War eine nette Firma, mal schauen wie lange noch
Gut am Arbeitgeber finde ich
Prinzipiell war die Firma sehr empfehlenswert:
Es gibt einen sehr hohen Anteil an sehr kompetenten Kollegen. Viele Leute, auch z.B. im Vertrieb, haben tiefe fachliche Ahnung. Das gesamte Management bei den Produkten bis hoch zum Vice President besteht aus Entwicklern oder Verkehrsingenieuren und kann auch im Detail bei Themen mitreden.
Man hat als Entwickler viele Freiheiten. Wenn ich Hilfe brauchte, bin ich direkt zu anderen Entwicklern gegangen, das war explizit gewollt. Solange es nicht ausgeartet ist, war da kein Manager involviert. Entwickler betreuen ihre Themen auch fachlich; es wurde durchaus erwartet, dass man kein reiner Techniker ist, sondern mit einem Produktmanager von Gleich zu Gleich reden kann.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Firma soll auf dem Papier besser aussehen, daher wird gerade gestrichen, und zwar alles: Weiterbildung, Menschen, sogar am Toilettenpapier wird angeblich gespart. Kurzfristig verursacht das schlechte Laune und Chaos, langfristig kann so etwas auch das Firmenklima kaputtmachen. Der dilletantische und erbaermliche Entlassungsprozess ist dabei ein sehr schlechtes Zeichen.
Prozesse, z.B. die Planung, sind gerne schwergewichtiger als notwendig. Da wird ein Quartalsplan Manntag-genau erstellt, aber eigentlich ist es auch egal wenn der Plan nicht hinhaut, weil die meisten Themen keine Deadline haben. Iso-29001-Vorgaben werden auch gerne sehr starr umgesetzt.
Arbeitsatmosphäre
Entlassungen... Ansonsten war es gut.
Vorgesetztenverhalten
Unterhalb der C-Ebene: Top. Alle Vorgesetzten haben fachliche Ahnung. In der Regel ist fast das komplette Management innerhalb der Firma aufgestiegen. Der Vice President Sales hat z.B. meines Wissens als Programmierer angefangen. In der Produktentwicklung werden bestimmte Verhaltensweisen wie z.B. abwertendes Reden als Problem angesehen und dagegengesteuert. Insgesamt ist das Umfeld dadurch gut, auch wenn ich die Wahrnehmung habe, dass das einmal besser war.
C-Ebene und jenseits: Austauschbares generisches Management. Keine Ahnung vom Markt oder den Produkten, keine strategischen Vorgaben jenseits von "Macht mal irgendwas mit KI." Menschen werden offenbar als austauschbare Humanresourcen oder Kostenfaktoren wahrgenommen, nichts in das man investiert.
Gleichberechtigung
Ich habe zumindest nichts Nachteiliges mitbekommen. Es gibt auch einen nennenswerten Frauenanteil (~20% ist bei Softwareentwicklung nicht wenig)
Umgang mit älteren Kollegen
Fachlich oder kollegial wurden sie meines Wissens nie benachteiligt, es gibt aber mittlerweile keine alten Kollegen mehr.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung wurde neulichst gestrichen. Vorher war es gut. Aufsteigen geht schlecht, weil es nicht viele Hierarchieebenen gibt. Lateral ist Karriere kein Problem.
Wenn man z.B von der Softwareentwicklung, sagen wir, in die Planung wechseln will, sollte das gehen, wenn auch nicht sofort. Es gibt mehrere Personen, die so etwas gemacht haben (von Entwicklung oder Planung in den Vertrieb oder Wechsel zwischen Entwicklung, Management, Produktmanagement).

