Vom erfolgreichen Unternehmen zur Führungskrise – wohin geht die Reise?
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ein traditionsreiches Unternehmen mit interessanten Produkten, Kunden und Aufgaben sowie vielen engagierten und erfahrenen Mitarbeitern.
Viele Kollegen identifizieren sich nach wie vor mit dem Unternehmen und versuchen, trotz der aktuellen Situation jeden Tag gute Arbeit zu leisten.
Gerade deshalb ist es schade zu sehen, wie viel Vertrauen und Motivation in den vergangenen Jahren verloren gegangen sind.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die aus meiner Sicht zunehmende Angst- und Abhängigkeitskultur.
Die massive Abwertung der bisherigen Organisation und ihrer Leistungen.
Den Austausch zahlreicher erfahrener Führungskräfte und die anschließende Besetzung wichtiger Positionen mit Personen aus dem persönlichen Umfeld der heutigen Führung – zumindest entsteht dieser Eindruck.
Die fehlende Bereitschaft, Fehler der eigenen Strategie und Personalentscheidungen offen zu hinterfragen.
Und vor allem: Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis.
Nach drei Jahren sollte man nicht mehr erklären, warum die Vergangenheit angeblich alles falsch gemacht hat. Man sollte zeigen können, was man selbst besser gemacht hat
Wirtschaftlich ist es aus meiner Sicht höchste Zeit, nicht nur über die Mitarbeiter und die alte Organisation zu sprechen, sondern über die Verantwortung der aktuellen Führung.
Führung bedeutet Verantwortung!
Verbesserungsvorschläge
Die Führung sollte dringend ihre eigene Strategie und insbesondere die Personalentscheidungen der vergangenen drei Jahre kritisch überprüfen.
Nicht immer sind die „Neuen“ automatisch besser und nicht alles, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde, ist automatisch schlecht. Ein Unternehmen mit über 100 Jahren Geschichte und rund 1.400 Mitarbeitern verfügt über einen enormen Erfahrungsschatz. Diesen abzuwerten, anstatt ihn zu nutzen, halte ich für einen schweren strategischen Fehler.
Bei diesen wirtschaftlichen Ergebnissen reicht es aus meiner Sicht nicht mehr aus, die Verantwortung immer wieder bei der Vergangenheit, der alten Organisation oder einzelnen Mitarbeitern zu suchen.
Wer über drei Jahre die strategische und personelle Verantwortung trägt, muss sich auch an den Ergebnissen messen lassen. Wenn sich die wirtschaftliche Situation trotz grundlegender Veränderungen in Führung und Organisation derart dramatisch verschlechtert, ist aus meiner Sicht eine Konsequenz unumgänglich: Der VS sollte Verantwortung übernehmen
Es geht dabei nicht um einzelne Fehlentscheidungen, die jedem passieren können. Es geht um die Summe der Entscheidungen, die Entwicklung über drei Jahre und die daraus entstandenen wirtschaftlichen und menschlichen Folgen.
Ein glaubwürdiger Neuanfang wird aus meiner Sicht nur möglich sein, wenn diejenigen, die diese Entwicklung maßgeblich zu verantworten haben, auch bereit sind, die Konsequenzen daraus zu ziehen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat sich in den vergangenen drei Jahren aus meiner Sicht massiv verschlechtert. Aus einem Unternehmen mit viel Erfahrung und Identifikation ist ein Umfeld geworden, in dem zahlreiche Mitarbeiter verunsichert oder sogar verängstigt sind. Wer offen widerspricht oder Entscheidungen bestimmter Führungskräfte kritisch hinterfragt, hat offenbar schnell den Eindruck, sich selbst zu schaden.
