Wenn Führung zur größten Herausforderung wird
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt zahlreiche engagierte, fachlich kompetente und loyale Kolleginnen und Kollegen, die trotz schwieriger Rahmenbedingungen versuchen, ihre Arbeit gewissenhaft zu erledigen. Der Zusammenhalt unter vielen Beschäftigten ist bemerkenswert. Auch die Zugehörigkeit zu einer größeren Unternehmensgruppe bietet grundsätzlich Chancen, die aus meiner Sicht auf lokaler Ebene bislang nicht ausreichend genutzt werden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Eine Führungskultur, die nach meiner Wahrnehmung stärker von persönlichen Loyalitäten, Kontrolle und Selbstdarstellung geprägt ist als von fachlicher Kompetenz, Vertrauen und konstruktiver Zusammenarbeit.
Besonders kritisch empfinde ich die deutliche Diskrepanz zwischen den nach außen kommunizierten Unternehmenswerten und dem tatsächlich erlebten Führungsverhalten.
Verbesserungsvorschläge
Die Geschäftsführung sollte das eigene Führungsverständnis kritisch reflektieren und sich einer unabhängigen Bewertung der gelebten Führungskultur stellen.
Führungspositionen sollten nachvollziehbar nach Kompetenz, Führungsfähigkeit und Eignung besetzt werden. Loyalität darf nicht mit uneingeschränkter Zustimmung verwechselt werden.
Darüber hinaus braucht es eine tatsächlich gelebte Fehler- und Feedbackkultur, in der Kritik ausdrücklich erwünscht ist und keine persönlichen Nachteile befürchtet werden müssen.
Anonyme Mitarbeiterbefragungen sollten als Chance zur Verbesserung verstanden werden und nicht als Anlass, kritische Stimmen zu identifizieren.
Entscheidungen über Gehälter, Entwicklungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten sollten auf transparenten Kriterien beruhen.
Vor allem aber sollte sich die Geschäftsführung bewusst machen, dass Respekt keine Einbahnstraße ist.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist zunehmend von Unsicherheit, Frustration und Resignation geprägt.
Nach meiner Wahrnehmung haben sich bereits mehrere Beschäftigte entschieden, das Unternehmen zu verlassen, teilweise auch ohne unmittelbar anschließende berufliche Perspektive. Das sollte Anlass für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ursachen sein.
Besonders bedauerlich ist, dass engagierte Menschen irgendwann aufhören, Verbesserungsvorschläge einzubringen, weil sie nicht mehr daran glauben, tatsächlich etwas verändern zu können.
Wenn Schweigen als sicherer empfunden wird als konstruktive Kritik, besteht aus meiner Sicht erheblicher Handlungsbedarf.
Kommunikation
Die interne Kommunikation ist aus meiner Sicht eines der größten Defizite.
Informationen werden nicht immer transparent weitergegeben. Kritische Rückmeldungen scheinen auf dem Weg durch die Hierarchie teilweise an Wirkung zu verlieren. Dadurch entsteht der Eindruck, dass gegenüber übergeordneten Führungsebenen nicht zwangsläufig ein vollständiges Bild der tatsächlichen Stimmung und operativen Herausforderungen vermittelt wird.
Besonders irritierend ist der Umgang mit anonymem Mitarbeiterfeedback. Wenn nach kritischen Rückmeldungen die Frage nach deren Urhebern in den Vordergrund rückt, statt sich mit den angesprochenen Problemen auseinanderzusetzen, leidet das Vertrauen in solche Instrumente erheblich.
Eine offene Feedbackkultur lässt sich nicht allein durch Unternehmenswerte, Präsentationen und Mitarbeiterbefragungen etablieren. Sie muss insbesondere von der Geschäftsführung vorgelebt werden.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter vielen Kolleginnen und Kollegen ist eine der wenigen Konstanten.
Gerade die gegenseitige Unterstützung hilft dabei, schwierige Situationen aufzufangen und den Arbeitsalltag zu bewältigen.
Allerdings sollte ein guter Kollegenzusammenhalt nicht dauerhaft die Defizite einer unzureichenden Führungskultur kompensieren müssen. Es kam auch in der jüngsten Vergangenheit vor, dass Intrigen hinter einem Rücken geschmiedet wurden, die nicht unterbunden wurden, sondern den Eindruck übermittelten, die gesamte Stimmung noch zum Kippen bringen zu wollen. Auch hier erwarte ich ein Deeskalation seitens der Führungskräfte und vor allem der Geschäftsführung.
Work-Life-Balance
Es gibt eine Vereinbarung zum partiellen mobilen Arbeiten, jedoch wird regelmäßig von einflussreichen Seiten Unmut darüber kommuniziert, wenn man dies in Anspruch nimmt.
Vorgesetztenverhalten
Aus meiner Sicht besteht eine der größten Herausforderungen des Unternehmens in der Art und Weise, wie Führung verstanden und gelebt wird.
