Es war einmal ... vor langer Zeit eine Top-Firma!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Betriebskantine begeistert mit einer beeindruckenden Auswahl erstklassiger Gerichte zu güstigen Preisen. Die Bezahlung liegt etwas über dem Branchentarifvertrag. Außerdem werden kostenlose Parkplätze, teilweise Homeoffice, Mitarbeiterrabatte und Sozialleistungen angeboten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ein stark konservatives und hierarchisches Unternehmen, das eine ausgeprägte Abneigung gegen Reformen oder Innovationen zeigt. Top-down Führungsstil, der die Autorität der vielen Vorgesetzten unterstreicht. Die Gehälter unterscheiden sich zudem deutlich auch zwischen Kollegen mit denselben Tätigkeiten. Das Personalwesen tritt äußerst arrogant und selbstzufrieden auf.
Verbesserungsvorschläge
Die Mehrheit der Führungskräfte sollte dringend ausgetauscht werden. Die Motivation und das Potenzial der Mitarbeiter sollten gefördert und nicht untergraben werden. Kritik wird nur sehr widerwillig angenommen oder sofort relativiert, wodurch jede Verbesserung im Keim erstickt wird. Jahrzehntealte Abläufe und Prozesse sollten dringend hinterfragt und reformiert werden, um die Effizienz und Effektivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Arbeitsatmosphäre
Ein Großteil der Belegschaft ist grundlegend misstrauisch. Dies ist eine Folge der steilen hierarchischen Struktur in Kombination mit dem Top-down-Führungsstil. Dadurch entwickeln Mitarbeiter rasch negative Dynamiken und Verhaltensweisen, die sich sehr nachteilig auf die Zusammenarbeit und das Betriebsklima auswirken und den Zusammenhalt in der Firma gefährden.
Kommunikation
In meiner Abteilung finden regelmäßig Besprechungen statt, die jedoch zumeist von einer Person allein gehalten werden (siehe auch Punkt Verbesserungsvorschläge).
Kollegenzusammenhalt
In vielen Abteilungen sind Kollegialität und Zusammenhalt entscheidend, um der Autorität mancher Vorgesetzten entgegenzuwirken.
Work-Life-Balance
Flexible Arbeitszeiten, einschließlich Gleitzeit, sind möglich, jedoch mit eingeschränkten Möglichkeiten. Die meisten Mitarbeiter sind offiziell auf eine 35-Stunden-Woche eingestellt. In der Produktion ist dies jedoch praktisch unmöglich, da die Aufgabenmenge und die täglichen Schichtüberschneidungen dem entgegenstehen.
Vorgesetztenverhalten
Vorgesetzte sitzen oftmals nur untätig ihre Zeit ab oder delegieren die Verantwortung für Ihre unzureichende Führungskompetenzen weiter. Positive Rückmeldungen oder gar Lob gibt es so gut wie nie, stattdessen wird mit Kritik nicht gespart. Mangelhafte Kommunikation, fehlendes Fachwissen und unzureichende Kenntnisse der Mitarbeiteraufgaben. Das Hauptaugenmerk liegt auf Selbstinszenierung, zu Lasten der Leistungen des gesamten Teams.
Interessante Aufgaben
Täglich wiederkehrende, überaus lästige und zeitintensive Tätigkeiten sind die Folge von Ineffizienz und Abteilungsdenken. Reformen oder gar Innovationen werden konsequent abgelehnt.
Gleichberechtigung
Männer und Frauen werden als Tarifangestellte gleich behandelt. Als Führungskräfte kommen jedoch fast nur Männer infrage. Es gibt zwar ein paar Frauen in höheren Positionen, damit man sagen kann, wir haben auch Frauen im gehobenen Management.
Umgang mit älteren Kollegen
Jüngere Mitarbeiter werden eindeutig bevorzugt, während die Meinungen älterer und erfahrener Kollegen oft ignoriert werden, da sie nicht ins Konzept passen.
Arbeitsbedingungen
Persönliche Arbeitsplätze werden zurückgebaut. Im Sommer sind viele Büros aufgrund fehlender Klimaanlagen zu heiß, während es im Winter bei einer voreingestellten Raumtemperatur von nur 19 °C zu kalt ist. Fenster – sofern überhaupt vorhanden – können nicht geöffnet werden. In den Besprechungsräumen ist die Luft immer stickig. Ständig führen mindestens drei bis vier Personen Telefonate, sodass man in den hellhörigen Großraumbüros jedes Wort mitbekommt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Siehe auch Image. Nachhaltigkeit und Fairness werden in allen Medien der Unternehmenskommunikation hervorgehoben. Umweltbewusstsein wird nur dann ernsthaft umgesetzt, wenn es dem Image zugutekommt oder sich finanziell auszahlt.
Gehalt/Benefits
Die übertarifliche Bezahlung ist akzeptabel und wird durch Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Möglichkeit, vergünstigte Genussrechte zu erwerben ergänzt. Leider ist das kaum noch überzeugend. Seit neuestem werden sogar rückwirkend Negativzinsen für Genussrechte verlangt.
Es gibt (noch) Erfolgsprämien die Verteilung ist jedoch hierarchieabhängig.
Höhere Führungskräfte erhalten bis zu 200% eines Monatsgehalts, während Tarifangestellte nur 40% bekommen (Transparenz ist auch hier unerwünscht). Zusätzlich bietet das Unternehmen eine betriebliche Altersvorsorge an, die jedoch seit Jahren kontinuierlich reduziert wird, sowie Fahrtkostenzuschüsse.
Auszubildende und Praktikanten erhalten einen generellen Rabatt von 50% auf die erstklassigen Gerichte in der Kantine.
Image
Das Image ist stark überbewertet und spiegelt die Realität nicht wider. Um ein positives Bild zu vermitteln, wird sehr viel Zeit und Geld in Hochglanz-Druckerzeugnisse und soziale Medien investiert, in denen sich die Firma selbst feiert und sich als innovativ und modern darstellt.
Karriere/Weiterbildung
Die persönliche Selbstdarstellung hat oberste Priorität – selbst wenn dies auf Kosten des gesamten Teams geht. Zudem wird erwartet, dass man die Ansichten der Vorgesetzten uneingeschränkt teilt. Leistung ist zwar wünschenswert, spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Personelle Entscheidungen erfolgen ohne Kriterien und nach freiem Ermessen der Vorgesetzten. Nachvollziehbare und überprüfbare Kriterien, wie ein Assessment-Center, werden als überflüssig angesehen.


