Naja ...
Gut am Arbeitgeber finde ich
Mit großer Freude habe ich fünfundzwanzig Jahre lang (von dreißig) dort gearbeitet, wenn auch mit sehr bescheidener Vergütung.
Man ließ mich machen und ich machte es gut.
So lange ich Einfluß darauf hatte, stimmten meine Umsatzzahlen.
Das mir entgegenbebrachte Vertrauen wusste ich immer zu schätzen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Einen langjährigen, zuverlässigen, sich nichts zu Schulden kommen lassenden Mitarbeiter ohne Gespräch, nicht einmal mit persönlicher Schlüsselrückgabe nach dreißig Jahren Betriebszugehörigkeit regelrecht abzuservieren und nicht zu verbergen, dass man froh ist ihn los zu sein ...
... ist nicht die feine Art.
Verbesserungsvorschläge
Der Umgang mit Firmenangehörigen könnte überdacht werden.
Gesprochene Worte könnten erst einmal den Denkprozess durchlaufen.
Vielleicht können sogar einmal die Einschätzungen der erfahrenen Mitarbeiter angehört, bedacht werden. Die sind nämlich nicht alle im Geiste bescheiden.
Auch so manche Anweisung könnte erst einmal überdacht werden bevor sie die Geschäftsleitung in die Unglaubwürdigkeit zieht.
Widersprüche in Anweisungen und eigenem Handeln sollten ausgeräumt werden.
Die Abschaffung der Filialleiter- Mitentscheidung über das Sortiment der Filiale ist nicht unbedingt eine gute Idee. Die Erfahrung der leitenden Angestellten in ihrer Region ist "Gold wert". Vielleicht hört man doch einmal auf die Untergebenen.
Arbeitsatmosphäre
Die Firma setzt sich aus einem Großhandel und mehreren Einzelhandelsgeschäften zusammen.
In "meiner" mir über mehrere Jahrzehnte anvertrauten Filiale gab es ein überwiegend selbständiges, angenehmes Arbeiten. Das änderte sich nach dem Generationenwechsel in der Geschäftsführung.
Seit dem Wechsel der Geschäftsleitung von der Senior- in die Juniorgeneration konnte ich einen stetigen Verfall der "Fürsorgepflicht" des Arbeitgebers gegenüber den Angestellten am eigenen Leib erfahren.
Desöfteren gab es Anweisungen der Geschäftsleitung, deren Sinn ich nicht nachvollziehen konnte, was Widersprüche im Geschäftsgebaren offenbarte, unnötige Arbeitsschritte und Unruhe in den laufenden Betrieb brachte.
Mehrmals, bei meinen Aufenthalten in der Zentrale zweimal jährlich, wurde ich Zeuge lautstarker und "giftiger" Anfeindungen zwischen den Inhaberfamilienmitgliedern.
Ein langjähriger Kollege kommentierte meinen entsetzten Blick mit: "Das gibt`s hier öfter. Grausig. Das Arbeiten hier macht keine Freude mehr."
Image
Tja, das Image dieser Firma.
Was innen geschieht oder nicht geschieht, dringt kaum nach aussen.
Als die Seniorgeneration "am Ball" war, war es anders.
Es kamen menschliche Gesten, ab und zu ein Lob, Anerkennung.
Wenn auch nicht unbedingt finanzieller Art.
Nach aussen wird gern das Engagement in der Kindernothilfe angeführt und auch mehrere Patenschaften , z.B über indische Kinder.
Damit lässt sich ein gutes Bild schaffen.
Aber eigentlich habe bestimmt nicht nur ich dieses Engagemnet finanziert, sondern mit Sicherheit auch weitere Mitarbeiter dieses Unternehmens, indem sie zu beschämend schäbigen Löhnen arbeiteten oder es immer noch tun.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Über den Umweltgedanken des Unternehmens mache ich mir so meine eigenen Gedanken.
Nur ein kleines Beispiel, was die Widersprüchlichkeit (in vielen Bereichen) zeigte: Gesetzlich vorgeschrieben wurden die Plastiktüten abgeschafft und durch Papiertüten ersetzt.
(Was ich in "meiner" Filiale bereits Jahre früher abschaffte. Bei uns gab es von mir genähte Leihbeutel aus Stoff, für die Kunden, die keinen eigenen Beutel mit hatten. Das hat bestens geklappt.)