Kommunikation
Kommunikation findet zunehmend von oben nach unten statt. Kritische Stimmen scheinen nicht wirklich erwünscht zu sein. Besonders irritierend ist, dass die eigene Organisation und ihre jahrzehntelange Erfahrung immer wieder pauschal abgewertet wurden. Aussagen wie „Die von Sievert können das nicht“ sind aus meiner Sicht keine Führungskultur, sondern Demotivation.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern ist grundsätzlich noch vorhanden – gerade weil viele Kollegen wissen, dass sie gemeinsam schwierige Zeiten durchstehen müssen. Gleichzeitig sorgt die aktuelle Führungssituation dafür, dass sich viele lieber zurückhalten, statt offen ihre Meinung zu sagen
Work-Life-Balance
Grundsätzlich abhängig vom jeweiligen Bereich. Die zunehmende Unsicherheit und der wirtschaftliche Druck wirken sich jedoch zwangsläufig auf die Belastung der Mitarbeiter aus.
Vorgesetztenverhalten
Hier sehe ich das größte Problem. In den vergangenen drei Jahren wurden zahlreiche erfahrene Führungskräfte ausgetauscht und wichtige Positionen mit Personen besetzt, die dem VS persönlich nahestehen. Ob dabei immer ausschließlich Kompetenz und nachweisbare Leistung ausschlaggebend waren, darf aus meiner Sicht zumindest kritisch hinterfragt werden.
Besonders problematisch ist der Führungsstil: Wer Mitarbeitern vermittelt, dass die bisherige Organisation im Grunde alles falsch gemacht habe, zerstört Vertrauen und Motivation. Führung sollte Mitarbeiter entwickeln und mitnehmen – nicht sie kleinmachen und ihnen vermitteln, dass ihre jahrzehntelange Erfahrung nichts wert ist.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben und Kunden sind weiterhin interessant. Das eigentliche Problem liegt weniger in den Tätigkeiten als in den Rahmenbedingungen und der aktuellen Führung.
Gleichberechtigung
Der Eindruck entsteht, dass persönliche Nähe und Loyalität teilweise wichtiger sein können als fachliche Argumente. Gerade bei der Besetzung wichtiger Führungspositionen wirft das Fragen auf. Beispiel Sievert Logistik - ein klasse Führungskraft mit dem Ohr am Vertrieb wird quasi herausgeekelt, weil es dem VS nicht gefällt.
Umgang mit älteren Kollegen
Besonders bedenklich finde ich den Umgang mit langjähriger Erfahrung. Wer jahrzehntelang erfolgreich für das Unternehmen gearbeitet hat, sollte nicht das Gefühl vermittelt bekommen, plötzlich Teil des Problems zu sein. Erfahrung wird aus meiner Sicht derzeit eher entwertet als genutzt.
Arbeitsbedingungen
Die äußeren Bedingungen sind grundsätzlich in Ordnung. Die größte Belastung entsteht derzeit durch die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Unternehmens und die Führungssituation.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Hier kann ich keine grundsätzlich negative Bewertung abgeben. Allerdings gehört für mich auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Mitarbeitern zur sozialen Verantwortung eines Unternehmens - daher nur 2 Sterne.
Gehalt/Benefits
Solide, aber für mich nicht der entscheidende Punkt. Ein gutes Gehalt kann eine fehlende Wertschätzung und eine schlechte Führungskultur langfristig nicht kompensieren.
Image
Das Unternehmen kann auf eine über 100-jährige erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Geschichte von Teilen der heutigen Führung aus meiner Sicht immer wieder schlechtgeredet wird.
Noch problematischer ist die wirtschaftliche Entwicklung seit dem VS-Wechsel. Wenn gleichzeitig große Teile der bisherigen Führung ausgetauscht wurden, sollte man sich ernsthaft fragen, ob die getroffenen Personal- und Strategieentscheidungen tatsächlich erfolgreich waren.
Karriere/Weiterbildung
Karriere scheint aus meiner Sicht stark davon abzuhängen, wie gut man zur aktuellen Führungsebene passt. Das schafft bei Mitarbeitern den Eindruck, dass persönliche Nähe und Loyalität teilweise wichtiger sein könnten als Leistung und Erfahrung.