Keine Empfehlung: Quantität statt Qualität, schlechte Vergütung, kaum geeignet für echten Berufserfahrungsaufbau
Gut am Arbeitgeber finde ich
nette Kollegen, sonst leider nichts
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. keine langfristige Perspektive: extrem häufiger Personalwechsel keine Benefits schlechte Vergütung, Nichteinhalten von Homeoffice Zusagen
2. Extrem hohe Arbeitsbelastungen: Ständiges Übernehmen - teilweise monatelang - unbearbeiteter Fälle ehemaliger Kollegen führt zu Dauerstress und ständigen Rechtfertigungen gegenüber unzufriedenen Mandanten.
3. Unterdurchschnittliche Vergütung: Die finanzielle Entlohnung steht in keinem angemessenen Verhältnis zur Qualifikation als Volljurist und der tatsächlichen Arbeitsbelastung.
Verbesserungsvorschläge
1. Die Partnerschaft mit Rechtsschutzversicherungen ermöglicht einen enormen Mandatszufluss, der maßgeblich hinter dem starken Wachstum der Kanzlei steht. Allerdings sollte stärker bedacht werden, wie Mandate von Mandant:innen mit teils erheblichen rechtlichen Problemen – trotz Pauschalabrechnung – mandantenfreundlich und professionell bearbeitet werden können. Das derzeit etablierte Geschäftsmodell führt aus meiner Sicht kaum zu einer nachhaltigen Zufriedenheit der Mandantschaft und wirkt sich dadurch auch häufig extrem belastend auf die Anwält:innen aus, die zwischen Pauschalvergütung und dem tatsächlichen Beratungsaufwand aufgerieben werden.
2. Strukturelle Überlastung und Aktenrückstände dürfen nicht einfach auf die verbliebenen Mitarbeiter abgewälzt werden. Wenn sich dies organisatorisch nicht anders auffangen lässt, muss das Geschäftsmodell strategisch und strukturell angepasst werden, anstatt die Überlastung als Dauerzustand hinzunehmen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeit besteht grundsätzlich aus Aktenbearbeitung und Telefondienst und ist stark geprägt von hohem Arbeitsdruck sowie mangelnder Systemstruktur. Personalwechsel finden häufig statt, wodurch man ständig Akten von anderen mitten in der Bearbeitung übernehmen und mit verärgerten, unzufriedenen Mandanten umgehen muss – deren Ärger angesichts der Aktenlage durchaus nachvollziehbar ist. Durch die ständigen Personalwechsel werden unerledigte Aktenberge auf die verbliebenen Mitarbeitenden überwälzt, was für anhaltende Unruhe im Team sorgt. Teilweise verbringt man ganze Arbeitstage überwiegend damit, Sachstandsanfragen zu beantworten und Mandanten telefonisch zu erklären, warum sich die Bearbeitung verzögert.
Darüber hinaus muss einmal wöchentlich Telefondienst übernommen werden. Der Druck, alle eingehenden Anrufe innerhalb dieses Dienstes abzuarbeiten, ist erheblich – bleibt etwas offen, wird man bereits am Folgetag durch die Personalleitung darauf angesprochen. Eine mandantenfreundliche und zugleich ehrliche Beratung ist unter diesem Druck kaum möglich.
Kommunikation
Transparenz ist kaum vorhanden. Entscheidungen des Managements erfolgen oft kurzfristig und ohne konstruktiven Dialog mit den Betroffenen. Ein offener Austausch auf Augenhöhe findet praktisch nicht statt.
Kollegenzusammenhalt
die Teams bestehen überwiegend aus jungen Berufseinsteigern. Unter den Kolleg:innen selbst herrschte ein kollegiales, unterstützendes Klima – das war einer der positiven Aspekte meiner Zeit dort.
Work-Life-Balance
Trotz moderater Kernarbeitszeiten (09:00–17:00 Uhr) empfand ich die Tätigkeit als psychisch äußerst erschöpfend und hatte kaum Energie für Aktivitäten außerhalb der Arbeit. Die mentale Belastung durch den immensen Aktenstau und den Umgang mit unzufriedenen Mandanten führt leider dazu, dass man in der Freizeit kaum abschalten kann. Dies ist eine persönliche Einschätzung, die individuell unterschiedlich ausfallen kann.
Achtung: Im Vorstellungsgespräch wurde ein Homeoffice-Tag pro Woche in Aussicht gestellt – was angesichts der Belastung ohnehin schon wenig gewesen wäre. Praktisch ist dieser jedoch erst nach drei Monaten Betriebszugehörigkeit möglich, sodass man in der belastendsten Anfangsphase keinerlei Entlastung durch Homeoffice hat.
Vorgesetztenverhalten
von Team zu Team bestimmt unterschiedlich. bei mir unprofessionell und nicht so juritisch kompetent
Interessante Aufgaben
Überwiegend repetitive Fließbandarbeit im Massengeschäft. Von einer anspruchsvollen juristischen Entfaltung kann keine Rede sein; man fungiert primär als Verwalter von Aktenrückständen und AI-generierten Bausteinen.
Man hat selbst kaum Zeit oder Nerven, sich rightig in die Akte einzuarbeiten weil die Akten wegen der Menge einfach nur maßenweise bearbeitet werden
Arbeitsbedingungen
Homeoffice ist trotz entsprechender Zusage im Vorstellungsgespräch faktisch erst nach drei Monaten Betriebszugehörigkeit möglich. Die technische Ausstattung war grundsätzlich in Ordnung, jedoch stand die Menge an zu bearbeitenden Akten in keinem Verhältnis zur vorhandenen Personalkapazität.
Gehalt/Benefits
Für die Qualifikation als Volljurist und die extrem hohe Arbeitsbelastung liegt das Gehalt im deutlich unterdurchschnittlichen Bereich. Besondere Benefits oder ein fairer Ausgleich für den immensen mentalen Druck existieren nicht.
Image
Das Image leidet zunehmend unter den langen Bearbeitungszeiten und den verärgerten Mandanten.
Karriere/Weiterbildung
Kaum individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Die Tätigkeit beschränkt sich weitgehend auf das Abbarbeiten von Aktenbergen im Massengeschäft.