Enttäuschend – viele Versprechen, wenig Haltung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt viele Benefits wie Sportprogramme, eine Kantine und gemeinsame Ausflüge, die das Arbeitsumfeld auflockern und den Zusammenhalt fördern. Allerdings wäre es wünschenswert, diese Angebote in Maßen zu gestalten, besonders wenn das Unternehmen an anderen Stellen sparen muss.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Personalabteilung / Umgang mit Mitarbeitenden:
Die Personalabteilung agierte für mich hauptsächlich als Durchsetzerin der Vorgaben der Abteilungsleitungen, ohne diese kritisch zu hinterfragen. Ein echtes Engagement für die Belange der Mitarbeitenden konnte ich nicht feststellen. Obwohl der Umgangston freundlich wirkte, kam er oft nicht echt rüber, sodass kaum Vertrauen aufgebaut werden konnte.
Sozialverhalten & Verantwortung:
Negativ bleibt besonders der Umgang mit Kündigungen kurz vor Weihnachten in Erinnerung. Mitarbeitende wurden vor versammelter Mannschaft entlassen mit der Begründung, man wolle „vorsorglich abbauen“. Sozialverträgliche Lösungen oder Angebote gab es nicht. Nur wenige Monate später stellte sich das Unternehmen öffentlich als wachsender Arbeitgeber mit neuen Stellen dar – dieser Widerspruch sorgte für viel Unverständnis.
Verbesserungsvorschläge
Um das Arbeitsumfeld nachhaltig zu verbessern, sollte das Unternehmen verstärkt auf echte Kommunikation und Transparenz setzen. Die Personalabteilung könnte mehr Verantwortung übernehmen und sich als echte Interessenvertretung der Mitarbeitenden positionieren, statt nur Anweisungen weiterzugeben. Ein respektvollerer Umgang bei schwierigen Entscheidungen, wie Kündigungen, wäre ebenfalls wichtig – sozialverträgliche Lösungen sollten Priorität haben.
Darüber hinaus wäre es hilfreich, eine Unternehmenskultur zu fördern, die Gleichberechtigung und Diversität ernst nimmt und Vorurteile aktiv abbaut. Karrierechancen sollten für alle transparent und fair gestaltet sein, unabhängig von persönlichen Beziehungen.
Auch die Ausstattung der Mitarbeitenden könnte verbessert werden, indem benötigte Arbeitsmittel zeitnah und unkompliziert bereitgestellt werden. Gleichzeitig sollte das Unternehmen die Balance zwischen großen Ausgaben (Fuhrpark, Firmenfeiern) und Nachhaltigkeit besser austarieren, um Glaubwürdigkeit und Umweltbewusstsein zu stärken.
Arbeitsatmosphäre
Die auf der Unternehmenshomepage beworbene Teamkultur konnte ich in der Praxis nicht wiederfinden. Der Eindruck einer offenen, kollegialen Zusammenarbeit entspricht leider nicht der Realität. In meiner Abteilung – wie auch in anderen – herrschte ein distanziertes, teils angespanntes Miteinander. Von echter Zusammenarbeit war wenig zu spüren.
Image
Das Image des Unternehmens ist eher durchwachsen. Die Homepage wirkt professionell und vermittelt ein positives Bild. Im direkten Gespräch mit Mitarbeitenden oder Ex-Kolleg:innen zeigt sich jedoch, dass sich die negativen Ereignisse des letzten Jahres bereits herumgesprochen haben.
Work-Life-Balance
Positiv hervorzuheben ist die gute Work-Life-Balance. Durch Gleitzeit und faire Arbeitszeiten ließ sich die Arbeit gut mit dem Privatleben vereinbaren. Das war ein klarer Pluspunkt im Arbeitsalltag.
Karriere/Weiterbildung
Die Möglichkeiten für Karriere und Weiterbildung sind gut und werden aktiv gefördert.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt und die Sozialleistungen waren insgesamt durchschnittlich und entsprachen dem branchenüblichen Niveau. Allerdings gab es eine spürbare Gehaltskluft zwischen den Geschlechtern, die sich negativ auf die Gleichstellung im Unternehmen auswirkt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Generell zeigt das Unternehmen Engagement im Bereich Umwelt- und Sozialbewusstsein. Dennoch wirkt es etwas widersprüchlich, dass gleichzeitig ein sehr teurer Fuhrpark und aufwändige Firmenfeiern unterhalten werden. Hier wäre aus meiner Sicht noch Potenzial, das Nachhaltigkeitsversprechen stärker mit konkreten Maßnahmen in Einklang zu bringen.
Kollegenzusammenhalt
Zwischen einigen Kolleg:innen gab es enge Beziehungen, was grundsätzlich nichts Schlechtes wäre – jedoch führte dies zu klar erkennbaren Grüppchenbildungen und Bevorzugungen. Wer nicht „dazugehört“, hatte es spürbar schwerer. Die Führung zeigte sich hier leider weitgehend passiv.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleg:innen war sehr gut und ausgeglichen. Es herrschte gegenseitiger Respekt und wertschätzende Zusammenarbeit.
Vorgesetztenverhalten
Flache Hierarchien wurden oft kommuniziert, aber nicht gelebt. Vorgesetzte positionieren sich deutlich über die Mitarbeitenden, was sich im täglichen Umgang spüren ließ. Konstruktives Miteinander oder transparente Kommunikation waren selten. Entscheidungen wurden meist von oben herab getroffen – Rückfragen oder Kritik wurden nicht wirklich angenommen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren grundsätzlich gut. Allerdings musste man sich für vieles, wie zum Beispiel einen neuen Bildschirm oder andere Arbeitsmittel, oft stark einsetzen und regelrecht darum „betteln“. Eine proaktivere Ausstattung der Mitarbeitenden wäre wünschenswert.
Kommunikation
Die interne Kommunikation empfand ich als äußerst schwierig. Informationen liefen häufig über den Flurfunk, da viele Führungskräfte persönliche Gespräche mieden oder nur mit ausgewählten Personen kommunizierten. Entscheidungen – auch zu Aufgaben und Zuständigkeiten – wurden oft getroffen, ohne die betroffenen Personen einzubeziehen oder überhaupt zu informieren. Teilweise wurden Aufgabenbereiche einfach geändert, während die betreffende Person nicht einmal anwesend war. Das sorgte für große Verunsicherung und Demotivation.
Gleichberechtigung
Ohne interne Kontakte scheint es schwierig, wirklich voranzukommen. Leistungen allein reichten meiner Erfahrung nach nicht aus – „Vitamin B“ war deutlich wichtiger als Qualifikation oder Engagement. Das hinterlässt ein Gefühl, austauschbar zu sein.
Zudem wurden bestimmte Mitarbeitende aufgrund ihres Geschlechts mit stereotypen Vorurteilen konfrontiert, etwa der Annahme, sie hätten weniger technisches Verständnis. Manche Kolleginnen durften bei wichtigen Gelegenheiten, wie Messebesuchen, nicht teilnehmen, mit der Begründung, sie könnten die Inhalte nicht verstehen. Solche Haltungen erschweren eine gleichberechtigte Arbeitsumgebung erheblich.