Zwischen moderner Ausstattung und veralteter Führungskultur
Verbesserungsvorschläge
Anspruchsvolle Aufgaben in einem modernen Umfeld treffen auf eine sehr hierarchische, teils respektlose Kommunikation der Geschäftsleitung und starre Strukturen. Wer ein "dickes Fell" hat und keine Flexibilität benötigt, findet hier einen stabilen Arbeitsplatz mit guter Verpflegung. Für moderne Führungskräfte oder Eltern ist das Umfeld jedoch eine Herausforderung.
Tipps an die Geschäftsleitung:
Führungstraining: Ein respektvoller Umgangston auf Augenhöhe sollte Standard sein, keine Willkür.
Flexibilität: Einführung von Homeoffice-Optionen und Vertrauensarbeitszeit, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.
Prozesse: Verantwortlichkeiten (Teamlead-Rolle) klar definieren und die entsprechenden Befugnisse auch tatsächlich übertragen.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung im Team ist stark personenabhängig. Während das Miteinander unter den Kollegen phasenweise sehr offen und fast euphorisch war, wurde die Atmosphäre durch einzelne Personen und einen sehr „derben“ Humor (bis hin zu Grenzüberschreitungen und Herabwürdigungen von Teilzeitkräften) belastet. Konflikte werden selten offen geklärt, sondern eher „ausgesessen“. Die Feedbackkultur der Geschäftsleitung empfand ich als einschüchternd und wenig konstruktiv; Termine mit der Führungsebene fanden oft in großer Runde statt und waren von Vorwürfen statt von Lösungsansätzen geprägt.
Kommunikation
Die Kommunikation der Geschäftsleitung und der Marketingleitung empfand ich als wenig transparent und teilweise widersprüchlich. Anweisungen waren oft ad hoc, während man gleichzeitig für mangelnde Vorbereitung gerügt wurde, wenn Informationen kurzfristig flossen. In 1:1-Gesprächen fühlte ich mich eher „ausgehorcht“ als in meiner Entwicklung unterstützt. Ein offener Ideenaustausch wurde teilweise vor versammelter Mannschaft ins Lächerliche gezogen.
Work-Life-Balance
Trotz Gleitzeit-Versprechen ist das System sehr starr und kontrollorientiert. Homeoffice ist praktisch nicht existent, selbst bei triftigen Gründen (Handwerker) wird eine sofortige Rückkehr ins Büro erwartet. Die Arbeitszeiten sind wenig familienfreundlich. Arzttermine oder private Verpflichtungen sind nur schwer zu integrieren. Teilzeitmodelle wurden in meiner Position kategorisch abgelehnt.
Zudem ist das Zeitmodell eine Mogelpackung. Der frühe Feierabend am Freitag (14 Uhr) muss von Montag bis Donnerstag durch Mehrarbeit erkauft werden. Das führt dazu, dass Mitarbeiter teilweise Zeit "absitzen", ohne produktiv zu sein, nur um die starren Vorgaben der Zeiterfassung zu erfüllen. Echte Flexibilität sieht anders aus.
Vorgesetztenverhalten
Hier herrscht ein patriarchaler Stil, der fachliche Expertise missachtet. Aussagen wie „Mädel, wie kannst du dir das merken?“ gegenüber einer erfahrenen Führungskraft oder die öffentliche Bloßstellung einer schwangeren Kollegin („Schwangerschaftsdemenz“) spiegeln ein Menschenbild wider, das nicht mehr zeitgemäß ist. Kritik wurde oft persönlich und herabwürdigend geäußert („Jetzt weiß ich, warum ich so fehlerhafte Arbeit bekomme“), oft vor versammelter Runde, ohne fachliche Hilfestellung zur Verbesserung zu geben.
Interessante Aufgaben
Das Aufgabengebiet im Grafik-Design ist spannend, wird aber durch Kompetenzgerangel erschwert. Als Teamlead war es schwierig, operative Kontrolle zu erlangen, da Befugnisse (z. B. JIRA-Hoheit) trotz Zusage nicht übertragen wurden. Man wird in der Rolle zwar verantwortlich gemacht, aber nicht handlungsfähig auf Augenhöhe gelassen.
Gleichberechtigung
Im Recruiting werden kritische Fragen zum Privatleben gestellt („Was machen Sie, wenn das Kind krank ist?“).
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Nachhaltigkeit steckt noch in den Kinderschuhen (hoher Plastikverbrauch durch 0,5l PET-Flaschen, fehlende Mülltrennung).
Gehalt/Benefits
Hier gibt es nichts zu beanstanden: Das Gehalt war sehr gut, fair und wurde immer absolut pünktlich gezahlt.