Es entsteht der Eindruck, dass für die Zugehörigkeit zum engeren Führungskreis persönliche Loyalität und Zustimmung teilweise wichtiger sind als fachliche Expertise, Führungskompetenz oder die Bereitschaft, bestehende Entscheidungen kritisch zu hinterfragen.
Wer Entscheidungen konstruktiv infrage stellt, erlebt nach meiner Wahrnehmung nicht immer einen offenen Dialog. Vielmehr entsteht mitunter das Gefühl, dass kritische Stimmen als störend wahrgenommen werden und sich dies negativ auf die weitere Zusammenarbeit auswirken kann.
Besonders problematisch empfinde ich den Kommunikationsstil der Geschäftsführung. Schriftliche und mündliche Äußerungen werden teilweise als unangemessen scharf, herabsetzend oder einschüchternd wahrgenommen. Fehler und abweichende Ergebnisse führen nach meinem Eindruck nicht immer zu einer sachlichen Ursachenanalyse, sondern können mit persönlichem Druck und einem spürbaren Vertrauensverlust einhergehen.
Hinzu kommt ein ausgeprägtes Mikromanagement. Selbst operative Einzelheiten werden kontrolliert und hinterfragt.
Interessante Aufgaben
Nur für Personen, die der Führung nahe stehen. Dinge, die man selbst nicht verrichten möchte, werden einem dann gerne als interessantes Aufgabengebiet verkauft. Es hat sich eine Zweiklassengesellschaft entwickelt.
Gleichberechtigung
Die Wahrnehmung von Gleichbehandlung und Chancengerechtigkeit wird durch aus meiner Sicht wenig transparente Entscheidungen beeinträchtigt.
Insbesondere bei Entwicklungsmöglichkeiten, der Einbindung in Führungsgremien und Gehaltsentscheidungen wäre mehr Nachvollziehbarkeit wünschenswert.
Es entsteht teilweise der Eindruck, dass persönliche Nähe zur Geschäftsführung eine größere Rolle spielt, als dies in einer professionell geführten Organisation der Fall sein sollte.
Umgang mit älteren Kollegen
Sind die Unbequemen, die man gefühlt gerne aussortieren möchte. Allzu Gutes hört man zumindest nicht. In Hamburg ist das Team weitestgehend jung, was der Firmengeschichte geschuldet ist.
Arbeitsbedingungen
Die Atmosphäre ist zunehmend von Unsicherheit, Frustration und Resignation geprägt.
Nach meiner Wahrnehmung haben sich bereits mehrere Beschäftigte entschieden, das Unternehmen zu verlassen, teilweise auch ohne unmittelbar anschließende berufliche Perspektive. Das sollte Anlass für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ursachen sein.
Besonders bedauerlich ist, dass engagierte Menschen irgendwann aufhören, Verbesserungsvorschläge einzubringen, weil sie nicht mehr daran glauben, tatsächlich etwas verändern zu können.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Werteverständnis wird nach außen hin dargestellt. Im Kern des Unternehmens brodelt es.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung ist nicht grundsätzlich schlecht. Allerdings fehlt es aus meiner Sicht an Transparenz und nachvollziehbaren Kriterien bei Gehaltsentwicklungen.
Es entsteht der Eindruck, dass Gehaltsentscheidungen nicht immer anhand einheitlicher, objektiver Maßstäbe getroffen werden.
Gerade in einem Unternehmen, das Professionalität und Fairness für sich beansprucht, wären transparente Gehaltsstrukturen und nachvollziehbare Entwicklungsmöglichkeiten ein wichtiger Schritt.
Image
Zwischen der Außendarstellung und dem intern erlebten Führungsalltag besteht aus meiner Sicht eine erhebliche Diskrepanz.
Die Unternehmensgruppe kommuniziert moderne Werte wie Offenheit, Zusammenarbeit, Vertrauen und Wertschätzung. Diese Ansprüche werden auf lokaler Führungsebene nach meiner Wahrnehmung nicht konsequent umgesetzt.
Besonders kritisch ist, wenn Führungskräfte nach außen Professionalität und Geschlossenheit vermitteln, während intern Entscheidungen, Kommunikation und Prozesse erhebliche Unzufriedenheit auslösen.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Präsentationen oder Leitbilder, sondern durch das tägliche Verhalten.
Karriere/Weiterbildung
Fachliche Kompetenz und kritisches Mitdenken werden nach meiner Wahrnehmung nicht immer ausreichend honoriert.
Wer bestehende Strukturen hinterfragt oder Verbesserungspotenziale aufzeigt, muss damit rechnen, nicht als konstruktiver Impulsgeber wahrgenommen zu werden.
Eine moderne Organisation sollte gerade diejenigen fördern, die unterschiedliche Perspektiven einbringen, Verantwortung übernehmen und auch unbequeme Themen ansprechen.

