Interessante Aufgaben, wenn sie vorher kommuniziert werden würden. Explosive, nicht rationale Atmosphäre, nette Kollegen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ähm… die Kollegen. Zusammenhalt war da, aber auch Resignation („Es ist nur Stress, es wird sich nichts ändern“.
Meine Aufgaben, welche mir mitgeteilt wurden, waren auch gut. Ich habe gerne gearbeitet, was nur die Arbeit und die Aufgaben anging.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Eins vorweg. Ich wurde nach 4,5 Monaten in der Probezeit gekündigt und bin zum 31.3. nicht mehr angestellt in der Firma.
Anscheinend super wichtige Aufgaben wurden nie kommuniziert, sondern im Nachhinein vorgeworfen, man hätte das nicht gemacht und hätte keine intrinsische Motivation und kein Interesse an der Firma. Bei Fragen war meistens kein Ansprechpartner da. Ich sollte Fragen und Probleme sammeln, wurde dann aber genau darauf aus dem Nichts heraus angesprochen. Spätere Versprechen, wie: „Wir setzen uns ab jetzt regelmäßig zusammen“, wurden leider nicht eingehalten.
Pausen wurden vom Chef trotz nur 6 Std. Arbeit am Tag eingeplant. Diese draußen zu verbringen war aber laut beider Chefs sehr ungewöhnlich, sowas mache hier keiner. Man könne auch am Tisch und am Telefon (mit Kunden) bleiben in der Pause. Auf meinen Hinweis hin auf die rechtliche Lage wurden sie mir dann aber zur freien Verfügung „gestattet“. Leider war es aber oft (nicht immer) so stressig, dass ich faktisch keine machen konnte.
Urlaubsanspruch ist mit 27 Tagen recht knapp. Bereitschaftsdienst (andere Kollegen) wird als Urlaub bezeichnet. Krank werden ist sehr ungern gesehen und wird auch dementsprechend kommuniziert (Kündigung meiner Probezeit ohne jegliche Kommunikation außer des Schreibens). Es besteht auch die Erwartung, dass man bei Krankschreibung früher wiederkommen sollte, wenn es besser wird (Entscheidung sollte beim kranken Mitarbeiter liegen, es wird aber gemutmaßt, dass die Krankschreibung fast immer zu lang sei).
Ich habe im Nov 24 quasi eine neue Position (Verwaltung/Koordination) inne gehabt. Trotzdem hätte es Infos und Input gegeben, an die ich nicht herankam, im Passwörter kämpfen musste etc. Es sei besser, mir alles selbst zu erarbeiten — klar, hat Vorteile, wenn man denn Fragen und Probleme ernst nimmt. Generell habe ich eine enorme Fluktuation zwischen Dezember und März mitbekommen. Oft werden Kollegen durch neue „ersetzt“, gerade die, die auf Ihre Rechte bestehen oder Gegenargumente haben.
Das Wildeste waren explosive Vorwürfe, dass irgendetwas so gar nicht gehe, ohne jegliche Information oder Kommunikation zu den jeweiligen Gegenständen.
Die Firma will besser werden und nachhaltige Verbesserungen erzielen, nach außen hin ist das Image sauber, sogar ISO-zertifiziert ist das Unternehmen. Ich wurde eingestellt, um objektiv zu schauen, wo Verbesserungspotentiale sind. Allerdings wurden solche (Umgang mit Mitarbeitern, Pausen- und Urlaubsregelungen, Koordination und interne Kommunikation bei z.B. Krankheit) meist als nicht wichtig dargestellt, wenn man denn dazu kam, das anzumerken.
Verbesserungsvorschläge
Fortbildungen für die Führungsebene in Unternehmensführung, Umgang mit dem Personal, Kommunikation, gesetzliche Arbeitsregelungen und ihre Einhaltung.
Arbeitsatmosphäre
Unnötiger Druck und Stress sowie unhaltbare Vorwürfe durch einen Chef. Demotiviert den motiviertesten Mitarbeiter.
