Ich rate jedem dringend davon ab, hier Studioleiter zu werden.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Tatsächlich schwer zu sagen, obwohl ich mein Studio immer sehr geliebt habe. Einige Kollegen aus der Zentrale sind sehr korrekt, vor allem ein bestimmter in der IT ;-). Ansonsten fällt mir ehrlichgesagt nichts ein, obwohl ich gerne etwas sagen würde.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Alles oben genannte und mehr.
Verbesserungsvorschläge
Fixt eure Führungsriegen. Manche stellen habt ihr mit Leuten besetzt, die zwar sicher gute Studioleiter waren, aber von der Führung von Führungskräften keine Ahnung haben. Passt euer Gehalt an. Wir wissen alle, dass das für die Verantwortung, die man als Studioleiter trägt und für die Aufgaben, die monatlich mehr werden absolut unzureichend ist. Ich würde mir wirklich wünschen, das ihr die Metaebene mit euren angestellten erreicht und seht, dass ihr links und rechts gute Mitarbeiter verliert, weil die Führung nicht passt.
Arbeitsatmosphäre
Wir müssen bei folgenden Punkten klar unterscheiden: Die Atmosphäre im Studio macht man sich selbst. Ich bewerte hier und in allen folgenden Punkten die Atmosphäre, die von Bezirksleitern und deren Führungskräften erzeugt wird.
Absolut Eklig. Für Erfolge wird man nicht gelobt, das ist ja selbstverständlich. Man ist ja schließlich dafür eingestellt worden. Bei Fehlern o.ä. geht man aber direkt Vollgas rein. Ich wurde in meiner "Einlernphase" so gut wie überhaupt nicht in relevante Prozesse eingearbeietet. Man beschwert sich nur gerne hinterher, warum der SL es nicht besser weiß.
Image
Früher besser, jetzt nicht mehr Existent. Mit dem bedauerlichen Tod des Gründers der RSG-Group ging das ganze den Bach runter.
Work-Life-Balance
Gibt es nicht. Wenn ein Mitarbeiter um 4 Uhr nachts anruft und sich für den selben Tag um 9 Uhr morgens krank meldet, dann wird vom Studioleiter erwartet, dass er die Schicht übernimmt. Oft auch wenn das bedeutet, dass der Studioleiter 10 Stunden oder mehr täglich arbeitet. Ist ja selbstverständlich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Gibt es nicht. Mülltrennung ist von Unternehmerseite nicht vorgesehen. Alles wird in riesigen Pappkartons mit Einweg-Palette bestellt, die teilweise nur zur Hälfte gefüllt sind. So gut wie alle der Artikel, die man bekommt, sind mit Plastik verschweißt. Diese Verpackung muss dann wieder entsorgt werden. Jeden Tag sind 2 große Kartons mit Papier und Plastikmüll gefüllt.
Karriere/Weiterbildung
Weiterentwicklung kannst du vergessen, wenn du hier arbeitest. Man ist laut Aussagen meines BL's "Studioleiter und weiter geht es dann auf unabsehbare Zeit nicht".
Oder man kann hoffen, dass in einer Dekade der Bezirksleiter sich dazu entscheidet seinen Job an den Nagel zu hängen. Selbst dann entscheidet hier aber die Sympathie, ob man den Beruf bekommt, oder nicht. Wenn man jemand ist, der Missstände offen anspricht, dann hat man keine Chance.
Kollegenzusammenhalt
Unter den SL's gut. Es trauen sich leider nicht alle, bei Missständen ihren Mund aufzumachen. Wenn man das tut, ist man beim BL unten durch.
Vorgesetztenverhalten
Katastrophal. Man hat den letzten Absatz des bekannten Mottos auf jeden Fall verinnerlicht, nur vergisst man definitiv dabei das Zuckerbrot. Es wird nur auf dir rumgehackt wenn du Fehler machst. Eine Führungskraft, die Führungskräfte führt, sollte analysieren, entwickeln und nachsteuern. Nicht sich permanent über Missstände aufregen, für die der Studioleiter in vielen Fällen nicht mal etwas kann. Dir gegenüber zeigt sich der BL immer als nett und freundlich, hinter deinem Rücken erzählt er bei den anderen SL aber, was ihm an dir nicht gefällt. Wenn man ihn dann darauf anspricht, wird behauptet "Das habe ich nie gesagt" - vermutlich um sich rechtlich nicht angreifbar zu machen. Man könnte ja verkabelt sein und alles mithören lassen.
Arbeitsbedingungen
Gottlos. "Neuster Stand der Technik" ist hier das letzte Wort, das ich benutzen würde. Die Studio PC's sind veraltet. Wenn man neue bei der IT bestellt, bekommt man genau die selben 100€ Amazon PC's, die nach kurzer Zeit wieder den Geist aufgeben. Ständig geht irgendetwas kaputt, weil man bei Reparaturmaßnahmen spart und das deshalb mehr als ein Mal machen muss. Es geht nicht darum, das Problem nachhaltig zu lösen. Es geht darum, so wenig Geld wie möglich auszugeben.
Kommunikation
Meetings werden unregelmäßig gehalten, wenn der BL Lust darauf hat. Diese Meetings bestehen zum Großteil daraus, jeden Monat unnötige Aufgaben zu verteilen, die aus keiner Perspektive Sinn ergeben, oder daraus, auf Fehlern der Studioleiter herumzuhacken. Lob findet man wenn nur backhanded als "Etwas anderes habe ich nicht von euch erwartet".
Gehalt/Benefits
Wird einem gerne als "extrem viel und das beste in der Branche" verkauft, ist es aber nicht. Unter den kommerziellen Industriegiganten vielleicht. Inhabergeführte Studios zahlen DEUTLICH besser. Wenn man die Verantwortung in Betracht zieht, die man zusätzlich noch trägt, bzw. die ganzen Aufgaben, die man zu erfüllen hat wird das Bild noch viel deutlicher. Niemand wird für einen den Kopf hinhalten, wenn etwas in deinem Kompetenzbereich passiert. Das sollte entsprechend entlohnt werden. Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es nicht. Fairerweise gibt es eine Personal-Trainer Provision, die du aber auch erst ab 2 eingemieteten PT's bekommst. Wenn du also ein kleines Studio hast, in dem es sich einfach für PT's nicht lohnt sich einzumieten, schaust du in die Röhre. Kostenlose Parkplätze Firmenseitig gab es bei mir nicht. Ich hatte die Möglichkeit, in der Tiefgarage zu Parken und dann 3€ / Stunde zu bezahlen, damit ich zur Arbeit kommen darf. Im Umfeld einer Großstadt findet man ansonsten nur mit Glück Parkplätze.
Interessante Aufgaben
Die macht man sich selbst. Wobei, nein. Wehe man wagt sich, einen Vorschlag einzubringen, der über den eigenen Kompetenzbereich hinausgeht. Das wird mit "Kehr erstmal vor deiner eigenen Haustüre" quittiert, auch wenn der Vorschlag absolut berechtigt ist. Jeder fühlt sich in seinen Kompetenzen angegriffen, absolut toxisches Arbeitsklima.

