Beruflich interessant – menschlich sehr enttäuschend
Gut am Arbeitgeber finde ich
Spannende Branche, interessante Aufgaben und immer wieder gute, zukunftsgerichtete Ideen. Weiterbildung war grundsätzlich möglich und wurde unterstützt. Auch die Möglichkeit zum Homeoffice empfand ich als klaren Pluspunkt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die größte Schwäche ist für mich die Diskrepanz zwischen Außendarstellung und gelebter Realität. Gute Ideen gibt es viele – an Konsequenz in der Umsetzung fehlt es leider häufig. Und das beginnt aus meiner Sicht ganz oben.
Wer Verantwortung übernimmt und unbequeme Themen anspricht, sollte Rückendeckung bekommen – nicht zurückgepfiffen werden, sobald es unangenehm wird. Führung und Kommunikation empfand ich gerade in schwierigen Situationen als wenig transparent und verlässlich.
Auch beim Kollegenzusammenhalt hatte ich einen ambivalenten Eindruck: Vorne freundlich, hinten teilweise deutlich anders. Der Buschfunk funktionierte dabei nicht selten besser als die offiziellen Kommunikationswege.
Interessante Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten sind definitiv vorhanden. Allerdings hatte ich teilweise den Eindruck, dass Karriere schneller gemacht wird, als fachliche und persönliche Reife nachkommt.
Das Unternehmen lebt noch stark von seinem früheren Ruf als Premiumanbieter. Mein Eindruck: Während sich der Markt weiterdreht, schaut man intern teilweise noch zu lange zurück.
Besonders enttäuschend war für mich schließlich der Umgang mit meinem Ausscheiden. Gerade wenn es schwierig wird, zeigt sich, wie viel von den schönen Werten tatsächlich übrig bleibt. Und da wird die vorher geleistete Arbeit ganz schnell vergessen.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen braucht aus meiner Sicht weniger schöne Worte und mehr Konsequenz bei der Umsetzung – und das muss ganz oben beginnen.
- Führung sollte stärker durch Klarheit, Verbindlichkeit und Rückgrat geprägt sein.
- Die interne Kommunikation braucht deutlich mehr Struktur und Zielgruppenorientierung.
- Mehr Konsequenz bei der Auswahl und Entwicklung von Führungskräften
Arbeitsatmosphäre
Teilweise gibt es sehr große, helle und angenehme Büros, teilweise sind die Arbeitsplätze jedoch relativ eng und durch die räumlichen Gegebenheiten auch entsprechend laut. Positiv hervorzuheben ist die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Diese Flexibilität habe ich als sehr angenehm empfunden und als echten Pluspunkt im Arbeitsalltag gesehen. IT-Ausstattung war super!
Kommunikation
Die zielgruppengerechte Kommunikation ist aus meiner Sicht eine klare Schwachstelle. Informationen erreichen die jeweiligen Zielgruppen teilweise verspätet, unvollständig oder nicht passend aufbereitet. Das Intranet hatte für mich nicht den Stellenwert und die Steuerung, die man bei einem Unternehmen dieser Größe erwarten würde. So entstand nicht selten der Eindruck, dass Informationen eher zufällig durch die Organisation wandern. Bezeichnend war für mich, dass der „Buschfunk“ häufig schneller und besser funktionierte als die offiziellen Kommunikationswege.
Kollegenzusammenhalt
Auf den ersten Blick wird häufig freundlich und kollegial miteinander umgegangen. Hinter den Kulissen habe ich allerdings teilweise eine ganz andere Dynamik erlebt. Nach meiner Wahrnehmung wird viel übereinander statt miteinander gesprochen, und nicht immer fühlt sich die Zusammenarbeit so loyal an, wie es der erste Eindruck vermuten lässt. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, dass man im direkten Gespräch Unterstützung erfährt, während hinter dem Rücken bereits anders über einen gesprochen wird. Für mich ist das keine gute Grundlage für echten Zusammenhalt und Vertrauen
Work-Life-Balance
WLB war super. Arbeit in Teilzeit ist super möglich und wird respektiert. Keine Anrufe oder Mails mehr nach Dienstschluss beantworten müssen.
Vorgesetztenverhalten
Hier liegt für mich eine der größten Schwächen des Unternehmens. Führung habe ich teilweise weniger als Orientierung, Verbindlichkeit und Rückhalt erlebt, sondern vielmehr als stark situationsabhängig. Solange Themen angenehm und unkompliziert sind, funktioniert Führung gut. Sobald es kritisch oder unbequem wird, scheint sich die Haltung jedoch schnell zu verändern.
Besonders problematisch finde ich den Umgang mit Mitarbeitenden, die tatsächlich Verantwortung übernehmen, Dinge hinterfragen und unangenehme Themen offen ansprechen. Aus meiner Wahrnehmung wird genau dieses Verhalten nicht konsequent gefördert – teilweise wird eher zurückgerudert oder derjenige ausgebremst, der das Problem anspricht.
Hinzu kommt eine aus meiner Sicht auffällige Diskrepanz zwischen dem Anspruch moderner Führung und dem tatsächlichen Verhalten. Entscheidungen werden nicht immer transparent erklärt, Verantwortung wird nicht durchgängig übernommen und Konflikte werden teilweise eher vermieden als offen ausgetragen.
Mein persönliches Fazit: Führung sollte aus meiner Sicht gerade dann stattfinden, wenn es unangenehm wird – nicht nur, solange alle Beteiligten einer Meinung sind.
Interessante Aufgaben
Interessante und anspruchsvolle Aufgaben sind definitiv vorhanden. Das Problem ist weniger das „Was“, sondern vielmehr das „Was passiert daraus?“. Eigeninitiative und gute Ideen werden zwar grundsätzlich begrüßt, aber aus meiner Sicht nicht ausreichend gefördert und häufig nicht konsequent weiterverfolgt. Gerade für engagierte Mitarbeitende ist das schade, weil dadurch viel Potenzial ungenutzt bleibt.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern vorhanden, allerdings hatte ich wiederholt den Eindruck, das langjährige Kollegen bevorzugt werden und dann von der ein oder anderen Betriebsvereinbarung schonmal eine Ausnahme gemacht wird.
Umgang mit älteren Kollegen
Konnte ich keinerlei Diskriminierung feststellen.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Benefits bewegen sich insgesamt im durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Bereich.
Ansonsten: die üblichen Benefits, inklusive des obligatorischen Obstkorbs.
Image
Das Unternehmen hat zweifellos lange von seinem Ruf als Premiumanbieter profitiert. Mein Eindruck war allerdings, dass dieses Selbstbild teilweise stärker gepflegt wird als die konsequente Auseinandersetzung mit der aktuellen Marktrealität. Einige scheinen gedanklich noch in der „guten alten Zeit“ zu leben, während sich Markt und Wettbewerb längst weiterentwickelt haben. Gerade angesichts der internen Schwankungen der letzten Zeit hätte ich mir mehr Selbstreflexion, Konsequenz und einen stärkeren Blick nach vorne gewünscht.
Karriere/Weiterbildung
Karriere kann im Unternehmen durchaus schnell gemacht werden. Ob die Geschwindigkeit der Entwicklung dabei immer mit der fachlichen und persönlichen Reife für die jeweilige Position einhergeht, habe ich allerdings nicht in allen Fällen so erlebt. Gerade bei Führungspositionen hätte ich mir teilweise klarere und konsequentere Kompetenzkriterien gewünscht.
Weiterbildung war hingegen grundsätzlich gut möglich und wurde unterstützt – ein positiver Aspekt, den ich ausdrücklich hervorheben möchte.

