Gut am Arbeitgeber finde ich
Tolle sympathische Firmenleitung. Die oberste Ebene ist schwer o.k. und persönlich erreichbar! Die Eigentümer haben solide ethische Grundsätze und vertreten diese auch glaubwürdig. Tolles Image, sehr guter Zusammenhalt unter Kollegen. Eine wirklich tolle Kantine! Ausreichende Parkplatzsituation, seitdem bis zu 20% Homeoffice möglich sind. Pilz hat noch immer pünktlich das Gehalt überwiesen. Eine tolle Firma für Menschen, welche heute schon gerne wissen, was sie morgen erwartet und Kontinuität lieben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Führungsverhalten des mittleren Managements lässt teilweise sehr zu wünschen übrig. Und niemand ist da, der die Jungs einbremst. Sehr starre Prozesse, manchmal hat man den Eindruck, in einer Behörde zu arbeiten. Für kreative Freigeister ist Pilz eher nicht die passende Firma.
Verbesserungsvorschläge
Pilz sollte sich von seinem angestaubten Image lösen und mal seine Entwickler (und nicht nur das Produktmarketing!) fragen, wie Produkte von morgen aussehen könnten. Die Entwickler kennen die aktuellen technischen Möglichkeiten und könnten Trends setzen, das Produktmarketing kann leider nur den Markt beobachten und schauen, wo die Konkurrenz eine Nasenlänge voraus ist. Pilz hat für alles und jedes einen definierten Prozess und eine Vorlage - wir übersehen so zwar nichts, ersticken aber fast darin, selbst einfachste Änderungen dauern so mindestens ein halbes Jahr. Diese überbordende Prozesse werden monatlich mehr und komplizierter, manche am Durchlauf beteiligten Abteilungen sind auf Jahre hinaus belegt, nur mit Connections auf dem kleinen Dienstweg und durch Spendieren einer Tasse Kaffee kann abgekürzt und deshalb gesetzte Termine eingehalten werden. Ich würde mir wünschen, dass Pilz den Mut aufbringt und seine Prozesslandschaft etwas verschlankt und die Modellpalette in manchen Bereichen um 70% ausdünnt, um Arbeitszeit freizuschaufeln, den Pflegeaufwand zu reduzieren und so mehr Ressourcen für Neuentwicklungen frei zu bekommen. Viele Geräte decken in mehreren Gerätegenerationen nahezu die gleichen Funktionen ab, nur in Nuancen sind Unterschiede erkennbar (und die stehen auch noch im Kleingedruckten!). Die Entwicklung generischer Produkte sollte angestrebt werden, also weniger Geräte, die dafür aber alle erforderlichen Funktionen von mehreren Vorgängergeräten abdecken, teilweise auch unter Inkaufnahme von Mehrkosten. Geräte, welche nur in homöopathischen Jahresmengen verkauft werden, sollte es einfach nicht mehr geben und deren Funktionen sollten zusammengefasst und in andere Geräte integriert werden. Als Maschinenhersteller bzw. Systemintegrator auf unserer Webseite das passende Produkt zu finden, ist aufgrund der überbordenden Vielfalt sehr schwer. Auch die Kunden würden von einer kleineren Modellpalette profitieren: Deren Ersatzteillager würde sich so ebenfalls verschlanken und dort weniger Kapital binden.
Arbeitsatmosphäre
Ich kann nur meine Abteilung bewerten, in der die Arbeitsatmosphäre derzeit leider besonders schlecht ist. Zwei Chefs nehmen sich alles raus, halten ihre Mitarbeiter an der kurzen Leine und werden von oben nicht eingebremst. In anderen Abteilungen ist es angeblich nicht so übel.
Image
Sichere Automatisierung - an Pilz führt kein Weg vorbei. Wir haben das Thema quasi erfunden, andere Firmen bauen nur nach, selbst vielfach größere deutsche global agierende Automatisierungsfirmen liegen weit hinter uns. Bisher hat Pilz die Trends gesetzt. JEDER Automatisierer kennt Pilz. Aber: Pilz ruht sich derzeit auf seinem riesigen Portfolio älterer Produkte aus. Ein gewaltiger Teil des Umsatzes wird mit Geräten erwirtschaftet, welche teilweise vor über 20 Jahren entwickelt wurden. Die Konkurrenz (insbesondere die aus Fernost) schläft nicht und folgt uns dicht auf den Fersen und könnte uns in 10 Jahren überholt haben, wenn wir nicht schleunigst gegensteuern.
