Erster Ansprechpartner, letzte Priorität. Servicekräfte bei der Sparkasse Remscheid am Limit
Verbesserungsvorschläge
Es wäre wünschenswert, die Personalstärke im Service-Team zu erhöhen, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Jede Geschäftsstelle sollte einen festen Leiter vor Ort haben, damit Mitarbeitende in herausfordernden Situationen direkte Unterstützung erhalten, statt allein auf Schulungen zur Gewaltprävention angewiesen zu sein.
Auch die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen, insbesondere Quereinsteiger, könnte verbessert werden, um schneller Sicherheit und Routine im Service zu ermöglichen.
Eine Anpassung der Vergütung würde die Position attraktiver machen und die Motivation steigern.
Darüber hinaus wäre es hilfreich, wenn mehr Entscheidungsträger aus den oberen Abteilungen regelmäßig vor Ort die Arbeit im Service erleben, um ein realistisches Bild von den täglichen Herausforderungen und Leistungen des Teams zu erhalten.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeit mit den Kund:inne macht grundsätzlich Spaß, da der direkte Kontakt besonders abwechslungsreich ist. Gleichzeitig ist das Service-Team seit Jahren durch Neustrukturierung unterbesetzt, was den Arbeitsalltag erschwert zusätzlichen Druck erzeugt. Auch die Berater unterstützen häufiger im Service, wodurch die Belastung weiter steigt.Besonders herausfordernd ist die Arbeit am Schalter: Kunden kommen aus allen Situationen und Schichten, teilweise ungeduldig oder angetrunken.Ziel ist es, Kunden gezielt umzulenken, um Personalressourcen zu schonen. In der Praxis klappt das nicht immer, da Kunden Zeit benötigen. Warteschlangen führen so sowohl bei Kundinnen und Kunden als auch im Team zu Unmut.Zunehmend kommen neue Mitarbeiterinnen als Quereinsteiger ins Team, werden aber oft schnell ins „kalte Wasser“ geworfen, da kaum Zeit für intensive Einarbeitung bleibt. Auch Auszubildende werden nicht mehr systematisch auf den Service vorbereitet, wie es früher der Fall war.
Frühere Strukturen mit einem GS-Leiter und einer Vertretung gibt es nicht mehr, und bisher sind keine Änderungen geplant. Insgesamt wäre die Arbeit deutlich entspannter mit besserer personeller Einarbeitung.
Image
Nach außen präsentiert sich die Sparkasse als fairer Arbeitgeber mit transparenter Kommunikation. Im Service-Team wird dies jedoch teilweise anders erlebt: Mitarbeitende fühlen sich oft als letztes Glied in der Kette, und es entsteht der Eindruck, dass Anliegen aus dem Team nicht immer vollständig wahrgenommen oder umgesetzt werden.
Zwar werden neue Stellen ausgeschrieben und Quereinsteiger eingestellt, dennoch wäre es aus Sicht der Mitarbeitenden wünschenswert, das Grundgehalt anzupassen und den Arbeitsplatz attraktiver zu gestalten. Zuhören und aktives Aufgreifen von Rückmeldungen aus dem Team könnten die Wahrnehmung und die Motivation deutlich verbessern
Work-Life-Balance
Grundsätzlich gibt es flexible Arbeitszeiten, was positiv ist. Gleichzeitig werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig gefragt, ob sie kurzfristig einspringen können. Hinzu kommen Schulungen, die teilweise zusätzlich zur regulären Arbeitszeit geplant sind. Wenn man dies einmal nicht leisten kann, wirkt es manchmal negativ auf die Bewertung durch Vorgesetzte.
Teilzeitkräfte haben in der Praxis oft die gleichen Erwartungen wie Vollzeitkräfte, was die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zusätzlich erschwert.
Kollegenzusammenhalt
Die Atmosphäre im Team ist grundsätzlich in Ordnung, jedoch belastet die aktuelle Personalsituation die Stimmung deutlich. Es gibt unterschiedliche Arbeitsstile:stille und lautere Kolleginnen und Kollegen und insgesamt herrscht eine spürbare Frustration.
