Kaufmännischer Bereich - Leistung zählt, Menschlichkeit fehlt
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Kollegialer Zusammenhalt
- Technische Grundausstattung ist vorhanden, Remote-Arbeit grundsätzlich möglich
- Aufgabenvielfalt vorhanden (wenn auch oft aus Überlastung resultierend)
- Es gibt vereinzelte Firmenevents und interne Schulungsangebote
- In einzelnen Unternehmensbereichen wird Flexibilität bereits gelebt
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Hoher Leistungsdruck bei gleichzeitig fehlender Wertschätzung
- Aufgaben aus mehreren Rollen werden auf Einzelpersonen verteilt, ohne klare Grenzen oder Entlastung
- Urlaube werden hinterfragt, Arzttermine müssen begründet und auf Randzeiten gelegt werden
- Keine Gleichbehandlung: kaufmännischer Bereich unter starker Kontrolle, andere Abteilungen deutlich freier
- Arbeitszeiten und Pausen streng reglementiert – gleichzeitig fehlende Rücksicht auf individuelle Situationen
- Gehaltserhöhungen wurden in Aussicht gestellt, aber kaum umgesetzt – teilweise liegen langjährige Mitarbeitende bei Einstiegsniveau
- Tätigkeiten, die nicht digital erfasst werden, gelten als „nicht produktiv“
- Überstunden werden weder ausbezahlt noch ausgeglichen
- Kommunikation stark hierarchisch, wenig Raum für echte Mitsprache oder Kritik
- Präsenzpflicht wird mit Teamkultur begründet – vor Ort ist Austausch aber kaum erwünscht
- Staubige Teppiche und vernachlässigte Lüftungen führen zu häufigen Allergieproblemen im Büro
- Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen finden faktisch nicht statt – kein Bewusstsein sichtbar
- Extern starkes Arbeitgeber-Image, das intern nicht mit der Realität vieler Bereich übereinstimmt
Verbesserungsvorschläge
- Bessere Aufgabenverteilung und realistische Zielvorgaben
- Gleichbehandlung aller Abteilungen in Bezug auf Flexibilität, Arbeitszeiten und Kontrolle
- Klare Kommunikation zu Gehaltsentwicklung und realistischen Karrierepfaden
- Vertrauensbasierter Umgang mit Urlaub und persönlichen Terminen
- Mehr Transparenz bei Entscheidungen, offene Feedbackkultur fördern
- Verbesserte Raumhygiene: regelmäßige Reinigung von Teppichen und Lüftungssystemen
- Nutzung von Präsenzzeiten für echten sozialen Austausch, nicht nur als Pflichttermin
- Ernstgemeinte Anerkennung für Überlastung – auch verbal oder durch kleine Zeichen der Wertschätzung
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung ist angespannt und geprägt von starker Verunsicherung. Mitarbeitende haben das Gefühl, in erster Linie als Personalressourcen betrachtet zu werden. Kommunikation ist oft einseitig, Entscheidungen werden selten erklärt. Wer Kritik äußert oder Themen anspricht, wird nicht selten indirekt gewarnt.
Zwischen den Teams herrscht größtenteils Zusammenhalt – dieser ersetzt aber keine Führung oder Empathie. Firmenevents, die selten stattfinden, sind gut gemeint, wirken aber wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Image
Nach außen tritt das Unternehmen sehr positiv auf – moderne Social-Media-Videos, ein starker Auftritt auf Plattformen wie Kununu. Intern erleben viele Mitarbeitende im kaufmännischen Bereich jedoch eine Realität, die kaum mit diesem Bild übereinstimmt. Besonders belastend ist die Diskrepanz zwischen dem gezeigten Image und der gelebten Unternehmenskultur im Alltag.
Work-Life-Balance
Termine (z. B. Arztbesuche) müssen auf Randzeiten gelegt werden – unabhängig davon, wie realistisch das im medizinischen Alltag ist. Mitarbeitende müssen Gründe offenlegen, obwohl das datenschutzrechtlich kritisch ist. Urlaubsanträge werden hinterfragt oder auf spätere Zeiträume geschoben. Überschneidungen nur in Ausnahmefällen gestattet – was Urlaubsplanung zusätzlich erschwert. Viele trauen sich kaum, Urlaub zu beantragen, ohne das Gefühl zu haben, vorher eine Art „Leistungsausweis“ abliefern zu müssen.
