Starkes Produkt, herausfordernde Unternehmenskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Onboarding ist gut.
Man lernt sehr schnell.
Das Produkt ist stark.
Die technische Ausstattung ist gut.
Wer Druck liebt und sich beweisen will, bekommt Chancen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Hoher Druck, hohe Fluktuation, wenig Planbarkeit, starke Kontrolle, fragwürdiger Führungsstil und ein Arbeitsmodell, das langfristig nicht für jeden gesund wirkt.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen sollte aufhören, operative Probleme ständig durch neue Regeln, verschärfte Vorgaben und mehr Druck nach unten lösen zu wollen. Nachhaltiger wäre es, Prozesse sauber aufzubauen, Führungskräfte wirklich zu schulen und Mitarbeiter nicht dauerhaft im Krisenmodus arbeiten zu lassen.
Führungskräfte sollten nicht nur nach Zahlen, sondern auch nach echter Führungskompetenz ausgewählt und entwickelt werden.
Die Fluktuation sollte ehrlich analysiert werden, statt sie als normalen Bestandteil des Wachstums hinzunehmen.
Ziele sollten realistischer gestaltet und bei Krankheit, Urlaub oder strukturellen Änderungen nachvollziehbar angepasst werden.
Kommunikation sollte professioneller, respektvoller und weniger pauschalisierend erfolgen.
Beförderungen und Karrierewege sollten transparenter gestaltet werden.
Mehr Wert auf nachhaltiges Arbeiten statt permanenten Druck würde dem Unternehmen langfristig wahrscheinlich mehr bringen als die nächste kurzfristige Verschärfung.
Arbeitsatmosphäre
Aus meiner Sicht herrscht ein stark druckgetriebenes Arbeitsumfeld. Wachstum, Zahlen und Zielerreichung stehen klar im Vordergrund. Wer damit gut umgehen kann, findet hier ein sehr dynamisches Umfeld. Wer Stabilität, Ruhe oder langfristige Planbarkeit sucht, wird sich vermutlich schwertun.
Die Stimmung war für mich häufig angespannt. Personelle Wechsel und klare Ansagen von oben sorgten immer wieder dafür, dass Unsicherheit im Team spürbar war.
Image
Das Produkt ist stark. Der Vertrieb wirkt nach außen aber teilweise sehr offensiv. In der Branche scheint das Image dadurch nicht überall positiv zu sein.
Intern entsteht der Eindruck: Wachstum vor Nachhaltigkeit.
Work-Life-Balance
Eine echte Work-Life-Balance habe ich kaum erlebt. Der Job frisst sehr viel Zeit, Energie und Flexibilität.
Neben klassischem Vertrieb kommen Kundenbetreuung, Onboarding, Schulungen, CRM-Pflege und organisatorische Themen dazu. Kundenkontakte am Abend, lange Fahrzeiten und zusätzliche Aufgaben außerhalb der eigentlichen Termine gehörten aus meiner Sicht regelmäßig dazu.
Besonders kritisch sehe ich, dass Ziele bei Krankheit teilweise kaum oder erst sehr spät angepasst werden. Das erhöht den Druck zusätzlich.
Karriere/Weiterbildung
Interne Trainings gibt es. Diese sind aber stark auf Sales, Mindset und Motivation ausgerichtet. Praxisnahe Fallarbeit und echte Führungskräfteentwicklung könnten deutlich stärker sein.
Externe Weiterbildung habe ich nicht erlebt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist okay, aber aus meiner Sicht nicht passend zum tatsächlichen Aufwand. Fixum und Provision würde ich eher im unteren bis mittleren Bereich einordnen.
Die Benefits verbessern das Gesamtpaket, gleichen den Druck und die Mehrbelastung aber nur bedingt aus.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein Außendienstmodell mit mehreren tausend Kilometern pro Monat ist aus Umweltsicht schwer schönzureden.
Positiv sind Zusatzleistungen wie Essenszuschuss, Gutscheine und betriebliche Altersvorsorge.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt hängt stark vom jeweiligen Team ab. Durch die hohe Fluktuation entsteht jedoch wenig Beständigkeit. Erfahrene Kollegen müssen regelmäßig neue Mitarbeiter einarbeiten, was nachvollziehbarerweise irgendwann anstrengend wird.
Viele gute Kollegen gehen irgendwann nicht, weil sie den Job nicht können, sondern weil sie das System nicht dauerhaft mittragen wollen.
Umgang mit älteren Kollegen
Aus meiner Wahrnehmung gibt es nur wenige Kollegen mit Familie oder vergleichbaren privaten Verpflichtungen. Das liegt sicher auch an der eher jungen Belegschaft, aber aus meiner Sicht auch daran, dass der Job ein normales Familienleben nur schwer zulässt.
Hohe Reisetätigkeit, permanenter Druck, kurzfristige Anforderungen und wenig echte Planbarkeit machen den Alltag sehr belastend. Wer Familie hat oder privat mehr Verlässlichkeit braucht, wird hier schnell an Grenzen kommen.
Mein Eindruck war, dass insbesondere ältere Kollegen oder Mitarbeiter mit mehr privaten Verpflichtungen entweder gar nicht lange bleiben oder irgendwann wechseln, weil Druck und Stress dauerhaft zu hoch sind.
Vorgesetztenverhalten
Im unteren Management entsteht teilweise der Eindruck, dass gute Verkäufer automatisch zu Führungskräften gemacht werden. Vertriebserfolg ersetzt aber keine Führungskompetenz.
Der Druck von oben wird oft ungefiltert nach unten weitergegeben. Dadurch entsteht weniger echte Führung, sondern eher permanente Zielkontrolle.
Arbeitsbedingungen
Die Ausstattung ist gut: Firmenwagen, iPhone und iPad sind vorhanden.
Der Alltag ist aber sehr belastend. Mehrere tausend Kilometer im Monat, viele Kundenbesuche und hoher administrativer Aufwand sind realistisch. Die Strategie wirkt stark auf maximale Sichtbarkeit ausgelegt. Ob das für Kunden immer angenehm ist, darf man bezweifeln.
Überstunden sind aus meiner Sicht eher Normalzustand als Ausnahme.
Kommunikation
Die Kommunikation empfand ich oft als sehr direkt, hierarchisch und wenig wertschätzend. Kritik kam häufig nicht als konstruktives Feedback, sondern eher als Druckmittel an.
Auf Augenhöhe wurde nach meiner Erfahrung vor allem innerhalb der direkten Kollegenschaft gesprochen. Von oben nach unten wirkte die Kommunikation häufig belehrend, pauschalisierend und vorwurfsvoll.
Auf Augenhöhe wurde nach meiner Erfahrung vor allem innerhalb der direkten Kollegenschaft gesprochen. Von oben nach unten wirkte die Kommunikation häufig belehrend, pauschalisierend und vorwurfsvoll.
Gleichberechtigung
Karriere ist grundsätzlich möglich, wirkt aber stark zahlengetrieben. Wer performt und gut ins System passt, kann schnell aufsteigen.
Die Kriterien für Beförderungen wirkten für mich nicht immer transparent. Teilweise entstand der Eindruck, dass persönliche Nähe und interne Wahrnehmung mindestens genauso wichtig sind wie fachliche Kompetenz.
Interessante Aufgaben
Das Produkt ist gut und der Job ist fachlich nicht uninteressant. Man lernt schnell, wie SaaS-Vertrieb, Außendienst, Kundenbetreuung und Onboarding funktionieren.
Gleichzeitig ist es definitiv kein normaler Sales-Job. Erwartet wird deutlich mehr als reine Neukundenakquise.

