„Ein fairer Partner“ sieht für mich anders aus
Verbesserungsvorschläge
Ich war von Oktober 2025 bis Ende Januar 2026 als Copywriterin im Marketing bei Reuter tätig. Die Zusammenarbeit endete während der Probezeit durch Kündigung des Arbeitgebers.
In der Probezeit festzustellen, dass man nicht zueinanderpasst, ist legitim. Entscheidend ist, wie transparent und professionell mit dieser Entscheidung umgegangen wird. Im Fall Reuter habe ich den Umgang als sehr befremdlich erlebt.
Ich wurde als eine von drei Copywriterinnen eingestellt und war für den neu geschaffenen Newsroom verantwortlich. Im Bewerbungsprozess wurde die Rolle als eigenverantwortliche Stelle mit direktem Austausch zur Geschäftsführung beschrieben. Ziel sei es, Themen selbstständig zu identifizieren und Unternehmensgeschichten zu erzählen.
In den ersten sechs Wochen war ich weitgehend auf mich allein gestellt. Meine direkte Vorgesetzte war in dieser Zeit knapp drei Wochen im Urlaub; eine Vertretung gab es nicht. Auch die anderen Texterinnen hatten kein klares Zielbild für den Newsroom bekommen. Gespräche über Ausrichtung und Arbeitsweise wurden mehrfach angekündigt, jedoch wiederholt verschoben oder nicht geführt – trotz meiner Nachfragen.
Ich entwickelte ein umfassendes Newsroom-Konzept in journalistischer, magazinartiger Ausrichtung. Dieses wurde ausdrücklich gelobt. Kurz darauf erfolgte jedoch ein Richtungswechsel ohne nähere Erläuterung. Statt journalistischer Inhalte standen nun vor allem Produktartikel im Fokus, mit sehr engen Briefings „von oben“. Eigene Ideen umzusetzen oder die vorgegebenen Themen journalistisch aufzubereiten war nicht vorgesehen.
Über rund dreieinhalb Monate erhielt ich durchweg positives Feedback („Ich liebe deine Texte“, „Du triffst die Tonalität der Marke genau auf den Punkt“). Dieses Lob wurde auch vor Kollegen regelmäßig geäußert. Alle meine Texte wurden veröffentlicht. Änderungswünsche betrafen einzelne Wörter oder Passagen, niemals grundlegende Aspekte meiner Arbeit.
Der angekündigte direkte Austausch mit der Geschäftsleitung fand trotz mehrfacher Ankündigung nie statt. Feedback wurde umständlich über mehrere Instanzen weitergegeben. Mögliche Informationsverluste habe ich angesprochen, mich jedoch dem gewünschten Ablauf angepasst.
Fachliche Kritik blieb vage („Der Text braucht mehr Feenstaub“, „Die Passage klingt zu sehr wie ein Dschinni aus der Flasche“). Meines Wissens nach wurde nur ein einziger Text „von oben“ abgelehnt – obwohl er zuvor intern von meiner direkten Vorgesetzten lobend freigegeben wurde. Begründung: persönliches Nichtgefallen. Konkrete fachliche Verbesserungshinweise gab es nicht.
Ein geplantes Probezeit-Feedbackgespräch wurde zweimal abgesagt, einmal ohne Information, sodass ich vor einem leeren Büro stand. Ein strukturiertes Entwicklungs- oder Kritikgespräch fand zu keinem Zeitpunkt statt.
Die Kündigung kam daher überraschend. Im Kündigungsgespräch hieß es, meine Arbeit sei „nicht journalistisch genug“ und ich sei fachlich „nicht so weit, wie man es sich erhofft habe“; dies habe sich „seit langer Zeit“ abgezeichnet. Diese Einschätzung stand für mich im deutlichen Widerspruch zu den zuvor regelmäßig positiven Rückmeldungen. Im Bewerbungsprozess war zudem betont worden, dass es sich um ein neues Projekt mit offener Entwicklung handle und eine längere Einarbeitungsphase eingeplant sei.
Was ich insgesamt als besonders problematisch erlebt habe, war die Kombination aus fehlender klarer Kommunikation, ausbleibendem konstruktivem Feedback und einer Trennungsbegründung, die zuvor weder offen adressiert noch zur Verbesserung gestellt wurde.
Bewerberinnen und Bewerbern empfehle ich, insbesondere bei neu geschaffenen Rollen sehr konkret nach tatsächlichen Entscheidungswegen, Feedbackkultur und gelebtem Führungsstil zu fragen und sich nicht allein auf die Darstellung im Bewerbungsprozess zu verlassen.
