Abbruch statt Umbruch oder gar Aufbruch
Gut am Arbeitgeber finde ich
Momentan schwer zu sagen. Wer weiß, was morgen ist. Mehr Agilität und Fokus ist im Prinzip gut, leider ist die "Umsetzung" bisher ein totales Chaos. Mit einem deutlich anderen und konstruktiveren Führungsstil wäre hier noch was zu holen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wie schon jemand anders bemerkt hat: Die PTV versucht aktiv Bewertungen von kununu zu entfernen und zu entschärfen, deshalb habe ich die Bewertung angepasst.
Der Investor hat die Standardmethoden durch, um die Firma zu verkaufen (mit Gewinn zerschneiden, oberflächlich mit anderer Firma fusionieren). Jetzt sind wir in der Phase der Anpassung der Bilanzen durch Entlassungen. Mit gleichzeitigem Aufbau einer Produktidee von exponentiellen Wachstum, wie man sie eher bei einem Start-up erwartet. Man scheint zu glauben, dass Expertenwissen im Verkehrsingenieursbereich und der Softwareentwicklung durch KI weitestgehend ersetzt werden kann. Man baut also gleichzeitig das gesunde Fundament der Firma ab und geht eine Hochrisikowette ein. Diese Kombination wird ziemlich sicher für die Firma, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden negative Konsequenzen haben. Aber vermutlich verlockend, wenn man auf den Verkauf der Firma fixiert ist.
Verbesserungsvorschläge
Neue Technologien wie KI nutzen, um die Entwicklung der Kernprodukte der Firma effizienter zu gestalten. Die über 30 Jahre im Unternehmen gesammelte Expertise wahrnehmen, schätzen und nutzen. Statt Präsentation von KI generierten Strategiefolien mit Fehlern und voller Details, bei denen man nicht weiß, ob und was davon relevant und beständig ist, klare belastbare Aussagen treffen. Wichtige Koordinationsstellen nicht von einem Tag auf den nächsten frei stellen.
Arbeitsatmosphäre
Fatalistisch. Gerade läuft die 2. Entlassungswelle in kurzer Zeit. Vermutlich nicht die Letzte. Man weiß nicht, ob man betroffen ist, aber geht davon aus. Die Kernkompetenz, das Kernprodukt und die Reputation der Firma werden nachhaltig beschädigt. Es herrscht Chaos mit unklaren Aufgaben und Zielen. Der C-Ebene scheint die Stammbelegschaft eher hinderlich zu sein, als dass sie mit ihr zusammenarbeiten möchte. Es wird einem sehr deutlich der Eindruck vermittelt, das die eigene Arbeit irrelevant ist.
Kommunikation
Die C-Ebene tritt spricht viel aber sagt wenig handfestes, tritt sehr entrückt und ignorant gegenüber der Belegschaft auf, und lobt sich dabei für Transparenz. Unliebsame Informationen werden gerne Freitag am späten Nachmittag geschickt. Die initiale Informationsveranstaltung zur Entlassung wurde am Freitag für Montag um 16:30 angesetzt. Die Kommunikation zu den Entlassungen und den Auswirkungen ist schwammig bis nicht nachvollziehbar. Vielleicht versteht man sich einfach wirklich nicht. Der kulturelle Unterschied zwischen einem über 40 Jahre gewachsenen deutschen Unternehmen mit einer sehr hoch qualifizierten und viele Jahre in der Firma verwurzelten Belegschaft auf der einen Seite, und einer angloamerikanischen C-Ebene, die alle 1-3 Jahre die Firma wechselt, ist gewaltig. Ich habe aber schon den Eindruck, dass das nicht alles sein kann, sondern auch Strategie dabei ist. Kritische Nachfragen werden in Town Halls nicht live zugelassen, aber zumindest später schriftlich beantwortet. Kritisches Abklopfen und Hinterfragen der Strategie ist allgemein nicht erwünscht, es werden Ja-Sager gesucht.
Kollegenzusammenhalt
In direkter Zusammenarbeit sehr gut. In der Krise hält man noch mehr zusammen. Neue Kollegen kommen eher oben in der Hierarchie an, sind oft Kontakte der C-Ebene.
Work-Life-Balance
Mobiles arbeiten, flexible Arbeitszeiten, 40 Stunden Woche, Teilzeit wird nicht mehr gern gesehen, Gleitzeitkonto.
Vorgesetztenverhalten
Direkte Vorgesetzte sind fachlich und menschlich sehr gut.
Interessante Aufgaben
Abwechslungsreich, tief und breit, alte und neue Technologien.
Umgang mit älteren Kollegen
Waren bei der 1. Entlassungswelle hauptsächlich betroffen.
Arbeitsbedingungen
Büro gut. Für mobiles Arbeiten gibt es einen Laptop. Diensttelefon oder weitere Unterstützung für mobiles Arbeiten gibt es nicht. Passt insgesamt.
Gehalt/Benefits
In den letzten Jahren Reallohnverlust. Weiche Benefits wurden in den letzten Jahren weitestgehend abgeschafft, bis hin zu den Kaffeemaschinen auf den meisten Etagen. Es gibt eine bezuschusste Kantine und Fitnessstudio. Die Lage der Firma ist sehr gut, wenn man in Karlsruhe lebt.
Image
Seit langem Weltmarktführer. Wird sich in den nächsten Jahren vermutlich deutlich verschlechtern, da die Stammkunden nicht ernst genommen werden und das Expertenwissen der Firma massiv abgebaut wird.
Karriere/Weiterbildung
Früher sehr gut, auch mit Konferenzbesuchen und Kursen für alle. Jetzt deutlich eingeschränkter. Zeit für selbstständige Weiterbildung bleibt.


