Starker Außenauftritt, schwache Unternehmenskultur
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen verfügt über hervorragende räumliche und infrastrukturelle Voraussetzungen und bietet grundsätzlich interessante und anspruchsvolle Aufgaben.
Demgegenüber stehen aus meiner Sicht erhebliche Defizite bei Führungsqualität, Wertschätzung, Kommunikation, Vertrauenskultur und innerbetrieblichem Umgang miteinander.
Der professionelle Außenauftritt entspricht daher aus meiner persönlichen Erfahrung nicht der Realität innerhalb des Unternehmens.
Es bleibt zu hoffen, dass der Firmenslogan „Unternehmen. Besser. Machen.“ zukünftig nicht nur in der Außendarstellung, sondern insbesondere auch im Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden umgesetzt wird.
Arbeitsatmosphäre
Der äußere Eindruck des Unternehmens ist professionell, modern und hochwertig. Die tatsächliche Arbeitsatmosphäre habe ich jedoch als deutlich weniger positiv erlebt. Das Betriebsklima ist aus meiner Sicht von Konkurrenzdenken, Misstrauen und einer ausgeprägten internen Gerüchte- und Lästerkultur geprägt. Gegenseitige Anerkennung und echtes Vertrauen habe ich deutlich seltener erlebt, als ich es in einem Unternehmen dieser Größe und mit diesem Anspruch erwartet hätte.
Insbesondere bei Gehaltserhöhungen, Beförderungen oder beruflichen Erfolgen anderer Mitarbeitender scheint Neid stärker ausgeprägt zu sein als gegenseitige Unterstützung. Im direkten Umgang wird häufig Professionalität und Wertschätzung vermittelt, während über abwesende Kolleginnen und Kollegen deutlich anders gesprochen wird.
Image
Das Image des Unternehmens ist aus meiner Sicht deutlich besser als die tatsächliche interne Erfahrung.
Nach außen wird ein modernes, professionelles und innovatives Unternehmen präsentiert. Begriffe wie New Work, flache Hierarchien, Vertrauenskultur und Nachhaltigkeit werden entsprechend kommuniziert.
Intern habe ich jedoch erhebliche Abweichungen zwischen Anspruch und Realität erlebt. Diese Diskrepanz empfinde ich als besonders enttäuschend.
Mein Eindruck ist außerdem, dass kritische Bewertungen auf Plattformen wie "kununu" nicht gerne gesehen werden. Ich bin daher gespannt, wie lange diese Bewertung tatsächlich öffentlich sichtbar sein wird.
Work-Life-Balance
Die beworbene Vertrauenskultur und die vorhandenen Gleitzeitregelungen vermitteln zunächst den Eindruck einer guten Work-Life-Balance. In der tatsächlichen Umsetzung habe ich dies jedoch nur eingeschränkt erlebt.
Die Gleitzeit von 7:00 bis 9:00 Uhr bietet grundsätzlich Flexibilität. Mitarbeitende, die diese Regelung flexibel nutzen, können aus meiner Wahrnehmung schnell unter den Generalverdacht geraten, die Arbeitszeitregelungen nicht ordnungsgemäß einzuhalten.
Gerade in einem Unternehmen, das mit New Work und Vertrauensarbeitszeit wirbt, halte ich diesen Umgang mit Mitarbeitenden für widersprüchlich.
Karriere/Weiterbildung
Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten werden grundsätzlich kommuniziert und in Aussicht gestellt. In meiner Erfahrung besteht jedoch eine erhebliche Diskrepanz zwischen den vermittelten Perspektiven und den tatsächlich gewährten Möglichkeiten.
Insbesondere junge, engagierte und ambitionierte Mitarbeitende scheinen aus meiner Sicht nicht immer konsequent gefördert zu werden. Statt Strukturen weiterzuentwickeln, entsteht der Eindruck, dass etablierte Positionen und personelle Konstellationen möglichst unverändert erhalten werden sollen.
Fachlich gibt es durchaus Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und interessante Aufgaben zu übernehmen. Die persönliche Karriereperspektive hängt stark von der jeweiligen Führungskraft und dem konkreten Umfeld ab.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung würde ich als durchschnittlich einschätzen. Sie ist weder besonders schlecht noch stellt sie aus meiner Sicht einen herausragenden Vorteil des Unternehmens dar.
Bei den Benefits und der Infrastruktur kann das Unternehmen dagegen punkten. Insbesondere das hochwertige Restaurant, die Espresso Bar und die insgesamt sehr gute Ausstattung sind positiv hervorzuheben.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Thema Nachhaltigkeit wird nach außen prominent kommuniziert. In der praktischen Umsetzung habe ich jedoch einige Widersprüche wahrgenommen.
So wurden beispielsweise wenige Monate alte Tassen entsorgt, weil sie nicht über das entsprechende Corporate Branding verfügten. Anschließend wurden Tassen desselben Modells mit Corporate Branding in den Kaffeeküchen verteilt.
Auch der Austausch größerer Flächen von Pflastersteinen auf dem Campus zwischen Alt- und Neubau erschien mir primär aus optischen Gründen motiviert. Solche Maßnahmen sind aus meiner Sicht nur schwer mit einem konsequenten Nachhaltigkeitsverständnis vereinbar.
