REHAU Water Technologies: Starke Teams, schwache Strukturen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kantine und die Kaffeebar in Erlangen sind etwas Besonderes. Nicht nur wegen des Angebots, sondern auch wegen der Menschen dort. Generell habe ich viele engagierte, hilfsbereite und fachlich starke Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die den Arbeitsalltag deutlich angenehmer machen.
Darüber hinaus bietet das Unternehmen spannende Aufgaben und grundsätzlich viel Potenzial, Dinge zu bewegen und mitzugestalten. Viele Mitarbeiter bringen großes Engagement und Herzblut mit. Schade ist, dass dieses Potenzial aus meiner Sicht durch fehlende Prioritäten, mangelnde Führung und starre Strukturen häufig nicht ausgeschöpft wird.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die fehlende Führung, die mangelnde Priorisierung und die über Jahre gewachsene Kultur des Aktionismus. Es gibt selten klare Entscheidungen, klare Verantwortlichkeiten oder eine erkennbare strategische Richtung. Stattdessen gewinnt häufig derjenige, der am lautesten auftritt und seine Interessen am stärksten vertritt.
Leistung, Verlässlichkeit und Fachkompetenz werden aus meiner Sicht zu wenig honoriert. Wer gute Arbeit macht, kann nicht automatisch mit Entwicklungsmöglichkeiten, angemessener Wertschätzung oder einer fairen Gehaltsentwicklung rechnen. Transparente Kriterien für Karriere- oder Führungspositionen sind kaum erkennbar.
Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit Frauen und die nach wie vor männlich geprägten Machtstrukturen. Für Frauen mit Expertise, Ambitionen und einer klaren Meinung ist das Umfeld oft kräftezehrend. Unterstützung hängt stark von einzelnen Führungskräften ab und weniger von einer Unternehmenskultur, die Leistung, Vielfalt und Gleichberechtigung konsequent fördert.
Verbesserungsvorschläge
* Das Unternehmen sollte stärker auf Leistung, Fachkompetenz und nachhaltige Ergebnisse setzen. Wer Verantwortung übernimmt und über Jahre hinweg hohe Belastungen trägt, sollte dies auch in Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzung und Vergütung wiederfinden.
* Außerdem braucht es klarere Prioritäten und verbindlichere Entscheidungen. Viele Mitarbeiter arbeiten engagiert und mit großem Einsatz, werden jedoch durch Richtungswechsel, Aktionismus und unklares Erwartungsmanagement ausgebremst.
* Führung sollte stärker als Aufgabe verstanden werden und nicht als Position. Dazu gehören Orientierung, Konfliktlösung, Unterstützung der Teams und die konsequente Entwicklung von Mitarbeitern.
* Das Potenzial des Unternehmens ist da. Mehr Verlässlichkeit, mehr Transparenz und eine Kultur, die Leistung tatsächlich anerkennt, würden einen spürbaren Unterschied machen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat in den vergangenen Jahren spürbar unter den Umstrukturierungen, anhaltender Unsicherheit und mehreren Kündigungswellen gelitten. Entsprechend fällt es schwer, eine positive Grundstimmung zu entwickeln, auch wenn viele Kolleginnen und Kollegen täglich ihr Bestes geben.
Interessante Aufgaben
Viel Gestaltungsfreiraum, wer ihn sich nehmen mag
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wird aus meiner Sicht nicht gelebt, sondern allenfalls kommuniziert. Während die Zusammenarbeit auf Teamebene oft super funktioniert, habe ich selbst insbesondere in den hohen Hierarchieebenen diskriminierende Bemerkungen und frauenfeindliches Verhalten erlebt. Frauen sind in entscheidenden Positionen deutlich unterrepräsentiert.
Wer als Frau mit Fachkompetenz, klaren Argumenten und Gestaltungswillen etwas bewegen möchte, braucht viel Durchhaltevermögen. Leistung allein reicht oft nicht aus, um wahrgenommen oder gefördert zu werden.
Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit Mitarbeiterinnen nach der Elternzeit. Für viele scheint sich kein adäquater Wiedereinstieg oder Entwicklungspfad zu finden. Statt Chancengleichheit zu schaffen, werden bestehende Strukturen erhalten. Mein Eindruck ist, dass Frauen deutlich höhere Hürden überwinden müssen als Männer, um die gleiche Anerkennung und Entwicklungsmöglichkeit zu erhalten.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist durchschnittlich, echte Gehaltsentwicklungen sind jedoch selten. Da Anpassungen stark von einzelnen Führungskräften abhängen und diese häufig wechseln, bleiben Leistung und zusätzliche Verantwortung oft ohne finanzielle Anerkennung.
Image
Mehr Schein als Sein.
ABER ACHTUNG: Es muss klar zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen unterschieden werden. Meine Erfahrungen beziehen sich auf den Bereich Building Solutions bzw. Water Technologies. Andere Bereiche agieren weitgehend eigenständig.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung und Beförderung gehört nicht zum Standard. Beförderungen werden nicht transparent oder nachvollziehbar durchgeführt. Wechsel in andere Bereiche oder gar andere Unternehmenssparten sind nicht üblich.