Schon viele Jahre dabei aber aus meiner Sicht leider nicht mehr empfehlenswert für Neueinsteiger
Gut am Arbeitgeber finde ich
Formale Kommunikationskanäle zur Führungsebene sind intakt. Anliegen werden zumindest vordergründig zur Kenntnis genommen und angehört.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Gravierende Umsetzungsdefizite bei der Fehlerbehebung: Rückmeldungen werden zwar formell angenommen, führen in der Praxis aber zu keinen spürbaren Resultaten. Es mangelt an Konzepten zur effektiven Problembewältigung, verstärkt durch die starre Priorisierung kurzfristiger Produktionsziele vor einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeits- und Prozessstrukturen. Vor nicht allzu langer Zeit sah es kurzfristig so aus, als würde Bewegung reinkommen und es könnte sich vielleicht doch noch etwas ändern aber leider blieb es nur bei oberflächlichen Aktionen, ohne konsequent durchzuziehen.
Verbesserungsvorschläge
Kosmetische Korrekturen reichen längst nicht mehr aus: Es braucht einen radikalen, systematischen Struktur- und Kulturwandel von ganz oben. Solange Missstände, Günstlingswirtschaft und mangelnde Führungskompetenz nicht grundlegend angepackt werden, bleibt jede Einzelmaßnahme reine Zeitverschwendung.
Arbeitsatmosphäre
Standortbezogen herrscht ein miserables Klima, in dem ein pures „Wir gegen die“-Prinzip dominiert. Zwischenmenschlich bleibt man komplett auf Distanz – echte Kollegialität oder gar Anschluss sucht man hier vergebens.
Image
Nach außen leider kaum bekannt, intern dagegen selbstzerstörerisch: Demotivierte Fehlbesetzungen auf verschiedenen Ebenen ziehen die Stimmung und das Gesamterscheinungsbild für mich nach unten. Manche internen Abläufe sind qualitativ heikel, dass man sie vor dem Kunden verbirgt. Trotzdem schaffen wir es den höchsten Industriestandard zu erfüllen oder sogar deutlich zu übertreffen, was mich wirklich fasziniert.
Work-Life-Balance
Typisches Schichtmodell: Die finanzielle Vergütung geht spürbar zulasten der körperlichen Verfassung. Vor allem die 12-stündigen Nachtschichten an Sonntagen fordern ihren Tribut. Da der erste Tag nach dem Block rein für den Schlaf und die physische Regeneration draufgeht, schrumpft der Erholungswert der vier freien Tage in der Praxis eher auf drei zusammen.
Karriere/Weiterbildung
Stark reglementierte Entwicklungschancen: Fachliche Fortbildung scheitert häufig an einer ausgeprägten Blockadehaltung innerhalb der Belegschaft. Leistungsbereitschaft und der Wunsch nach Höherqualifizierung stoßen bei passiveren Kollegen sofort auf Statusängste und offene Abwehr. Eine Kultur gezielter individueller Förderung existiert nicht.
Gehalt/Benefits
Das Grundgehalt ist marktüblich und zuverlässig, die Personal- und Vergütungspolitik weist jedoch gravierende Schieflagen auf. Das Unternehmen nutzt Leiharbeit primär zur Risikoverlagerung. Motivierte externe Fachkräfte haben kaum realistische Übernahmechancen aus meiner Sicht, ungeachtet ihrer tatsächlichen Performance im Vergleich zu festem Personal. Ein selbstreferentielles System schützt Ineffizienz. Zudem ist ein kontinuierlicher Abwärtstrend bei den Vertragskonditionen für Neueinstellungen festzustellen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Widersprüchliches Handeln beim Thema Nachhaltigkeit: Offizielle Bemühungen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks stehen im Kontrast zur manchen internen Praxis. Insbesondere in abseits gelegenen oder schwächer kontrollierten Prozessen werden Umwelt- und Sozialstandards zugunsten von Bequemlichkeit und Effizienz gerne mal ignoriert. Die Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und tatsächlicher Umsetzung bietet noch Luft nach oben aber generell sprechen die Zahlen für die Siltronic.
