Potential vorhanden – Führungskultur entscheidend
Gut am Arbeitgeber finde ich
Strukturiertes Onboarding, regelmäßige Events und eine grundsätzlich gute Unternehmensstruktur. Die Arbeitsbedingungen und Ausstattung waren sehr gut. Der Kollegenzusammenhalt war trotz schwieriger Umstände hervorragend.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Führungskultur, die weder Wertschätzung noch konstruktives Feedback kennt. HR als Korrektiv hat nicht funktioniert. Schwangerschaft wurde als Karrierehindernis behandelt, anstatt gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Verbesserungsvorschläge
Führungskräfte sollten nicht nur nach oben koordinieren, sondern aktiv in die Entwicklung der Mitarbeitenden investieren. HR muss als echte Anlaufstelle funktionieren, auch wenn eigene Termine anstehen. Außerdem sollte Schwangerschaft in einem Unternehmen, das sich Diversität auf die Fahne schreibt, kein "Kündigungsgrund" und kein Argument gegen berufliche Ambitionen sein.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre war stark von der Führungskraft geprägt und leider selten positiv. Wertschätzung für geleistete Arbeit fehlte weitgehend. Kritik oder Feedback führten regelmäßig zu eskalierenden Diskussionen statt zu einem konstruktivem Austausch. Das Team hat das gemeinsam getragen und füreinander einen guten Ausgleich geschaffen, aber die Grundstimmung war dauerhaft belastet.
Kommunikation
Unternehmensweit wurde viel und transparent kommuniziert, was positiv war. Auf Teamebene war konstruktiver Austausch mit der Führungskraft jedoch kaum möglich. Rückmeldungen wurden selten angenommen und Gespräche liefen oft ins Leere. Auffällig war der Kontrast bei abteilungsübergreifenden Themen: Dort artete das Engagement der Führungskraft regelmäßig in unverhältnismäßigen Aktionismus aus, anstatt durchdacht oder strategisch vorzugehen.
Kollegenzusammenhalt
Der eindeutige Lichtblick. Das Team hat unter schwierigen Umständen sehr gut zusammengearbeitet und sich gegenseitig unterstützt. Ohne diesen Zusammenhalt wäre vieles deutlich schwerer gewesen.
Work-Life-Balance
Gleitzeit und flexible Strukturen waren vorhanden und wurden auch gelebt. Abzug gibt es für deutlich zu viele und teils unnötige Meetings, die die Arbeitszeit merklich belastet haben.
Vorgesetztenverhalten
Das war der größte Kritikpunkt. Wertschätzung für übernommene Verantwortung oder geleistete Arbeit gab es kaum. Als ich das Thema Weiterentwicklung in Richtung Senior ansprach, kam als einzige Reaktion "Ich sehe dich" und das Gespräch war damit beendet. Für fachliche Unterstützung oder Aufgabenentwicklung sah die Führungskraft sich nicht zuständig. Kritik wurde prinzipiell nicht angenommen, sondern mündete regelmäßig in nicht zielführenden Debatten.
Als ich HR um Unterstützung bat, blieb es bei einem Gespräch ohne konkrete Schritte, woraufhin kurz darauf die Ansprechperson nicht mehr verfügbar war.
Trotz befristetem Vertrag wurde mir lange in Aussicht gestellt, bleiben zu können. Als ich dann jedoch schwanger wurde, wurde das Arbeitsverhältnis schnell abgewürgt. Mir wurde zwar ein Projekt angepriesen und betont, wie viel die Führungskraft für mich getan hätte, ein konstruktives Gespräch darüber, ob es trotz Schwangerschaft Möglichkeiten gibt im Unternehmen zu bleiben, war jedoch nicht möglich. Die Kernaussage war klar: Aufgrund "meiner aktuellen Umstände" gehe das nicht.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren solide, aber wenig entwicklungsfördernd. Ich wurde als Midlevel für eine Senior-Stelle eingestellt, was vorher nicht transparent kommuniziert wurde. De facto habe ich Senior-Aufgaben übernommen und erfüllt und darüber hinaus weitaus mehr Aufgaben als ursprünglich abgesprochen, was jedoch weder anerkannt noch gewürdigt wurde. Ambitionen, das inhaltlich weiterzuentwickeln oder fair einzustufen, gab es seitens der Führung nicht.
Gleichberechtigung
Das Unternehmen wirkt grundsätzlich divers aufgestellt. Der Umgang mit meiner Schwangerschaft hat jedoch ein anderes Bild gezeichnet: Berufliche Ambitionen wurden mit Verweis auf zukünftige familiäre Verpflichtungen systematisch abgeblockt. Das hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier gab es nichts auszusetzen.
Arbeitsbedingungen
(IT-) Ausstattung und Infrastruktur waren sehr gut.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Durchschnittlich, kein besonderer Fokus in diesem Bereich.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war grundsätzlich okay. Allerdings fehlten klare Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, was auch im Zusammenhang mit dem Einstieg auf einem zu niedrigen Level stand. De facto wurde Senior-Arbeit auf Midlevel-Niveau vergütet, ohne dass das je korrigiert worden wäre. Auf Nachfrage wurde die Verantwortung dafür stets an HR weitergegeben, mit dem Eindruck, dass die Führungskraft zwar Einsatz und Engagement einforderte, bei konkreten Konsequenzen wie Einordnung im Gehaltsband oder Weiterentwicklung jedoch nichts in der eigenen Hand liegen würde. So gab es im Team auch Unterschiede hinsichtlich einer jährlichen Bonuszahlung.
Image
Innerhalb der Sparkassenwelt ist das Unternehmen bekannt und hat einen gewissen Stand. Nach außen, im allgemeinen Arbeitsmarkt, dürfte die Bekanntheit jedoch begrenzt sein.
Karriere/Weiterbildung
Karriereentwicklung fand in meinem Fall nicht statt. Entwicklungswünsche wurden nicht ernst genommen. Es wurde viel geredet, aber konkrete Maßnahmen gab es keine. Wer hier einsteigt und Wachstum erwartet, sollte das vorab sehr genau klären. Ich denke, dass es auch anders laufen kann, da unternehmensweit schon auf Entwicklung geachtet wurde.

