Gut am Arbeitgeber finde ich
Gut am Arbeitgeber finde ich, dass sie mir in einer Notsituation eine Wohnung zur Verfügung gestellt haben und ich bis zum Ende meiner Ausbildung dort wohnen durfte. Immerhin gab es nach Bekanntwerden des Datenschutzvorfalls auch eine schriftliche Entschuldigung sowie eine kleine Aufmerksamkeit (Blumen und Pralinen).
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe den enormen Druck und den respektlosen Umgang bei Problemen (z. B. den Spruch, man könne ja einfach kündigen) als extrem belastend empfunden. Jedes grundlegende Bedürfnis und jede notwendige Anpassung – von der Arbeitszeitverkürzung über das Tragen eines Basecaps bei extremer Blendeempfindlichkeit bis hin zum fairen Umgang mit meiner Blindenführhündin – musste mühsam erkämpft werden. Besonders schwer wiegt für mich der Umgang mit sensiblen Daten: Dokumente und Berichte wurden mit abwertenden Wertungen versehen ohne meine vorherige Einwilligung an den zuständigen Leistungsträger (eine Bundesbehörde) weitergereicht. Ein solches unzulässiges Vorgehen wäre meiner Meinung nach ohne meine Rüge nach knapp 1,5 Monaten vielleicht noch länger unbemerkt geblieben. Erschwerend kommt meiner Meinung nach hinzu, dass man sich lediglich auf eine ausgesprochene Löschungsanforderung verlässt und eine tatsächliche, nachweisbare Löschung der Daten meiner Ansicht nach nicht ordentlich überprüft wurde – die bloße Rückmeldung, dass ein Dokument angeblich nicht verwendet werden darf, ersetzt eben keine echte, datenschutzkonforme Vernichtung. Statt echter Unterstützung gab es ständigen Stress und bürokratische Hürden.
Verbesserungsvorschläge
Für die Zukunft muss sich hier meiner Meinung nach Folgendes ändern: Mitarbeiter müssen dringend zum Thema Datenschutz und Schweigepflicht geschult werden, damit vertrauliche Unterlagen und Berichte niemals ohne vorherige Einwilligung an externe Stellen weitergeleitet werden. Zudem sind unzulässige medizinisch-fachliche Einschätzungen entgegen amtlicher Feststellungen zu unterlassen. Bei datenschutzrechtlichen Fehlern muss zudem sichergestellt werden, dass betroffene Daten tatsächlich und nachweisbar gelöscht werden – anstatt sich mit einer bloßen Ausblendung oder der Aktennotiz, ein Dokument dürfe nicht verwendet werden, zufriedenzugeben. Es braucht im gesamten Haus einen respektvolleren Umgang mit Auszubildenden und ein echtes Krisenmanagement statt Druck und Kündigungssprüchen. Das Tragen von Hilfsmitteln wie dem Basecap bei extremer Blendeempfindlichkeit sowie die flexible Anpassung von Sitzordnungen an die realen Sehbedürfnisse müssen selbstverständlich und barrierefrei erlaubt sein. Anstelle von sofortigen schriftlichen Ermahnungen bei sachlicher Kritik an Arbeits- oder Lehrmethoden muss eine konstruktive Fehlerkultur Einzug halten. Schließlich müssen klare, transparente und rechtssichere Regeln für alle Assistenzhunde geschaffen werden.
Arbeitsatmosphäre
Von einem unterstützenden Umfeld meiner Meinung nach keine Spur: Die Atmosphäre war stark von Leistungs- und Zeitdruck geprägt. Statt auf individuelle Bedürfnisse einzugehen oder Fehler aufzuarbeiten, herrschte ein Umgangston, in dem bei Problemen eher mit Kündigung gedruckt statt nach Lösungen gesucht wurde. Insgesamt belastend und wenig wertschätzend empfunden.
Karrierechancen
Keine echten Karrierechancen oder Zukunftsperspektiven: Da es sich um ein Berufsbildungswerk handelt, fehlen jegliche Kooperationen mit Unternehmen. Nach Abschluss der Maßnahme wird man im Grunde ohne konkrete Übernahme- oder Vermittlungsperspektive entlassen, statt den Übergang in den regulären Arbeitsmarkt aktiv zu unterstützen.
Arbeitszeiten
Die Anpassung der Arbeitszeiten war meiner Meinung nach ein echter Kampf: Statt auf gesundheitliche Bedürfnisse flexibel einzugehen, musste eine dringend notwendige Arbeitszeitverkürzung (von einer 40-Stunden-Woche auf 6 Stunden täglich) erst mühsam mit Unterstützung von Ärzten erkämpft werden.
Ausbildungsvergütung
Keine reguläre betriebliche Ausbildungsvergütung, sondern finanzielle Absicherung über das Ausbildungsgeld (ABG) der Agentur für Arbeit. Die Höhe richtet sich starr nach den gesetzlichen Reha-Sätzen und bietet wenig finanzielle Flexibilität.
Die Ausbilder
Ich hatte im Alltag stark den Eindruck, dass mir – anders als anderen Teilnehmern – vonseiten der Ausbilder und Lehrer spürbar weniger Wohlwollen und Toleranz entgegengebracht wurde.
Spaßfaktor
Einen positiven Spaß- oder Motivationsfaktor gab es hier für mich, meiner Meinung nach, überhaupt nicht. Statt eines konstruktiven Lernklimas prägten, aus meiner Sicht, dauerhafter Leistungsdruck, Frustration und eine spürbare mangelnde Wertschätzung den Ausbildungsalltag.
Aufgaben/Tätigkeiten
Mir wurden, meiner Meinung nach, Aufgaben aufgedrückt, die nicht im Ausbildungsplan standen – wie beispielsweise das Ausdrucken von E-Mails und das Verteilen von Post im gesamten Unternehmen. Zudem war ich im IT-Support (First-Level-Support) eingesetzt, wo man trotz des Wissens der Mitarbeitenden, dass dort Auszubildende sitzen, nicht immer fair oder freundlich behandelt wurde.“
Variation
Nach meiner Meinung gab es im Betrieb kaum echte Abwechslung. Obwohl die Kollegen uns eigentlich hätten anrufen sollen, damit wir als Azubis die Tickets erfassen, haben die meisten ihre Tickets lieber selbst geschrieben – stattdessen blieb oft nur das Bearbeiten von Aufgaben aus dem Buch oder Warten.
Respekt
Respekt und Wertschätzung gegenüber meiner Person waren hier meiner Meinung nach nicht gegeben. Statt einer partnerschaftlichen Unterstützung hatte ich den Eindruck, dass man sich grundlegende und notwendige Anpassungen im Alltag stets mühsam erstreiten beziehungsweise erkämpfen musste.