Kollegenzusammenhalt
Kollegialität existiert lediglich oberflächlich. Die tatsächliche Gruppendynamik funktioniert über Intrigen und das gezielte Ausspielen von Kollegen, um den eigenen Status zu sichern. Das Umfeld belohnt reines Duckmäusertum und Anpassung. Die hohe Fluktuation zeigt das Ausmaß deutlich: Mitarbeiter mit Prinzipien und Eigeninitiative, die dieses toxische Verhalten nicht tolerieren wollen, verlassen den Betrieb meist nach kurzer Zeit – freiwillig oder unfreiwillig.
Umgang mit älteren Kollegen
Mangelnde Fürsorgepflicht gegenüber leistungseingeschränkten/älteren Mitarbeitern: Personallücken führen manchmal zu extremer Überlastung Einzelner. Statt struktureller Entlastung greift eine zynische Täter-Opfr-Umkehr, bei der Überarbeitung als „hausgemachter Stress“ abgetan wird, während im direkten Austausch Schein-Empathie dominiert. Führungskräfte tolerieren diese Überlastung stillschweigend, um operativen Mehraufwand zu vermeiden. Trotz fortschreitender technologischer Modernisierung entwickelt sich die Führungskultur leider spürbar zurück.
Vorgesetztenverhalten
Sehr inhomogenes Führungsbild: Führungskräfte mit fundierter Expertise besitzen selten den nötigen Einfluss. Im Gegenzug prägen sachfremde Debatten und Schikanierungen den Alltag, ohne irgendeinen Mehrwert für Prozesse oder Ergebnisse zu liefern. Auffälliges power tripping einzelner Vorgesetzter wird bagatellisiert. Konstruktive Kritik daran wird nicht ernst genommen oder unter den Teppich gekehrt.
Arbeitsbedingungen
Spürbarer Abwärtstrend: Während die Rahmenbedingungen in der Vergangenheit annehmbar waren, dominiert heute eine reine Output- und Kostensenkungsmentalität. Physisches und psychisches Wohlbefinden im operativen Bereich werden den geforderten Produktionsvolumina klar untergeordnet. Der Fokus liegt einseitig auf Effizienzsteigerung und Margen, zulasten einer zumutbaren Arbeitsumgebung. Dazu trägt auch der immer schwächer werdende Betriebsrat bei, der mittlerweile gefühlt häufig einfach auf Kurs der Geschäftsleitung einschwenkt, statt wie früher die Konfrontation nicht zu scheuen. Vmtl muss man sich den Vergleich gefallen lassen, wie viel günstiger es wäre, einfach in Asien zu produzieren und versucht den Standort zu erhalten aber trotzdem...
Kommunikation
Professionelle Kommunikation sucht man vergeblich. Stattdessen dominieren Flurfunk, Gerüchte und ein extremes Ausspielen von Kollegen hinter deren Rücken. Fachliche Motivation ist im Team kaum spürbar.
Auffällig ist das fehlende Tiefenverständnis an den Anlagen: Prozesse werden selbst nach Jahren nur blind abgewickelt, Ursachen und Wirkungen nicht begriffen. Die Weitergabe dieses unvollständigen Wissens im Rahmen des Onboardings führt zu einer sukzessiven Verschlechterung des Ausbildungsstandes im Operator-Bereich. Vorhandene digitale Schulungsangebote bleiben schlicht ungenutzt.
Gleichberechtigung
Offiziell wird Gleichberechtigung propagiert, in der Praxis herrscht jedoch ein klares Mehrklassensystem: An erster Stelle stehen persönliche Günstlinge der Führungskräfte, gefolgt von der alteingesessenen Stammbelegschaft. Wer durch Fleiß den Vorgesetzten Arbeit abnimmt, wird geduldet – die breite Masse teilt sich den Rest. Dieses Muster ungleicher Behandlung zieht sich bereichsübergreifend durch den gesamten Betrieb meiner Erfahrung nach. Das sage ich als Mitarbeiter, der selbst von diesen Strukturen profitiert hat in der Vergangenheit und Gegenwart.
Interessante Aufgaben
Das Portfolio an Tätigkeiten bietet theoretisch vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten. In der Realität ist die Zuweisung attraktiver Aufgaben jedoch stark intransparent. Die Verteilung spannender Rollen und Einsatzgebiete wird maßgeblich durch informelle Netzwerke und Bevorzugung gesteuert, statt auf nachvollziehbaren Qualifikations- oder Leistungskriterien zu basieren.