Work-Life-Balance
Eigentlich kann man sich nicht beschweren. Aufgrund der herrschenden Kurzarbeit (die mit Pausen nun leider schon vier Jahre anhält), kann man wunderbar zusammenhängende Freizeit bilden und nutzen. Leider werden unsere Projekte so nur sehr schleppend fertig. Urlaubsanträge wurden bei mir noch nie abgelehnt.
Karriere/Weiterbildung
Momentan ist aufgrund der Krise einfach kein Geld da - deshalb gibt es auch so gut wie keine Schulungen und Messebesuche. Eine Zeitlang war Geld da, da wurden primär Führungskräfte auf Schulungen für Mitarbeiterführung geschickt. Aus meiner Sicht wird für Mitarbeiter ohne Leitungsfunktionen für die Weiterbildung nur wenig getan, nur neue Mitarbeiter erhalten ihr Einführungs-Pflichtprogramm. Derzeit werden die gelegentlichen Messebesuche von interessierten Mitarbeitern komplett privat organisiert und in der Freizeit durchgeführt.
Gehalt/Benefits
Die Firma ist nicht im Arbeitgeberverband, lehnt sich aber stark an die Tarife der IG Metall an, Arbeitszeitgrundlage sind jedoch 40 Stunden und keine 35 Stunden. Wir haben das jedoch bereits beim Unterzeichnen des Arbeitsvertrags gewusst. Die Firma macht jedoch nahezu alle IGM-Features mit. Das Thema kocht zwar immer wieder mal in Betriebsversammlungen hoch, legt sich aber schnell wieder - wie gesagt, Pilz war mal eine megatolle Firma mit nahezu keiner Fluktuation, wir Mitarbeiter haben gerne das etwas geringere Gehalt in Kauf genommen. Leider arbeiten wir ja derzeit kurz, was mit einem teilweisen Verdienstausfall einhergeht, die Fluktuation ist mitunter auch deshalb sprunghaft angestiegen, mal sehen, wie lange das so noch gut geht.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Auf Umweltschutz wird akribisch geachtet, alle Bauteile müssen den REACH/RoHS/WEEE-Standards entsprechen. Blei und Cadmium sucht man in unseren Produkten vergeblich, wir drücken da bis auf wenige legale und technisch noch unumgängliche Ausnahmen kein Auge zu. Das Abfallaufkommen der Fertigungsprozesse wird stets versucht zu minimieren. Der Fuhrpark ist auch auf den CO2-Ausstoß optimiert. Der Energiebedarf unserer verkauften Geräte könnte teilweise noch deutlich gesenkt werden, hierzu müsste man jedoch historische Schaltungskonzepte teilweise ordentlich durchschütteln und Entwicklungsarbeit reinstecken - und schon kommen wieder die Bremser ins Spiel und stoppen die Höhenflüge der Entwickler.
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegen auf der unteren Ebene (ohne Leitungsfunktionen) halten in meiner Abteilung toll zusammen - anders würden wir in der derzeitigen Situation völlig baden gehen. Wir unterstützen uns gegenseitig so gut es geht und holen für gute Kollegen auch schon mal glühende Kohlen aus dem Feuer. Interessierte Kollegen, bei denen untereinander die Chemie stimmt, unternehmen auch außerhalb der Firma gelegentlich mal was zwanglos in ihrer Freizeit.
Umgang mit älteren Kollegen
Ein klares jein. Einerseits gibt es Kollegen, welche sogar über ihr reguläres Rentenalter hinaus beschäftigt sind, da sie aufgrund ihrer Expertise nur schwer ersetzbar sind, andererseits steckt die Firma derzeit ja in einer Krise und sucht neben der Kurzarbeit auch weitere Möglichkeiten, um die Lohnkosten zu reduzieren. Fast alle Mitarbeiter ab 63 Jahren sind gefragt worden, ob sie nicht mit einer Abfindung in die vorgezogene Rente gehen wollen. Und es gibt leider auch Ex-Chefs, welche zwar im Ruhestand sind, sich aber einen lukrativen Posten als Berater geangelt haben und auf diese Weise weiterhin die Portokasse belasten.