Image
Das Unternehmen hat nach Außen, soviel ich weiß, einen guten Ruf.
Work-Life-Balance
Darüber wird sich in den selten stattfindenden Besprechungen sogar lustig gemacht. Das sei unnötig.
Karriere/Weiterbildung
Ich habe in meiner Zeit keine Weiterbildungsmaßnahmen für irgendwen mitbekommen, die nicht für die Firma und die Arbeit selbst verpflichtend gewesen wären.
Gehalt/Benefits
Ich kann nur für mich sprechen und fand das Gehalt als Einstiegsgehalt gut.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltbewusstsein ist in Ordnung, mir ist nichts negativ aufgefallen. E-Autos finde ich super. Sozialbewusstsein allerdings ist auch wegen des wirtschaftlichen Konkurrenzdrucks eher gering. Es werden für das Bestehen der Firma relevante Entscheidungen zugunsten der Firma getroffen.
Kollegenzusammenhalt
Es sind „echte“ Charaktere, die hier arbeiten. Man muss sie alle kennenlernen, um sie zu mögen. Mit Ecken und Kanten und Macken. Aber man weiß sie schnell zu schätzen.
Umgang mit älteren Kollegen
So wie ich (41) das einschätzen kann, gibt es keine Probleme, die am Alter von jemandem liegen.
Vorgesetztenverhalten
Es gibt zwei Chefs. Diese sind sich nicht immer einig, was ja okay ist. Man könnte ja kommunizieren. Aber stattdessen werden leider oft die Mitarbeiter zwischen die Stühle gesetzt und müssen sich anpassen. Kritik ist nicht willkommen. Im Gegenteil. Diejenigen, die anders denken oder ausgebrannt werden, werden eben getauscht gegen neue.
Arbeitsbedingungen
Das Unternehmen befinden sich in einem Einfamilienhaus, die Einrichtung ist meiner Meinung nach ausreichend. Bei kommenden und gehenden Kollegen muss die Aufteilung der Mitarbeitenden auf die beiden Büros oft verändert werden, aber das fand ich nicht störend.
Kommunikation
Schwierig. Durch keinerlei Strukturen/ Regeln in der Kommunikation (die aber auch nicht gewollt werden) fließen keine Infos. Information ist hier eine Holschuld. Allerdings ist diese Holschuld nicht machbar, wenn man nicht einmal wissen kann, dass es erwartet wird, bestimmte Informationen irgendwo (!) zu holen.
Gleichberechtigung
Ich war die einzige weibliche Person bei (wechselhaften) 19-22 Mitarbeitern. Das war mir von Anfang an klar und es war okay. Auch wenn die patriarchale Einstellung des einen Chefs (Frauen und Kinder gehören zusammen, es sei für Kinder nicht gut, wenn Mütter arbeiten) gegen meine Werte verstoßen.
Interessante Aufgaben
Ich habe mich (als nicht IT-lerin) um das Ticketsystem, Kundenkommunikation, vor allem Telefonzentrale, generelle Büroaufgaben und so weiter gekümmert. Laut Chef war das auch super. Ich hätte es super gemacht. Ich hätte aber (ohne es zu wissen) noch ganz andere Aufgaben übernehmen müssen, für die mir zum Teil die technischen Zugänge fehlten, die mir zum Teil zu IT-abstrakt (Quereinsteiger) waren, die zum Teil in der Struktur der Firma und ihrer Arbeit verankert waren, worauf ich keinerlei Zugriff hatte, da ich immer „nur“ in der Telefonzentrale „festsaß“, statt Input und Problemstellungen vorgestellt zu bekommen, an denen ich gerne gearbeitet hätte etc. Statt mich in die Zusammenhänge nach und nach einzuführen, wurde mir das vorenthalten (Chef macht es eben selbst und ärgert sich, weil das Erklären Zeit braucht) und später als Desinteresse vorgehalten.