Modernes Branding trifft toxische Realität
Gut am Arbeitgeber finde ich
Mitarbeiterwünsche werden zuverlässig gehört und anschließend dauerhaft ignoriert.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Fluktuation ist hoch – und das nicht ohne Grund. Viele gute Leute suchen sich irgendwann eine andere Stelle, weil sie keine Lust mehr auf interne Machtspiele, den Umgangston oder die allgemeine Kultur haben. Seit Jahren wird außerdem von Benefits gesprochen. Fragt man konkret danach, bekommt man teilweise eher genervte Reaktionen als tatsächliche Antworten.
Unterm Strich: viel Image, viel Selbstinszenierung, viel Gerede über Kultur – und intern leider erstaunlich wenig davon zu spüren.
Verbesserungsvorschläge
Von echter Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen kann aus meiner Sicht kaum die Rede sein. Häufig wirkt es eher so, als müsse sich jede Abteilung selbst retten und möglichst gut dastehen – völlig unabhängig davon, ob das Gesamtprojekt am Ende erfolgreich ist oder der Kunde zufrieden. Die Qualität der Projekte hat meiner Wahrnehmung nach über die letzten Jahre massiv nachgelassen. Dass dabei auch größere Kunden abgesprungen sind, scheint intern trotzdem keine grundlegende Kurskorrektur ausgelöst zu haben.
Stattdessen wird am Hauptstandort auch schon mal Champagner geöffnet und Häppchen serviert, sobald die Führungsebene glaubt, dass die Monatszahlen irgendwie passen. Warum genau gefeiert wird, während operativ vieles brennt, bleibt dabei manchmal ein kleines Rätsel.
Arbeitsatmosphäre
Die Unternehmenskultur habe ich als toxisch erlebt. Intrigen, unterschwelliger Psychoterror und ein extrem unkollegialer Umgang waren aus meiner Sicht keine Ausnahme, sondern Teil des Alltags.
Besonders problematisch: Spricht man konkrete Vorfälle oder wiederkehrende Verhaltensmuster an, wird gerne so reagiert, als würde man sich Dinge einbilden oder Situationen falsch wahrnehmen. Klassisches Gaslighting. Verbessert wird dadurch nichts. Im Gegenteil hatte ich mehrfach den Eindruck, dass auf unbequeme Personen anschließend noch gezielter eingewirkt wurde, bis diese irgendwann gingen oder länger ausfielen. Dass es mehrere Kollegen mit Langzeit-Arbeitsunfähigkeit gab und Mobbing intern immer wieder Thema war, passt leider sehr gut zu diesem Gesamtbild.
Gehalt/Benefits
Haha, es werden die Obstkörbe an Standorten gestrichen… Obstkörbe.
Von den seit drei Jahren versprochenen Benefits ganz zu schweigen.
Arbeitsbedingungen
Projekte werden teilweise verkauft, ohne vorher ernsthaft mit den Abteilungen zu sprechen, die sie anschließend tatsächlich umsetzen müssen. Design, Entwicklung und Projektmanagement dürfen dann extrem knapp kalkulierte Projekte ohne realistischen Puffer retten. Fehler dürfen eigentlich nicht passieren, obwohl die Voraussetzungen dafür bereits bei Verkauf und Planung geschaffen wurden. Als Projektmanager sitzt man anschließend zwischen Kunde, Entwicklung, Design und teilweise vollkommen kompromissresistenten Abteilungen und soll das Ganze irgendwie zusammenhalten.
Gleichberechtigung
Nach außen gibt man sich hip, offen, tolerant und divers. Intern wirkt vieles deutlich weniger modern.
Abwertende Aussagen aus der Geschäftsführung, sorry CEO! (wird vom Gf bevorzugt) zu LGBTQ-Themen passen jedenfalls null zu dem Bild, das man öffentlich vermitteln möchte.
Natürlich kann man über die Gründe dafür nur spekulieren. Die Diskrepanz zwischen Image und Realität war allerdings schwer zu übersehen.