Die Plastiktüten waren also gesetzlich abgeschafft und zeitgleich bekam ich die Anweisung, die Stoffreste nicht nur wie bisher mit einem Papierschild zu versehen, sondern zusätzlich mit durchsichtiger Folie zu umwickeln. Dem widersetzte ich mich.
Die vielen Stoffe zweifelhafter Herkunft ...
Die vielen Stoffe, die Mikropartikel abgeben, wie Pannesamt ...
So wenig biozertifizierte Stoffe ...
...
...
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung???
Vorgesetztenverhalten
Von klaren Zielen oder Strategien keine Spur.
Die Krönung des miserablen Verhaltens der Geschäftsleitung war deren Handhabung bezüglich der Schließung "meiner" Filiale (aufgrund rückläufiger Umsätze seit Corona) und was in Folge dessen mit mir passieren sollte.
Die bevorstehende Schließung kam mir vom Vermieter des gekündigten Ladenlokals zu Ohren und erst Wochen später suchte ein Mitglied der Geschäftsführung das Gespräch mit mir.
Das fand mitten im Ladenlokal im Stehen statt.
Deutlicher konnte man mir mangelnde Wertschätzung und Gleichgültigkeit nicht zeigen.
Auch als ich die angebotene Versetzung in eine für mich zu weit entfernte Filiale ausschlug und meine Kündigung nach dreißig Jahren Betriebszugehörigkeit einreichte, holte die andere Hälfte der Geschäftsleitung auch zu einem Schlag in die Magengrube aus, nämlich mit dem erfreuten Kommentar: "Ja, gern."
Vergessen und waren wohl die vielen Jahre, in denen ich die mir anvertraute Filiale erfolgreich führte und viele Dinge erledigte, die eigentlich nicht in meine Zuständigkeit gehörten, aber der Geschäftsleitung das Leben erleichterte.
Arbeitsbedingungen
Wenn man vom maroden Zustand des Ladenlokals, seit zwanzig Jahren nicht renovierten Räumlichkeiten, fehlendem Computer und sonstigen Kleinigkeiten absieht ...
gute Arbeitsbedingungen, was die direkten Kollegen, die fast durchweg lieben Kunden betrifft.
Damit ich z. B. ordentlich Ware bestellen konnte, nahm ich meinen privaten Laptop mit zur Arbeit.
Um der Geschäftsleitung bei der Inventur die Arbeit zu erleichtern, wurde erwartet, dass man mit eigenen Geräten alles Gezählte in bestimmte Listen einträgt und sich auch die Kenntnisse dazu in seiner Freizeit aneignet.
Schulungen über Produktneuheiten gab es nie.
Kündigte eine Kollegin wurde in den letzten Jahren kein Ersatz eingestellt.
Sehr schwierig war es seit Corona zu bewerkstelligen mit nur einer ungelernten Aushilfe ein Einzelhandelsgeschäft mit dem von mir erarbeiteten Ruf der kompeteten Beratung zufriedenstellend zu führen.
Kommunikation
Ging es um "normale" Belange des Geschäftsbetriebes war die Kommunikation gut, Anliegen wurden schnell bearbeitet.
Menschlich mehr oder weniger anspruchsvolle Situationen allerdings wurden teils haarsträubend abgekanzelt.
Gehalt/Benefits
Mein Gehalt war mehr als bescheiden und erst mit dem Gesetz zum Mindestlohn bekam ich meine längst geforderte und abgeschmetterte Gehaltserhöhung. Nämlich den Mindestlohn.
Warum ich als Filialleitung zum "Hungerlohn" drei Jahrzehnte in diesem Unternehmen blieb, hat persönliche Gründe.
Interessante Aufgaben
Eigentlich müsste ich alle fünf Sterne vergeben, denn meine Aufgaben im Filialbetrieb waren abwechslungsreich. Ich habe dieses kleine Geschäft geliebt und sehr gerne dort gearbeitet.
Die Geschäftsleitung war weit weg und verließ sich auf mein Können.
Viele, viele Jahre zu Recht.
Da es hier um die Arbeitgeberbewertung geht, vergebe ich dennoch nur einen Stern. Ein Zug der Gerechtigkeit der Punkteverteilung, denn ich musste bereits Sterne vergeben, wo der Arbeitgeber keinen verdiente.