Die Schnaidt GmbH – Segel gesetzt auf Profit, während die Mannschaft über Bord geht
Gut am Arbeitgeber finde ich
Gut am Arbeitgeber finde ich:
Dass mir die Entscheidung zur Kündigung abgenommen wurde und ich meine Loyalität sowie meine Liebe zu den Produkten nun an ein Unternehmen weitergeben kann, das dies wertschätzt und meine Freude an den Produkten teilt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Schnaidt GmbH ist ein traditionsreiches Unternehmen mit soliden Produkten und vielen Mitarbeitern, die über Jahre hinweg mit großem Einsatz, Fachwissen und Herzblut gearbeitet haben. Diese Loyalität hätte mehr Anerkennung verdient. Seit dem Verkauf durch den Firmengründer hat sich jedoch für viele das Gefühl verstärkt, dass man als Mitarbeiter nur noch eine Nummer ist und leicht ersetzt werden kann.
Die Entscheidungen der aktuellen Inhaber wirken stark von Zahlen und kurzfristigen Vorteilen getrieben. Der Standort Köln wurde nach einem Monat Kurzarbeit geschlossen, während die Maschinen an einen anderen Produktionsstandort verschickt wurden um dort weiter für den Hauptsitz zu produzieren – mit älteren Maschinen und Personal, das erst eingearbeitet werden muss. Alle Mitarbeiter erhielten dieselbe, eher niedrige Abfindung, unabhängig davon, ob sie ein Jahr oder dreißig Jahre im Unternehmen waren. Angebote für den Hauptsitz gab es nicht, obwohl dort regelmäßig Stellen frei werden. Selbst schwerbehinderte Kollegen waren betroffen, obwohl man mit Homeoffice-Lösungen hätte Alternativen schaffen können.
Auch im Alltag zeigt sich der Fokus auf Kontrolle: Rückkehrergespräche nach jeder Krankmeldung – selbst bei lange vorher angekündigten Arztterminen – und eine sehr strenge Personalführung. All das hinterlässt den Eindruck, dass es nicht um Vertrauen, sondern um Kontrolle und Zahlen geht.
Fazit: Bewerber sollten wissen, dass Effizienz und Kostensenkung Vorrang haben. Mitarbeiter und Kunden sollten sich darüber im Klaren sein, dass Tradition und Qualität zwar vorhanden sind, aber zunehmend von rein wirtschaftlichem Denken überlagert werden.
Verbesserungsvorschläge
1. Den Mitarbeitern zuhören: Die Erfahrungen und Ideen der Kollegen ernst nehmen, um Arbeitsprozesse und Unternehmenskultur nachhaltig zu verbessern.
2. Investitionen in die Firma und die Belegschaft: Gewinne sollten nicht nur in Zahlen, sondern auch in Maschinen, Infrastruktur und die Entwicklung der Mitarbeiter fließen.
3. Transparenz und Offenheit: Kritik und Feedback ernst nehmen, statt negative Kununu-Bewertungen zu löschen – hierin zeigt das Unternehmen leider eine bemerkenswerte Konsequenz, die besser in positive Maßnahmen für die Mitarbeiter investiert werden könnte.
Diese Maßnahmen könnten die Motivation, Loyalität und Zufriedenheit der Belegschaft deutlich steigern und gleichzeitig das Unternehmensimage verbessern.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre bei Schnaidt ist stark von Unsicherheit und Angst geprägt. Viele Mitarbeiter haben über Jahre hinweg große Loyalität gezeigt, fühlen sich inzwischen jedoch austauschbar und nicht mehr wertgeschätzt. Entscheidungen werden überwiegend nach Zahlen getroffen, was das Vertrauen schwächt und für ständige Anspannung sorgt.
