Außen Hochglanz-Marketing, innen Grillparty der Extraklasse – Eine absolute Red Flag!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ein wahres Schlaraffenland für Liebhaber des absoluten Mindestmaßes! Uns wird tatsächlich Wasser kostenlos zur Verfügung gestellt. Dazu gibt es eine Obstschale mit Äpfeln und diversen anderen Leckereien. Ein absolutes Highlight der modernen Unternehmenskultur, das unter den Kollegen zutiefst geschätzt wird: Man muss für den Toilettengang nicht auch noch extra ausstempeln! Luxus pur. Dass man dafür erst über den Hof ins nächste Gebäude wandern muss, wird einfach als kostenloses Kardiotraining verbucht – ein Unfall ist mir auf dem Fußweg zum Glück noch nicht passiert. Abgerundet wird dieses Wohlfühlpaket durch eine standardmäßige 40-Stunden-Woche, bei der monatlich direkt 2 Überstunden pauschal mit dem Gehalt abgegolten und somit quasi an die Firma gespendet werden. Der Kaffee ist ganz okay.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Social-Media-Präsenz verdient einen Oscar im Bereich „Science-Fiction“. Während die Belegschaft in der Realität schuftet, tanzt online eine Darstellerin durch die Kulissen und stellt die Produktion so lächerlich dar, dass man sich als Angestellter im echten Leben einfach nur noch herabgewürdigt fühlt. Dass das Gezeigte absolut nichts mit der Realität zu tun hat, stört niemanden. Die Chefetage rechtfertigt diesen täglichen Schlag ins Gesicht der Belegschaft intern stolz als strategische Marketing-„Taktik“. Prioritäten muss man eben setzen: Klicks im Internet sind nun mal wichtiger als die Würde der Menschen vor Ort.
Verbesserungsvorschläge
Upgrade für den Umluftofen: Vielleicht beim nächsten Sommer-Event direkt BBQ-Saucen an die Mitarbeiter verteilen, wenn wir in der Halle bei über 40 Grad schon wie Hähnchen gegrillt werden. Alternativ wäre eine echte Klimaanlage statt Alibi-Ventilatoren denkbar.
Temu-Kabel austauschen: Die historischen Stromkabel ohne gültigen TÜV gehören ins Museum und nicht in die Hände von Mitarbeitern. Es sei denn, die täglichen Stromschläge sind Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Schubladen beschriften: Wenn Verbesserungsvorschläge schon so professionell „mitgenommen“ werden, fände ich ein Tracking-System für die allerletzte Schublade super, damit man weiß, wo gute Ideen sterben.
Realitätscheck fürs Marketing: Schickt die Social-Media-Darstellerin doch mal für eine Woche im Juli ohne Ventilator in die 40-Grad-Halle. Das gäbe herrlich authentischen Content!
Zwischenmenschliche Grundhöflichkeit wird hier ebenfalls extrem effizient wegrationalisiert. Warum auch wertvolle Energie für ein simples Guten Tag oder „Hallo“ verschwenden? Ein konsequentes Ignorieren von Grußformeln gehört bei bestimmten Angestellten zum guten Ton. Wer es wagt, dieses Schweigen zu brechen oder gar Missstände anzusprechen, wird mit einem abwertenden Blick belohnt.