Auch neue Mitarbeiterinnen, insbesondere Quereinsteiger, haben es in dieser Situation nicht leicht. Mit angemessenerer Personalstärke und entsprechender Vergütung würde sich die Stimmung im Team erfahrungsgemäß deutlich verbessern.
Vorgesetztenverhalten
Die Vorgesetzte gibt ihr Bestes und ist sehr engagiert. Gleichzeitig leitet sie mehrere Abteilungen, was ihre Kapazitäten einschränkt. Die aktuelle Struktur der Sparkasse erschwert dies zusätzlich.
Oft bleibt das Team bei herausfordernden Situationen am Schalter auf sich allein gestellt. Es werden Schulungen zur Gewaltprävention angeboten, um Mitarbeitende im Umgang mit schwierigen Kunden zu unterstützen. Die Philosophie der Selbstorganisation wird stark betont, was aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar ist, in der Praxis jedoch herausfordernd ist, da die personellen Mittel begrenzt sind.
Die Vorgesetzte wird die Sparkasse zum Jahresende verlassen, ein Schritt, der sicherlich seine Gründe hat. Kein Vorwurf an sie; sie hat ihr Bestes gegeben, aber die Rahmenbedingungen machen die Arbeit nicht einfacher.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeit am Schalter ist körperlich herausfordernd, unter anderem durch die vorhandenen Stühle, die nicht optimalen Sitzkomfort bieten. Es gibt Austausch im Team darüber, wie dies verbessert werden könnte.
Pausen sind schwer einplanbar, insbesondere Trinkpausen, da der Kundendurchlauf konstant ist. Die Arbeit erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Leistungsbereitschaft. Es handelt sich teilweise um sehr akkordartige Tätigkeiten, die gleichzeitig mehrere Aufgaben erfordern.
Kommunikation
Regelmäßig finden Schulungen und Besprechungen statt, die grundsätzlich gut sind, um über Neuerungen informiert zu bleiben. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass es für die wenigen Servicekräfte sehr viele Termine sind: Es gibt Servicerunden, Teamrunden, Schulungen vor Ort und am PC. Letztere sollen am Arbeitsplatz erledigt werden, obwohl kein Homeoffice möglich ist.
Die Sparkasse legt Wert darauf, dass keine Überstunden geleistet werden , gleichzeitig ist es schwierig, die geforderten Schulungen vollständig während der regulären Arbeitszeit zu absolvieren. Nach Rückmeldungen aus dem Team wird dies aktuell geprüft.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung liegt am unteren Ende des TVöD-Niveaus. Betrachtet man die Verantwortung und die Vielzahl an Aufgaben, die die Position als erste Anlaufstelle für Kundinnen und Kunden mit sich bringt, erscheint das Gehalt vergleichsweise niedrig.
Wenn Kolleginnen und Kollegen Stellen mit ähnlichen Aufgaben finden, die weniger Belastung und gleichzeitig höhere Vergütung bieten, kann dies die Motivation und Zufriedenheit im Team spürbar beeinflussen.
Interessante Aufgaben
Die Stelle erfordert deutlich mehr Verantwortung, als auf dem Papier erkennbar ist. Zwar wirkt sie zunächst wie eine klassische Servicestelle, in der man hauptsächlich Routineaufgaben erledigt, tatsächlich muss man bei jedem Kundenfall aktiv mitdenken: Kundinnen und Kunden richtig beraten, Entscheidungen treffen, Anliegen an die passende Stelle weitergeben, umleiten und dabei die Zufriedenheit sicherstellen.
Die Arbeitsbelastung vorne am Schalter ist hoch, da man täglich vielfältige Herausforderungen meistert und mit unterschiedlichen Situationen und Kunden umgehen muss. Eine entsprechende Vergütung oder Zusatzleistung, die diese Verantwortung widerspiegelt, wäre wünschenswert. Es wäre zudem interessant, wenn Entscheidungsträger einmal selbst die Arbeit am Schalter erleben könnten, um ein vollständiges Bild der täglichen Anforderungen zu erhalten.