Kommunikation
Kommunikation ist grundsätzlich möglich, jedoch sollten Mitarbeiter sich bewusst sein, dass offene Worte auch unerwünschte Konsequenzen nach sich ziehen können. Viele Entscheidungen werden ohnehin nicht direkt von den Vorgesetzten getroffen, sondern sind stark von den Firmeninhabern abhängig – sodass Führungskräfte nur bedingt Einfluss auf die Umsetzung haben.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war lange stark, da von der Führung keine Loyalität kam. Seit der Übernahme und hoher Fluktuation nimmt er jedoch ab, Spannungen und Misstrauen wachsen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist je nach Einsatzbereich sehr unterschiedlich. Während feste Arbeitszeiten grundsätzlich bestehen, kann hoher Leistungsdruck zu langen Tagen führen und persönliche Planung erschweren.
Vorgesetztenverhalten
Von den Vorgesetzten wird natürlich immer von großen Highlights und der steilen Bergbesteigung gesprochen. Unglaubwürdig wird dies jedoch, wenn nach jedem Versuch des Anstiegs eine Lawine der Bürokratie alles wieder mit sich reißt. Vorwürfe kann man den Vorgesetzten nur bedingt machen, da ihnen die Hände durch Vorgaben und Entscheidungen der Geschäftsführung gebunden sind.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind interessant, werden jedoch durch bürokratische Zwänge stark erschwert. Viel Zeit geht für Fehlersuche und Anpassungen im System verloren, wodurch man deutlich unwirtschaftlicher arbeitet, als es fachlich notwendig wäre.
Gleichberechtigung
Bei Schnaidt herrscht vorbildliche Gleichberechtigung – schließlich ist hier jeder gleichermaßen leicht ersetzbar, egal ob mit 1 oder 30 Jahren Erfahrung.
Umgang mit älteren Kollegen
Da viele jüngere Kollegen die Firma schnell wieder verlassen, besteht die Belegschaft inzwischen überwiegend aus älteren Mitarbeitern, die der Firma mit unerschöpflicher Loyalität zur Seite stehen. Für sie ist es oft schwierig, in ihrem Alter eine neue Anstellung zu finden, sodass sie versuchen, sich so lange wie möglich an die Firma zu binden – bis die Rente sie erlöst.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsumgebung ist funktional und zweckmäßig, jedoch geprägt von hohem Druck, starker Kontrolle und bürokratischen Hürden. Die Maschinen werden gerne als modern angepriesen, sind in Wirklichkeit aber alt und oft reparaturbedürftig, sodass regelmäßig Besuch von DMG erforderlich ist. Dies beeinträchtigt die Effizienz und den Arbeitsfluss zusätzlich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ich kann nur für den Standort Köln sprechen: Dort gab es keine ordnungsgemäße Entsorgung von Gefahrstoffen. Mehr muss man dazu nicht sagen.
Oft wird die Wirtschaftlichkeit vorgeschoben, um schwierige Entscheidungen zu rechtfertigen. Offiziell wird verkündet, dass alles versucht wurde, um die Kollegen zu halten – tatsächlich vermutet man jedoch, dass eher alles versucht wurde, den Standort schneller zu schließen, auch wenn das nur Spekulation bleibt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt steigt anscheinend erst, wenn man die Firma verlässt – so wird man motiviert, seine Karriere anderswo voranzutreiben. Sozialleistungen sind vorhanden, bleiben aber eher Standard ohne echte Extras.
Image
Die Firma hat nach außen hin ein solides und professionelles Image. Intern zeigen sich jedoch Schwächen in der Mitarbeiterführung, der Wertschätzung langjähriger Kollegen und der Umsetzung von Entscheidungen, die das Vertrauen der Belegschaft untergraben.
Karriere/Weiterbildung
Bei Schnaidt gab es nie große Karrieremöglichkeiten. Viele Mitarbeiter haben die Firma daher als Sprungbrett genutzt, um bei anderen Unternehmen – teils auch bei der Konkurrenz – ihre Karriere voranzubringen.