Gut am Arbeitgeber finde ich
Allgemein gibt die RKiSH meist ihr Bestes, es bringt Spaß hier und im Vergleich zu anderen Betrieben im Rettungsdienst kann ich mir keinen besseren Arbeitgeber vorstellen.
Für die Azubis gibt es eine Art eigenen Betriebsrat, die JAV. Das ist eine super Sache, an der Umsetzung hapert es nur noch ein wenig.
Das Team / die Teams halten zusammen und es herrscht (außer bei wenigen Konstellationen von diensthabenden Kollegen) ein gutes Klima.
Trotz vieler Kritikpunkte, die außer in puncto Klinik auf hohem Niveau angesetzt sind, bin ich froh, bei der RKiSH angestellt zu sein.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Einige Kollegen bekamen keine Chancen für Aufstiege, andere manchmal weniger qualifiziert scheinende schon, dies spiegelt sich auch bei den Wachenleitern wieder - Vitamin B lässt grüßen, dass fällt sogar schon den Azubis im ersten Jahr auf.
Die Kritikfähigkeit ist somit auch oft schlecht, was die freie Meinungsäußerung massiv bedroht.
Eine Menge Rettungswachen sind zu klein, sowie oft verwinkelt und / oder zu alt bzw. schlecht instand gehalten. Offenbar wird jegliche Instandhaltungsmaßnahme ausgesetzt, sobald angedacht wird, dass vielleicht in vielen Jahren eine neue Wache gebaut wird.
Verbesserungsvorschläge
Ich fände es wichtig die Missstände in den Klinikpraktika aufzuarbeiten, hier hat sich in drei Jahren nichts verbessert. Außerdem sind nicht alle Wachenleiter offen für Vorschläge und andere Gespräche.
Weitere kleinere Probleme, vor allem was das Verhalten bzw die Situation der ersten beiden Führungs-/Leitungsebenen betrifft (Beauftragte (tlw nicht vorhanden oder schnell, schnell ernannt und vergessen, wie Sicherheits- oder Hygienebeauftragte) und PALs (zu Wenige), sowie Wachenleitungen (nicht immer einer Führungskraft entsprechend)), sollten (besser) angegangen werden.
An vielen Standorten (Akademie Heide, Akademie Pinneberg, diverse Rettungswachen) muss die Parkplatzsituation verbessert werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist sehr gut, leider werden Vorschläge (auch sehr einfache, die mit minimalen oder sogar keinen Kosten zusammenhängen) oft nicht gehört. Dies ist aber, meiner Erfahrung nach, stark abhängig vom Wachenleiter, den man üblicherweise darauf anspricht.
In der Klinik ist sie sehr gemischt, es gibt offenbar zu viele genervte, schlecht gelaunte, verbissene, überforderte und wichtigtuerische Schwestern und Pfleger in den Kliniken.
Karrierechancen
Selbst wenn man nicht besteht, hat man die Möglichkeit zu wiederholen oder den Weg als Rettungssanitäter (3 monatige Ausbildung) einzuschlagen. Die Firma trennt sich nur selten (oder so gut wie nie) von ihren Azubis. Da muss man schon den goldenen Stift klauen. Fast alle anderen Probleme werden behandelt und nicht abgeschoben. Die Übernahmechance ist sehr hoch. Im weiteren Verlauf gibt es für den Rettungsdienst verhältnismäßig viele Möglichkeiten, sich anderswo einzubringen. Aber ich habe schon mitbekommen, dass es hier auch ein bisschen nach Nasenfaktor geht. Gerade Kritik ist weniger erwünscht und kann weitere Aufstiege extrem erschweren.
Arbeitszeiten
Die Schule hat in der Standard Fünftagewoche vernünftige Zeiten: Man fängt erst um 9 an, weshalb auch die mit weiterem Weg (von Wedel oder Eckernförde (die Wachen der RKiSH, die am weitesten von Heide entfernt sind) zur Akademie nach Heide fährt man schon recht lange) aufnahmefähig schon zu Schulbeginn sind. Die Schule endet entsprechend um 16:30 Uhr, zwischendurch gibt es zwei kurze und eine lange, einstündige Pause. Dies ist zeitlich sehr fortschrittlich, denn frühes anfangen und wenig Pausen gewähren zwar früher Feierabend aber auch weniger effektives Lernen.
Auf der Wache hat man keinen Regeldienstplan als Azubi und evtl unpraktische Dienstzusammenstellungen (wenige Tage zusammenhängend frei, oft nur einzelne) oder macht sogar zu Zeiten, wo wenig Krank und im Urlaub sind Minusstunden, die man dann im Sommer durch Überstunden aufholen muss. Trotzdem geben sich die Arbeitszeitgestalter Mühe und gehen auf einen ein. "Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre!"
