Fachlich interessanter Beruf – Arbeitsklima, Führung und der Umgang mit Privatleben für mich nicht akzeptabel
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die eigentliche Tätigkeit als Wagenmeister ist interessant und verantwortungsvoll. Auch der zur Verfügung gestellte Dienstwagen war für wechselnde Einsatzorte sinnvoll. Eine Einarbeitung wurde durchgeführt. Viel mehr Positives kann ich aus meiner persönlichen Beschäftigungszeit leider nicht nennen. Meine Erfahrungen danach haben mir allerdings gezeigt, wie sehr ein gutes Arbeitsklima, klare Strukturen, vernünftige Kollegen und respektvolle Führung darüber entscheiden, ob man denselben Beruf gerne ausübt oder nicht.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Für mich war es vor allem die Kombination aus schwacher Planbarkeit, hoher erwarteter Flexibilität, problematischem Arbeitsklima und einer aus meiner Sicht schlechten Fehler- und Kommunikationskultur. Die öffentliche Arbeitgeberantwort bestätigt diesen Eindruck für mich im Nachhinein eher, als ihn zu widerlegen. Besonders die Aussage über angeblich „verbranntes Geld“ während meiner Einarbeitung sowie die Erwähnung meiner privaten Verpflichtungen empfinde ich als wenig wertschätzend. Auch die öffentlich erhobenen fachlichen Vorwürfe zu Schlussscheiben und Radvorlegern lasse ich nicht einfach stehen. Mir wurden diese angeblichen Beanstandungen damals nicht unmittelbar am Zug gezeigt und mit mir fachlich aufgearbeitet. Der betreffende Zug wurde erst später nochmals von einem anderen Mitarbeiter kontrolliert. Was zwischen Abschluss meiner Untersuchung und dieser späteren Kontrolle geschah, kann ich nicht beurteilen. Eine spätere Fotodokumentation zeigt zunächst den Zustand zum Zeitpunkt dieser späteren Kontrolle und ermöglicht für sich allein keine sichere Aussage darüber, wann ein Zustand entstanden ist. Gerade bei angeblich sicherheitsrelevanten Beanstandungen hätte ich eine unmittelbare, nachvollziehbare und kollegiale Aufarbeitung erwartet. Die pauschale Bemerkung „von den Radvorlegern gar nicht zu sprechen“ ist für mich ebenfalls keine fachliche Darstellung eines konkreten Sachverhalts. Jeder Bewerber sollte sich deshalb selbst ein Bild machen. Wenn möglich, würde ich vor einer Unterschrift einen Probearbeitstag empfehlen und den Arbeitsvertrag sehr sorgfältig prüfen. Heute kann man eine PDF beispielsweise zunächst mit einem KI-System strukturiert analysieren lassen und sich problematische Klauseln erklären lassen; bei rechtlich relevanten Fragen sollte anschließend fachkundiger Rat eingeholt werden. Ich selbst hatte damals bereits beim Vertrag Bauchschmerzen und hätte darauf hören sollen. Die Erfahrung war lehrreich, wiederholen würde ich sie jedoch nicht. Für mich persönlich: einmal und nie wieder.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Struktur statt dauerhafter Improvisation. Ein Wochenplan sollte auch echte Planbarkeit ermöglichen und nicht gleichzeitig durch ständige kurzfristige Verfügbarkeit relativiert werden. Klare Regelungen zu Arbeitszeit, Erreichbarkeit und gegebenenfalls Rufbereitschaft wären aus meiner Sicht notwendig. Ebenso wichtig wären eine professionelle Fehlerkultur, direkte Gespräche bei fachlichen Problemen, strukturierte Einarbeitung und mehr gegenseitiger Respekt. Wenn ein Mitarbeiter meldet, dass eine Einarbeitungskonstellation menschlich nicht funktioniert, sollte eine Führungskraft reagieren. Eine neutrale Arbeitnehmervertretung würde ich ebenfalls für sinnvoll halten. Und bei öffentlichen Bewertungen würde ich empfehlen, sachlich auf Kritik einzugehen, statt private Lebensumstände ehemaliger Mitarbeiter zum Thema zu machen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als angespannt, rau und teilweise wenig wertschätzend erlebt. Ein rauer Umgangston ist im Eisenbahnbetrieb für mich grundsätzlich kein Problem, wir sind schließlich keine Mimosen. Entscheidend ist für mich aber der Unterschied zwischen einer direkten Art und fehlendem gegenseitigem Respekt. Gerade während meiner Einarbeitung hatte ich mehrfach den Eindruck, fachlich und persönlich nicht unvoreingenommen aufgenommen zu werden. Probleme habe ich angesprochen, ohne dass sich für mich erkennbar etwas änderte. Die spätere öffentliche Arbeitgeberantwort mit Formulierungen über „verbranntes Geld“ und persönlichen Spitzen entspricht leider ziemlich genau dem Umgangston, den ich damals wahrgenommen habe.
