühl, herablassend behandelt worden zu sein – was sowohl irritierend als auch respektlos wirkt.
Hinzu kommt ein oftmals unhöflicher Umgangston und die Schwierigkeit mancher Führungskräfte, eigene Fehler einzuräumen. Besonders bedauerlich ist jedoch, dass Mitarbeitende, die engagiert sind, Verantwortung übernehmen wollen und konstruktive Kritik äußern, häufig zum Schweigen gebracht werden. Genau diese Personen gehören eigentlich zu den Leistungsträgern des Unternehmens – und viele von ihnen verlassen inzwischen das sinkende Schiff.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind teilweise äußerst unzureichend. Es gibt keinerlei Klimaanlage, die Heizung funktioniert häufig nicht, Schallschutz fehlt, und selbst die sanitären Anlagen fallen regelmäßig aus. Konferenzräume und Telefonboxen sind ebenfalls nicht ausreichend vorhanden.
Auch die Standortwahl wirkt wenig durchdacht: Eine repräsentative Adresse scheint wichtiger zu sein als gute Anbindung oder eine angemessene Parkplatzsituation – Parkplätze sind kaum verfügbar und zudem überteuert.
Selbst die technische Grundausstattung ist teilweise mangelhaft, etwa fehlende Ladekabel oder Arbeitsmittel, die erst nach Nachfrage bereitgestellt werden. Aus anderen Agenturen kenne ich deutlich bessere Standards.
Kommunikation
Auch die Kommunikation variiert stark zwischen den Teams. Besonders bedauerlich ist jedoch die Kommunikation seitens der Geschäftsführung. Mitarbeitende werden häufig auf ihre Position verwiesen, und es kommt immer wieder zu öffentlichen Ankündigungen von Konsequenzen – etwa bei Nichteinhaltung der Büropflicht.
Die jährlich durchgeführte Mitarbeiterumfrage wird leider nicht konstruktiv genutzt: Statt die kritischen Punkte ernst zu nehmen, werden überwiegend die wenigen positiven Aspekte hervorgehoben, während negative Bewertungen lediglich als „Herausforderungen“ umschrieben werden.
Insgesamt gilt: Je höher die Ebene, desto schlechter die Kommunikation. Auch von HR ist in solchen Fällen kaum Unterstützung zu erwarten. Zudem mangelt es an Schulungen für Führungskräfte, sodass selbst grundlegende Moderationen schnell aus dem Ruder laufen können.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt liegt unter dem branchenüblichen Niveau, und Sozialleistungen gibt es kaum – und wenn, dann nur auf aktive Nachfrage. Selbst Parkplätze müssen bezahlt werden.
Die Zusatzleistungen sind minimal: etwas Obst im Büro und Leitungswasser; andere Getränke sind nicht kostenfrei, eine Kantine gibt es nicht. Gehaltserhöhungen sind schwer zu erkämpfen und wurden in einigen Fällen sogar ohne Erklärung wieder zurückgenommen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind sehr vielfältig und hängen stark vom jeweiligen Kunden sowie vom Wissen und der Führung des direkten Teams ab. Man kann durchaus spannende Projekte umsetzen – vorausgesetzt, man bringt eigenes Engagement mit und arbeitet in einem Team, das dies unterstützt. Aufgrund der stark unterschiedlichen Kundenanforderungen ist eine allgemeine Bewertung jedoch schwierig. Wie in vielen deutschen Unternehmen führt auch hier ausgeprägte Bürokratie dazu, dass eigentlich interessante Aufgaben oft langwierig und unnötig mühsam werden.