Vorgesetztenverhalten
In meiner Abteilung derzeit leider eine Katastrophe. Für mich sind derzeit zwei Chefs relevant. Der eine Chef sagt, was läuft, der andere Chef ist dessen Knecht und setzt die Beschlüsse des einen Chefs durch, und das nach persönlichen Vorlieben. Der eine Chef hat den anderen Chef unter Kontrolle, der andere Chef kann aufgrund seiner Persönlichkeit häufig keine eigenen Entscheidungen treffen, ohne bei seinen Chef rückfragen zu müssen, erwartet aber Respekt von uns. Ich habe in meiner ganzen Karriere selten so einen unreifen und unsicheren direkten Vorgesetzten erlebt. Wir Kollegen diskutieren dieses Verhalten häufig, es kann also nicht nur mein Empfinden sein. Aus anderen Abteilungen hört man jedoch deutlich mutmachendere Feedbacks.
Arbeitsbedingungen
Die IT ist vorderste Front, da gibt es nichts zu mäkeln. Jeder Mitarbeiter hat mindestens ein leistungsfähiges Notebook, welches sich über eine Dockingstation an einen oder mehrere gute Bildschirme anschließen lässt. Für die Ausstattung des Homeoffice-Arbeitsplatzes wurden wir jedoch leider ein wenig im Regen stehen gelassen, was jedoch bei den meisten Kollegen nicht besonders relevant ist und sich nur auf die private Anschaffung einer Dockingstation beschränkte, da wir auch privat meist über gute Bildschirme, Mäuse und Tastaturen verfügen. Fast alle Gebäude sind klimatisiert, die Kantine ist wirklich top! Die Laborausstattung war mal gut, leidet aber derzeit aufgrund des Sparzwangs. Wir leben im Labor derzeit vom Eingemachten, jedoch kann man damit alle anfallenden Mess- und Prüfaufgaben noch gut erledigen.
Kommunikation
Wir Kollegen haben in unserer Abteilung eigentlich schon aufgegeben. Nahezu alle Kollegen halten viele der regelmäßigen Termine, welche nicht direkt zu den Projekten gehören, für reine Zeitverschwendung. Es findet ein reines "Schaulaufen" statt (wer wieder was wie toll erledigt hat), anstelle dass projektübergreifend technische Schwierigkeiten diskutiert werden und man sich gegenseitig unterstützt. Besprechungen sollten zur gegenseitigen Motivation und zum Anschubsen von geistigen Höhenflügen dienen und nicht nur zum Abfragen des Projektfortschritts. Für 90% der Teilnehmer an Regelbesprechungen ist das aktuell Gesprochene nicht oder nur wenig relevant und deshalb vergeudete Arbeitszeit oder dient mehr zur Selbstdarstellung des Referenten.
Gleichberechtigung
Da kann ich aus eigener Beobachtung sagen, dass viele wirklich tolle Positionen mit Frauen besetzt sind. Einen Männerbonus gibt es bei Pilz nicht. Einige Abteilungen haben Frauenquoten von >70% und deren Chefs sind weiblich und sehr geschätzt. Außerdem ist eine Person der doppelt besetzten Unternehmensleitung weiblich und Mitinhaberin.
Interessante Aufgaben
Ich kann auch hier nur für meine Abteilung sprechen. Jedes Projekt ist nahezu gleich, technische Herausforderungen sind sehr überschaubar. Wenn man Auslegungsfehler in Vorgängerprojekten entdeckt und diese nach dem Stand der Technik ausmerzen möchte, gibt es meistens schnell Ärger. Beliebte Abwürggründe: Die Entwicklungskosten, das Entwicklungsrisiko oder die Bauteilmehrkosten sind zu hoch, die Schaltung ist angeblich nicht bewährt. Die Ablehnungsgründe werden dann je nach Tagesform bunt gemischt. Dabei existieren genug Schaltungsteile, die bei näherer Betrachtung nicht immer tadellos funktionieren werden. Dieser Zustand ist von der obersten Firmenleitung ausdrücklich NICHT gewünscht, sie möchte, dass nur robuste Geräte die Firma verlassen. Wir Entwickler kennen die Schwachpunkte, sind aber beim Abstellen ziemlich machtlos. Das Problem liegt im mittleren Management, welches Angst vor Veränderungen hat. Den abgedroschenen Spruch "never change a running system" musste ich mir schon sehr häufig anhören. Mal was Neues umzusetzen geht leider gar nicht. Technische Innovationen kann man so nicht erreichen und Meilensteine der Firmengeschichte werden so erst recht nicht gesetzt.