Image
Mein Bild vom Unternehmen hat sich durch meine Beschäftigung und besonders durch die spätere öffentliche Arbeitgeberantwort deutlich verschlechtert. Eine kritische Bewertung sachlich zu beantworten, finde ich vollkommen legitim. Wenn eine Antwort jedoch mit privaten Lebensumständen, angeblich „verbranntem Geld“, einem Smiley und fachlichen Andeutungen gegen einen ehemaligen Mitarbeiter arbeitet, vermittelt das mir persönlich kein professionelles Bild. Gerade die Art dieser Antwort sagt aus meiner Sicht mehr über die Unternehmenskultur aus als jede Hochglanzdarstellung.
Work-Life-Balance
Hier lag für mich eines der größten Probleme. Es gab zwar einen Wochenplan, dennoch empfand ich die tatsächliche Planbarkeit als gering. Ein Einsatz konnte beispielsweise morgens liegen und der nächste erst viele Stunden später am Abend, wodurch der gesamte Tag praktisch für die Arbeit gebunden war. Zusätzlich kamen kurzfristige telefonische Anfragen, auch an freien Tagen oder am Wochenende. Natürlich gibt es im Schienengüterverkehr Tagesgeschäft. Für mich passt aber die Aussage „es gibt einen Wochenplan“ nur bedingt zu einer gleichzeitig sehr hohen Erwartung spontaner Verfügbarkeit. Besonders befremdlich finde ich, dass der Arbeitgeber in seiner öffentlichen Antwort sogar meine Kinderbetreuung und meinen Sport erwähnt. Für mich zeigt das sehr deutlich, wie unterschiedlich unsere Vorstellungen von Freizeit und beruflicher Erreichbarkeit sind.
Karriere/Weiterbildung
Über die Tätigkeit als Wagenmeister hinaus war für mich keine erkennbare berufliche Entwicklungsperspektive vorhanden. Eine Einarbeitung in die Tätigkeit selbst ist für mich keine Karriereentwicklung. Mir wurden weder konkrete Aufstiegsmöglichkeiten noch ein nachvollziehbarer Entwicklungsweg aufgezeigt. Wer einfach dauerhaft als Wagenmeister arbeiten möchte, kann das anders beurteilen. Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, sollte dieses Thema im Vorstellungsgespräch sehr konkret hinterfragen.
Gehalt/Benefits
Man konnte nach Aussage des Arbeitgebers bei entsprechender Einsatzbereitschaft gut verdienen. Für mich ist entscheidend, unter welchen Bedingungen dieses Einkommen zustande kommt. Wenn dafür sehr hohe Flexibilität und kurzfristige Verfügbarkeit erwartet werden, ist das eine persönliche Abwägung. In meinem damaligen Arbeitsverhältnis habe ich keine besonderen Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld wahrgenommen; positiv war der Dienstwagen. Von Mitarbeitern wurde mir damals außerdem erzählt, dass es längere Zeit keine Lohnanpassungen gegeben habe. Da ich dies selbst nicht über mehrere Jahre beurteilen kann, möchte ich daraus aber keine eigene Tatsachenbehauptung machen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zum Umweltbereich kann ich wenig sagen. Beim sozialen Umgang fällt meine persönliche Einschätzung deutlich kritischer aus. Für mich gehören zu sozialem Verantwortungsbewusstsein auch ein respektvoller Umgang, verlässliche Rahmenbedingungen und die Akzeptanz, dass Arbeitnehmer außerhalb ihrer Arbeitszeit ein eigenes Leben haben. Eine neutrale Arbeitnehmervertretung beziehungsweise ein Betriebsrat war für mich während meiner Beschäftigung nicht erkennbar. Gerade in einem Unternehmen mit stark schwankenden Einsatzzeiten hätte ich eine solche Interessenvertretung persönlich als sinnvoll empfunden.