Pausenregelungen sind strikt, flexible Arbeitsgestaltung ist kaum gegeben – gleichzeitig werden Mitarbeitende angehalten, vor Ort zu erscheinen, obwohl längere Gespräche oder soziale Interaktion dort nicht gewünscht sind.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung oder Entwicklungsperspektiven sind aktuell kaum sichtbar Die Ressourcen scheinen auf Betriebserhalt statt Personalentwicklung fokussiert zu sein – nachvollziehbar in schwierigen Zeiten, langfristig aber problematisch. Auch Aufstiegsmöglichkeiten oder interne Entwicklung sind kaum transparent.
Gehalt/Benefits
Bei der Einstellung wurde mit regelmäßigen Gehaltsentwicklungen geworben, vertraglich jedoch nur Mindestangaben gemacht. Die Realität bleibt oft deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch langjährige Mitarbeitende liegen teilweise unter Einstiegsniveau neuer Kolleg:innen.
Angesichts der wirtschaftlichen Lage besteht Verständnis, dass große Gehaltssprünge aktuell schwer möglich sind. Doch gerade deshalb wäre eine klare, offene Kommunikation und faire Behandlung umso wichtiger.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein ausgeprägtes Umwelt- oder Sozialbewusstsein ist weder spürbar noch offiziell kommuniziert. Papier wird wenig verwendet. Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung sind intern kein Thema und fließen weder in Prozesse noch in die Kommunikation mit ein.
Kollegenzusammenhalt
Trotz der Belastung herrscht in vielen Teams starker Zusammenhalt. Kolleg:innen unterstützen sich gegenseitig und kompensieren oft strukturelle Schwächen gemeinsam. Ohne dieses Miteinander wäre die Lage noch deutlich schwieriger.
Umgang mit älteren Kollegen
Ein echtes Urteil zum Umgang mit älteren Mitarbeitenden ist schwer möglich – da es im betroffenen Bereich wenig Mitarbeitende höheren Alters gibt. Altersdurchmischung scheint insgesamt keine strategische Rolle zu spielen.
Vorgesetztenverhalten
Vorgesetzte sind in vielen Fällen bemüht, Puffer zwischen Mitarbeitenden und Unternehmensführung zu schaffen – haben jedoch wenig Entscheidungsspielraum. Strategische Vorgaben kommen von oben, ohne dass Rückfragen oder Anpassungen möglich sind. Die oberste Führung ist kaum sichtbar außer bei Besuchen und Ansprachen die eher symbolisch wirken.
Arbeitsbedingungen
Die physische Arbeitsumgebung ist modern und funktional. Jedoch stehen diese Rahmenbedingungen im Kontrast zur psychischen Belastung, die durch hohe Anforderungen und starre Regeln entsteht.
Kommunikation
Die Kommunikation ist stark top-down orientiert. Zwar gibt es formelle Austauschformate, doch Rückfragen oder Kritik werden oft als Störung empfunden. Auch Informationen über strukturelle Veränderungen oder Personalentscheidungen erfolgen meist spät oder gar nicht. Im Tagesgeschäft fehlen oft Rückmeldungen, Transparenz oder Raum und Zeit für konstruktive Gespräche.
Gleichberechtigung
Im Unternehmen gibt es keine systematische Benachteiligung – jedoch entstehen große Unterschiede zwischen einzelnen Bereichen. Während der kaufmännische Bereich unter klaren Regeln, Zeiten und Kontrollen arbeitet, herrscht in anderen Abteilungen deutlich mehr Flexibilität. Das führt intern zu dem Eindruck einer ungleichen Behandlung.
Interessante Aufgaben
An Aufgaben mangelt es definitiv nicht – im Gegenteil: Durch Personalmangel und Umstrukturierungen werden Tätigkeiten aus mehreren Rollen auf einzelne Personen verteilt. Das führt zwar zu Abwechslung, allerdings nicht unter kontrollierten oder planbaren Bedingungen. Statt gezielter Weiterentwicklung entsteht eine Überlastung durch Aufgabenfülle ohne klare Priorisierung oder Zuständigkeit.