Arbeitsatmosphäre
Es fehlten Transparenz, Fairness und Vertrauen. Entscheidungen wurden häufig getroffen, ohne Hintergründe oder strategische Überlegungen nachvollziehbar zu erläutern.
Im Bewerbungsprozess wurde betont, man wünsche sich kreative Mitarbeitende, die neue Ideen einbringen und nicht nach dem Motto „Das haben wir schon immer so gemacht“ arbeiten. In der Praxis hatte ich jedoch den Eindruck, dass neue Ansätze kaum Raum fanden und überwiegend an bestehenden Mustern festgehalten wurde.
Zudem wurden Vorhaben oder Gespräche mehrfach angekündigt, jedoch nicht umgesetzt.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten waren sehr starr geregelt. Flexible Lösungen für private Termine wie Arztbesuche oder Handwerker waren nach meinem Eindruck kaum vorgesehen. Homeoffice war nicht möglich.
Insgesamt habe ich das Arbeitsumfeld als wenig familienfreundlich erlebt. Wer unmittelbar nach Ende der Kernzeit ging, obwohl die vertraglichen Stunden erfüllt waren, musste aus meiner Wahrnehmung mit abwertenden Kommentaren rechnen. Das empfand ich als wenig wertschätzend.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein erkennbares Umweltbewusstsein habe ich nur eingeschränkt wahrgenommen. Für Mitarbeitende wurden regelmäßig kleine PET-Wasserflaschen bereitgestellt, was aus meiner Sicht zu unnötigem Plastikverbrauch führte. Nachhaltigere Alternativen schienen nach meinem Eindruck keine Rolle zu spielen. Insgesamt hatte ich nicht den Eindruck, dass ökologische Aspekte im Arbeitsalltag eine besondere Priorität hatten.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Team war insgesamt sehr angenehm. Kolleginnen und Kollegen waren hilfsbereit und offen, Fragen wurden jederzeit beantwortet und Unterstützung war selbstverständlich.
Gemeinsame Mittagspausen, Spaziergänge oder kurze Gespräche zwischendurch sorgten für eine freundliche Atmosphäre. Man fühlte sich schnell willkommen und gut aufgenommen. Der kollegiale Umgang miteinander hat den Arbeitsalltag spürbar erleichtert.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten meiner direkten Vorgesetzten habe ich nicht als professionell und wertschätzend erlebt. In einem Gespräch über meine mögliche Teilnahme an einer freiwilligen Veranstaltung am Samstagabend, bei der ich aufgrund meines zweijährigen Kindes noch keine verbindliche Zusage geben konnte, wurde mir sinngemäß nahegelegt, „die richtigen Prioritäten“ zwischen Beruf und Familie zu setzen.
Zudem kam es vor, dass mein gesundheitlicher Zustand vor dem Team abfällig kommentiert wurde. Der Gebrauch derber Sprache gehörte zum Alltag.
Auch Bemerkungen gegenüber einer schwangeren Kollegin empfand ich als unangemessen. Insgesamt habe ich den Führungsstil als wenig reflektiert und nicht vorbildlich wahrgenommen.
Arbeitsbedingungen
Der Arbeitsplatz war technisch gut ausgestattet und die notwendige Hardware stand zur Verfügung.
Die räumlichen Bedingungen habe ich jedoch als belastend empfunden. Das Großraumbüro war sehr laut, was konzentriertes Arbeiten erschwerte. Zudem war es häufig sehr kalt, unter anderem durch die Lüftung sowie zeitweise nicht ausreichend funktionierende Heizung. Insgesamt habe ich die Arbeitsumgebung daher nur eingeschränkt als angenehm erlebt.
Kommunikation
Die interne Kommunikation habe ich als wenig transparent erlebt. Entscheidungen wurden ohne nähere Erläuterung an das Team weitergegeben.
Zudem kam es oft vor, dass Prioritäten kurzfristig geändert wurden. Aufgaben, die an einem Tag umgesetzt werden sollten, wurden am nächsten wieder verworfen oder durch neue Vorgaben ersetzt. Diese fehlende Klarheit erschwerte eine strukturierte und planbare Arbeitsweise erheblich.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben habe ich überwiegend als wenig gestaltbar erlebt. Im Bewerbungsprozess wurde betont, dass eigenständiges Arbeiten und kreative Ideen ausdrücklich erwünscht seien. In der Praxis beschränkte sich die Tätigkeit jedoch weitgehend auf die Umsetzung klar vorgegebener Inhalte.
Eigene konzeptionelle Ansätze oder weiterführende Ideen fanden nach meinem Eindruck kaum Berücksichtigung. Dadurch entstand für mich eher der Eindruck von „Dienst nach Vorschrift“ als von inhaltlicher Mitgestaltung.