Kollegenzusammenhalt
Den Kollegenzusammenhalt habe ich persönlich als schwach erlebt. Besonders während meiner Einarbeitung funktionierte die Zusammenarbeit mit einem mir zugeordneten Mitarbeiter menschlich überhaupt nicht. Das habe ich auch gegenüber meinem Vorgesetzten angesprochen. Von Kollegen erwarte ich nicht, dass immer alle Freunde sind, sondern dass man professionell zusammenarbeitet, sich fachlich unterstützt und Probleme direkt miteinander klärt. Genau dieses Gefühl hatte ich dort nicht. Für mich war die Zusammenarbeit teilweise eher von Gegeneinander als von Miteinander geprägt.
Umgang mit älteren Kollegen
Speziell den Umgang mit älteren Mitarbeitern kann ich nicht belastbar beurteilen. Den allgemeinen Umgangston empfand ich zwar teilweise als rau, daraus möchte ich aber keine besondere Aussage über diese Mitarbeitergruppe ableiten. Deshalb bewerte ich diesen Punkt neutral.
Vorgesetztenverhalten
Ich habe während meiner Einarbeitung Probleme mit der Zusammenarbeit angesprochen und hätte erwartet, dass diese ernst genommen und zumindest geprüft werden. Die Organisation, Dauer und personelle Gestaltung einer Einarbeitung bestimmt letztlich der Arbeitgeber. Deshalb empfinde ich die spätere öffentliche Aussage, mit meiner Einarbeitung sei „viel Geld verbrannt“ worden, als besonders unangebracht. Wenn eine Einarbeitung aus Sicht eines Unternehmens nicht effektiv läuft, ist es Aufgabe der Führung, gegenzusteuern. Dem Mitarbeiter später vorzuhalten, dass er während einer angeordneten Einarbeitung bezahlt wurde, entspricht nicht meinem Verständnis guter Führung und Wertschätzung.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen empfand ich vor allem organisatorisch als schwierig. Ein Dienstwagen war vorhanden und für die Tätigkeit sinnvoll. Die Einsatzgestaltung war für mich dagegen wenig attraktiv: teilweise weit auseinanderliegende Leistungen innerhalb eines Tages und zusätzliche kurzfristige Anfragen erschwerten eine vernünftige private Planung. Auch den damaligen Arbeitsvertrag würde ich mit meiner heutigen Erfahrung nicht noch einmal einfach unterschreiben. Mein Rat an Bewerber wäre, den Vertrag und alle Zusatzvereinbarungen vorab sehr genau prüfen zu lassen und besonders auf Arbeitszeit, Überstunden, Erreichbarkeit, Vergütung und Ausschlussfristen zu achten.
Kommunikation
Die Kommunikation empfand ich als wenig strukturiert und teilweise unnötig konfrontativ. Probleme oder mögliche fachliche Fehler sollten aus meiner Sicht zuerst mit dem betroffenen Mitarbeiter besprochen werden. Gerade unter Wagenmeistern erwarte ich, dass man miteinander redet, einen Befund gemeinsam betrachtet und anschließend eine Lösung findet. Stattdessen hatte ich teilweise den Eindruck, dass Informationen eher weitergetragen oder in Gruppen thematisiert wurden. Fachliche Kontrolle ist wichtig, aber eine vernünftige Fehlerkultur besteht für mich aus direkter Kommunikation und nicht daraus, Kollegen im Nachhinein vorzuführen.
Gleichberechtigung
Diesen Bereich kann ich aufgrund meiner kurzen Beschäftigungszeit nicht ausreichend beurteilen. Deshalb möchte ich weder positive noch negative Behauptungen aufstellen und vergebe eine neutrale Bewertung.
Interessante Aufgaben
Die Tätigkeit als Wagenmeister selbst bewerte ich deutlich positiv. Güterwagen technisch zu untersuchen, Mängel fachlich zu bewerten und Verantwortung für die Betriebssicherheit zu übernehmen, ist eine interessante und anspruchsvolle Tätigkeit. Meine negative Bewertung richtet sich ausdrücklich nicht gegen den Beruf. Im Gegenteil: Gerade meine Erfahrungen danach haben mir gezeigt, dass derselbe Beruf unter anderen organisatorischen und menschlichen Rahmenbedingungen völlig anders erlebt werden kann. Mein Problem war nicht die Wagenmeisterarbeit, sondern das damalige Umfeld.