Beim sozialen Bewusstsein sehe ich ebenfalls Verbesserungspotenzial, insbesondere im Umgang mit Mitarbeitenden und bei der Frage, wie mit unangemessenem Verhalten innerhalb des Unternehmens umgegangen wird.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist aus meiner Sicht ambivalent. Es gibt einzelne sehr engagierte und hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen, auf deren Unterstützung im Arbeitsalltag Verlass ist.
Gleichzeitig habe ich ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken wahrgenommen. Insbesondere bei Gehaltsentwicklungen, Beförderungen und persönlichen Erfolgen anderer Mitarbeitender ist gegenseitige Anerkennung nicht selbstverständlich. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem sich jeder primär um die eigene Position bemüht.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier kann ich nur eine eingeschränkte Bewertung abgeben, da meine persönlichen Erfahrungen in diesem Bereich nicht ausreichend umfassend sind.
Grundsätzlich entsteht jedoch der Eindruck, dass etablierte Strukturen und bestehende personelle Konstellationen stark geschützt werden. Dies kann einerseits Stabilität schaffen, andererseits die Weiterentwicklung des Unternehmens und die Integration neuer Perspektiven erschweren.
Vorgesetztenverhalten
Hier sehe ich den größten Verbesserungsbedarf.
Die Führung habe ich als unverbindlich, wenig wertschätzend und in einzelnen Situationen als unangemessen erlebt. Dazu gehören unter anderem lautstarke Kritik an Mitarbeitenden im Großraumbüro vor allen Kollegen aufgrund eines Fehlers und daraus resultierender Mehrarbeit.
Auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zum konstruktiven Umgang mit Kritik erscheint mir auf bestimmten Führungsebenen massiv eingeschränkt. In Gesprächen über fachliche Themen wird sehr stark betont, wie einfach bestimmte Aufgaben seien und wie viel anspruchsvoller die Tätigkeit beim vorherigen Arbeitgeber gewesen sei. Diese Selbsteinschätzung steht aus meiner Erfahrung nicht immer im Verhältnis zur tatsächlichen fachlichen Unterstützung, die bei konkreten Aufgaben benötigt wird.
Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit unangemessenem Verhalten gegenüber Mitarbeitenden. Ich habe Situationen erlebt, die ich nicht mit einem modernen Führungsverständnis vereinbar empfunden habe. Besonders befremdlich war für mich eine Äußerung einer älteren Steuerberaterin, die ich aufgrund der Kununu-Richtlinien nicht genauer wiedergeben darf. Das spricht leider für sich.
Arbeitsbedingungen
Die materiellen Arbeitsbedingungen sind hervorragend. Das Gebäude, die Außenanlagen, die Einrichtung sowie das Restaurant und die Espresso Bar befinden sich auf einem sehr hohen Niveau. Hier wurde erkennbar Wert auf Qualität und einen modernen Arbeitsplatz gelegt.
Die organisatorischen und zwischenmenschlichen Arbeitsbedingungen bewerte ich dagegen deutlich kritischer. Insbesondere bei Führung, Vertrauen, Kommunikation und Wertschätzung besteht erheblicher Verbesserungsbedarf.
Kommunikation
Die Kommunikation empfinde ich als verbesserungswürdig. Entscheidungen werden aus meiner Sicht nicht klar oder nachvollziehbar kommuniziert. Gleichzeitig werden nach außen moderne Kommunikations- und Arbeitsweisen propagiert, die sich im Arbeitsalltag nicht immer widerspiegeln.
Kritisches Feedback scheint auf bestimmten Führungsebenen nur eingeschränkt erwünscht zu sein. Es entsteht der Eindruck, dass nicht die sachliche Auseinandersetzung mit Kritik, sondern deren Zurückweisung im Vordergrund steht.
Gleichberechtigung
Beim Thema Gleichberechtigung sehe ich deutlichen Verbesserungsbedarf.
Insbesondere für Frauen, konkret für junge Frauen, ist das Arbeitsumfeld gar nicht zu empfehlen. Ich habe anzügliche bzw. unangemessene Äußerungen aus dem Umfeld der Führungsebene erlebt.
Besonders irritierend war für mich eine Aussage im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs, die sinngemäß lautete: "Hier zu arbeiten ist toll, ich weiß nicht, ob Sie Single sind, aber wir haben auch viele attraktive Kolleginnen."
Auch auf Firmenveranstaltungen habe ich Situationen erlebt, in denen männliche Führungskräfte bestehende Macht- und Hierarchieverhältnisse aus meiner Sicht unangemessen genutzt haben. Eine anschließende Relativierung nach dem Motto „Jetzt hab dich nicht so, ist doch lustig“ halte ich für keine angemessene Reaktion.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst sind grundsätzlich anspruchsvoll und fachlich interessant. Insbesondere in steuerlicher und wirtschaftlicher Hinsicht gibt es zahlreiche Möglichkeiten, fachlich dazuzulernen.
Allerdings hängt die Qualität der Erfahrung stark vom jeweiligen Team und Vorgesetzten ab. Interessante Aufgaben allein können strukturelle Probleme bei Führung, Kommunikation und Wertschätzung nicht vollständig ausgleichen.


