Starke Kollegen und gute Produkte, aber das Vertrauen ist weg, die Stimmung ist im Eimer
Verbesserungsvorschläge
Klarer sagen, was wirklich geplant ist. Nicht nur allgemeine Aussagen über Strategie und Zukunft, sondern konkrete Antworten:
Wie soll Produktentwicklung mit deutlich weniger Leuten funktionieren?Welche Produkte haben Priorität?Was wird nicht mehr weiterentwickelt?Wie sollen Kunden Vertrauen in Roadmaps behalten?Wie will man gute Leute halten, wenn Gehalt und Benefits nicht konkurrenzfähig wirken?Was bedeutet Wertschätzung konkret außer Dankesworten?
Solange darauf keine echten Antworten kommen, wird sich die Stimmung nicht verbessern.
Arbeitsatmosphäre
Im eigenen Team ist es meistens noch gut. Die Kollegen sind fachlich stark, hilfsbereit und viele machen ihren Job wirklich mit Anspruch. Das ist aktuell auch der Hauptgrund, warum der Laden noch läuft.
Alles darüber hinaus fühlt sich aber zunehmend kaputt an. Die Stimmung ist schlecht, viele sind verunsichert und das Vertrauen in die Unternehmensführung hat stark gelitten. Nach außen wird viel von Wertschätzung, Zukunft und Strategie gesprochen. Intern kommt davon wenig an.
Image
Von außen sieht vieles wahrscheinlich noch stabiler aus, als es sich intern anfühlt. Die Marke und die Produkte haben weiterhin einen guten Namen. Intern ist das Vertrauen aber deutlich beschädigt. Viele trennen inzwischen sehr klar zwischen den Produkten und Kollegen, die sie schätzen, und der Unternehmensführung, der sie deutlich weniger vertrauen.
Work-Life-Balance
Flexibles Arbeiten ist möglich und grundsätzlich ein Vorteil. Trotzdem ist Work-Life-Balance nicht nur Homeoffice. Wenn man ständig im Hinterkopf hat, ob das eigene Team, das eigene Produkt oder die eigene Stelle überhaupt noch eine Zukunft hat, belastet das massiv.
Karriere/Weiterbildung
Aktuell kaum glaubwürdig. In der Theorie gibt es Entwicklungsmöglichkeiten. In der Praxis steht gerade eher Kostenreduktion im Vordergrund. Weiterbildung und Karriere fühlen sich im Moment nicht wie echte Prioritäten an.
Gehalt/Benefits
Für mich einer der größten Schwachpunkte. Die Gehaltsentwicklung ist seit Jahren enttäuschend, Benefits wurden eher gestrichen als verbessert, und die verbliebenen Leistungen wirken teilweise eher symbolisch.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Produkte haben grundsätzlich einen positiven gesellschaftlichen Bezug. Mobilität, Verkehrssicherheit und effizientere Verkehrsplanung sind Themen, mit denen man sich fachlich gut identifizieren kann. Genau das war für viele auch einmal ein Grund, gerne hier zu arbeiten. Intern wirkt dieser Anspruch aktuell aber immer weniger glaubwürdig. Wenn gleichzeitig stark auf Kosten, Umstrukturierung und kurzfristige finanzielle Ziele geschaut wird, passt das für mich nicht mehr richtig zusammen. Der gesellschaftliche Nutzen der Produkte ist da, aber die Unternehmensführung lebt diesen Anspruch aus meiner Sicht nicht überzeugend vor.
Kollegenzusammenhalt
Sehr gut. Die Kollegen sind klar der größte Pluspunkt. Viele halten zusammen, helfen sich gegenseitig und versuchen trotz allem professionell zu bleiben. Ohne diesen Zusammenhalt wäre die Situation deutlich schwieriger.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt sehr viele erfahrene Kollegen mit enorm wichtigem Produkt- und Domänenwissen. Ich habe nicht den Eindruck, dass dieses Wissen gerade ausreichend geschützt wird. Wenn solche Leute gehen oder abgebaut werden, verliert man nicht einfach nur Kapazität, sondern Jahre an Erfahrung, Kundenverständnis und Produktwissen.
Vorgesetztenverhalten
Die direkten Vorgesetzten machen aus meiner Sicht oft das Beste aus einer schlechten Situation. Viele sind ansprechbar und ehrlich bemüht. Das Problem liegt eher weiter oben. Dort werden Entscheidungen getroffen, die dann von den direkten Führungskräften erklärt werden müssen, obwohl sie selbst nicht wirklich genug Antworten haben.
Arbeitsbedingungen
Technisch und organisatorisch ist vieles okay, aber nicht durchgehend auf dem Niveau, das man bei einem Softwareunternehmen erwarten würde. Entscheidend ist für mich aber weniger die Ausstattung, sondern die aktuelle Gesamtsituation: Unsicherheit, Umstrukturierung und unklare Prioritäten belasten die Arbeit deutlich. Wenn Entwicklungsteams ausgedünnt werden und gleichzeitig unklar bleibt, wie Produkte langfristig weiterentwickelt werden sollen, sind die Arbeitsbedingungen nicht nur eine Frage von Laptop, Büro oder Homeoffice. Dann fehlt vor allem ein stabiles Umfeld, in dem man sinnvoll planen und gute Arbeit abliefern kann.
Kommunikation
Es gibt Townhalls und Mails, aber Klarheit entsteht dadurch kaum. Bei den wirklich wichtigen Themen wird entweder sehr allgemein gesprochen oder es bleiben genau die Fragen offen, die die Leute eigentlich interessieren.
Besonders bitter ist, wenn größere Einschnitte angekündigt werden, aber die betroffenen Teams danach trotzdem erstmal mit Unsicherheit allein gelassen werden. Dann kann man nicht gleichzeitig erwarten, dass alle motiviert und fokussiert weiterarbeiten.
Gleichberechtigung
Kann ich nicht umfassend beurteilen. In meinem direkten Umfeld war das kein zentrales Problem.
Interessante Aufgaben
Die Produkte und Aufgaben sind eigentlich spannend. Es gibt viel fachliche Tiefe, echte Kundenprobleme und sinnvolle Anwendungsfälle. Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung so frustrierend.
Wenn in der Entwicklung stark gespart wird und die Antwort auf weniger Kapazität im Kern ist, weniger oder keine neuen Features zu entwickeln, dann fragt man sich schon, wie die Firma langfristig wettbewerbsfähig bleiben will. Für mich wirkt das nicht wie eine Produktstrategie, sondern wie kurzfristiges Kostensparen.