In der Klinik, in der man sowieso nur zusätzlich dabei ist (zumindest sollte das so sein), ist man zeitlich sehr flexibel.
Ausbildungsvergütung
Auch wenn ich mir natürlich etwas mehr gewünscht hätte, "Lehrjahre sind keine Herrenjahre!" und die Vergütung ist dank Tarifvertrag fair und vollkommen in Ordnung. Das Gehalt kommt hier selbstverständlich immer vollständig und pünktlich. Ich bin geschockt darüber, dass es bei anderen Rettungsdiensten nicht immer so ist. Darüber braucht man sich bei der RKiSH wirklich keine Gedanken machen.
Die Ausbilder
Ausbilder auf der Lehrrettungswache sind engagiert und kompetent, leider haben die meisten zu viele Azubis unter sich, es gibt schlicht zu wenig Ausbilder / Praxisanleiter.
Die Dozenten an der Akademie sind unterschiedlich. Die meisten geben ihr bestes, einige scheinen aber nur dort, um sich vor den kleinsten Lichtern wichtig machen zu können, andere haben teilweise schlechtes Fachwissen. Andere wiederum sind mit Herz dabei und haben unglaubliches Fachwissen, welches sie super vermitteln.
Größtes Problem: Klinik
Viele offene Fragen sind und werden nicht geklärt, Kommunikation findet quasi gar nicht statt und die Ausbildungsziele in der Klinik werden kaum bis gar nicht gehalten. Die meisten Mitarbeiter der Klinik behandeln die Azubis wie inkompetente Praktikanten und lassen einen die Arbeiten machen, die sie nicht machen wollen (Windeln / Schutzhosen wechseln, sauber machen, etc.), medizinisches wird nur in wenigen Abteilungen gelehrt / geübt, teilweise auch nur wenn man offensiv ist und den Pflegern aus dem Weg geht (dann kann man zusammen mit einigen Ärzten was beigebracht bekommen und anwenden). Hier fehlt auch einfach der Druck der Firma, erhalten die Kliniken viel Geld dafür.
Spaßfaktor
Seit der Umstellung auf ein neues Lernprinzip in der Akademie, welches mehr als unausgereift ist, bringt das Lernen hier nur noch manchmal Spaß.
Die Klinik ist aufgrund der oben genannten Missstände auch nur toll, wenn man an die richtigen Leute kommt, der Rest behandelt einen schlecht. Die Ausbildungsziele, die auch gesetzlich vorgeschrieben sind, sind auch den Führungskräften in der Klinik angeblich nicht bekannt und man muss sich (leider immer wieder vergeblich) versuchen durchzusetzen. Da primär nur die Klinik weniger Spaß bringt, ziehe ich nicht mehr als einen Stern ab.
Bis auf wenige Ausnahmen bringt die Arbeit auf der Rettungswache Spaß. Einige Kollegen behandeln Azubis minderwertig, das ist aber definitiv nicht die Regel. Bei Problemen gibt es aber auch genügend Ansprechpartner, die daran interessiert sind, solche Probleme schnell zu lösen.
Aufgaben/Tätigkeiten
Die Arbeit zuerst als dritter Mann / dritte Frau am Anfang der Ausbildung ist gut, man kann ohne Druck und meistens mit viel Verständnis der Kollegen seine Anamnese, Untersuchung und Maßnahmen lernen, erhält Hilfe und wird nicht sitzen gelassen. Wenn man dann später als zweiter Mann / zweite Frau auf dem RTW fährt, lernt man die Arbeit als vollwertige Kraft und die meisten Kollegen vertrauen einem, sodass sie einem machen lassen, auch wenn es nicht immer so ist, wie sie es sich vorstellten, da sie oft noch anders ausgebildet wurden. Die Kommunikation untereinander stimmt: Ausgebildete und Azubis bringen sich gegenseitig was bei.
Auf einen KTW wird man nur in sehr seltenen Ausnahmefällen gesetzt, man lernt die Arbeit auf dem Rettungswagen.
Missstand ist hier wieder die Klinik, in der die Aufgaben nicht immer dem entsprechen, was geplant ist und in der Ausbildungsverordnung und den Verträgen niedergeschrieben sind. Trotzdem lernt man, wenn man sich engagiert und die richtigen Kollegen findet, eine Menge und kann sich praktisch auf die Arbeit im RTW vorbereiten bzw. Maßnahmen verbessern.
Variation
Die Arbeit im Rettungsdienst ist eine der abwechslungsreichsten von allen.
Respekt
In Schule und Wache wird man (bis auf wenige Ausnahmen, die es wohl überall gibt) respektvoll behandelt, selten wie "der blöde Azubi", viel mehr wie ein richtiger Kollege.
Wieder in der Klinik das bereits erwähnte Problem.