Gut am Arbeitgeber finde ich
Meine Studioleitung, die ich den letzten Monaten hatte, hat mir zumindest meine letzte Zeit erträglich gemacht und mir gezeigt, dass es auch ein bisschen Menschlichkeit hier und da in diesem Unternehmen gibt. Danke an sie.
Ganz nett waren auch die Azubiworkshops, da hat man gemerkt, jemand hat sich Mühe gegeben. Allerdings hatte ich eher das Gefühl, man wollte die Laune irgendwie verbessern und von den schlechten Sachen ablenken...
Verbesserungsvorschläge
Das Gehalt ist eine Demütigung und sollte unbedingt angepasst werden. Mindestens 12€ Netto die Stunde wären okay, als gelernte Kraft sollte man aber eigentlich noch mehr verdienen.
Die Technik muss funktionieren, damit der Arbeitsalltag wirklich läuft, da muss auch dran gearbeitet werden.
Das Arbeitszeitenmodell ist grauenvoll!
Warum gibt es keinen Wasserspender für die Mitarbeiter??? Und warum musste ich eigentlich meine Arbeitskleidung selbst zuhause waschen??
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre in meinem Studio war katastophal. Es ging drei Jahre lang die Klimaanglage nicht, bis man uns mitgeteilt hat, dass diese total verschimmelt und gesundheitsgefährdent ist.
Es gab kein Wasser für die Mitarbeiter und die Toilette mussten wir während der Arbeit selbst reinigen und mit den Kunden teilen.
Wenn wir uns mal Wasser aus dem Kühlschrank genommen haben, dann nur heimlich, damit wir keinen Ärger bekommen, denn das Wasser ist für die Kunden!!
Ich habe die letzten drei Jahre durchgehend Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme auf Arbeit gehabt und bin einmal auch umgekippt wegen der extremen Hitze, und Frischluftmangel (es gibt ja keine Fenster).
Die Kollegen sind zwar meistens okay, aber nicht selten wird die unangenehme Arbeit wie Pass und Bewerbungsbilder auf den schwächsten Kollegen geschoben, obwohl alle gerade nichts zu tun haben.
Und das ewige Geläster über andere gibt es durchgehend, zwischen Kollogen und auch Kollegen und Studioleitern, nur ins Gesicht sagt es dir niemand.
Karrierechancen
Während der Ausbildung hört man es hin und wieder mal, man kann Studioleitung werden oder Fototrainer oder aber auch Bereichsleitung. Leitungsjobs haben aber nichts mehr mit Fotografrieren zu tun und werden, obwohl viel mehr Aufwand und Arbeit, kaum besser bezahlt.
Fototrainer werden? Keine Ahung wie oder was das überhaupt ist. Die paar Male, als ich die sogenannten Fototrainer getroffen habe, haben die mit meiner Studioleitung gequatscht und waren dann auch schnell wieder weg.
Arbeitszeiten
Arbeitszeiten waren immer von frühestens 9:30 bis ca. 20:30 (manchmal auch später.) Ich hab meistens von 10:30-19:30 gearbeitet und eine Stunde Pause, wenn nichts dazwischen kam.
Man kann vorher nichts machen und danach auch nichts. Nach so einem 9Stunden Tag bist du aber eh total durchgeschwitzt und fertig...
Da sich das Studio nach den Öffnungszeiten des Einkaufszentrums richten muss, sind diese Arbeitszeiten natürlich am praktischsten.
Mir persönlich hätte es aber sehr viel gebracht, wenn ich einen frühen Feierabend in der Woche gehabt hätte. Einen Tag, an dem ich schon um 16 Uhr gehen kann, oder um 16:30 um Arzttermine wahrzunehmen oder den Einkauf zu erledigen, denn all sowas geht immer nur an deinem freien Tag.
Einen Arzttermin zu bekommen, den man mehrere Wochen im Vorraus machen muss, wenn man aber, mit Glück, gerade mal weis, wie man diese Woche arbeitet, ist nämlich absolut unmöglich...
Und um es nochmal ganz klar zu sagen: Für angestellte Fotogafen gibt es grundsätzlich KEINE freien Samstage.
Ausbildungsvergütung
1. Lehrjahr: 250€, 2. Lehrjahr: 350€ 3. Lehrjahr: 450€ im Monat mit 40-45 Stundenwochen...
Okay, es ist eine Ausbildung, ich finde, man kann nicht erwarten, da das große Geld zu machen, man wird ja (theoretisch) auch noch gelehrt und wenn es so wäre, dass man einfach die drei Jahre durchziehen muss und dann kriegt man richtiges, volles Gehalt, wäre es ja auch in Ordnung.
Aber ausgelernt bekommt man bei Studioline genau das gleiche Gehalt, wie ungelernt und das pendelt sich bei ca. 1200€ Netto ein.
7,50€ die Stunde??? Überstunden noch nicht mit eingerechnet??? Das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Damit wird dir gezeigt, dass deine Arbeit ÜBERHAUPT nicht gewertschätzt wird. Dafür arbeitest du dir JEDEN Tag von Morgens bis Abends den Hintern ab, damit du, wenn du Glück hast, gerade so über die Runden kommst, Urlaub und Auto zu finanzieren, unmöglich. Aber du hast ja eh gerade mal 3 1/2 Wochen Urlaub im Jahr...
In jedem anderen Job im Einzelhandel bekommst du für weniger und entspanntere Arbeit UNGELERNT mehr Geld.
Bei Studioline arbeitest du nicht um dir dein Leben zu finanzieren, sonern du lebst um zu arebeiten, denn leisten kannst du dir definitiv nichts.
Die Ausbilder
Als ich mit der Ausbildung angefangen habe, war meine Ausbilderin auch gleichzeitig meine Studioleitung. Sie ist eine tolle Fotografin und hat sehr viel Ahnung, allerdings war einfach immer viel zu viel zu tun, so dass wir wirklich selten Zeit hatten zu üben. Meine Ausbildung kam immer an zweiter oder besser gesagt, letzter Stelle, denn der Betrieb ging immer vor. Das Studio mal für eine Stunde zu sperren, damit ich üben kann, kam überhaupt nicht in Frage.
So war es auch mit meinen Schulaufgaben und Berichtsheftaufgaben, die ich eigentlicha auch während der Arbeit hättte machen sollen, aber das hat nie geklappt.
Als meine Studioleitung eine neue Stelle bekommen hat, hatte ich erstmal über mehrere Monate keinen Ausbilder, genau wie die anderen Azubis in unserem Team.
Schließlich hat dann eine andere Kollegin, die erst ein Jahr mit der Ausbildung fertig war, den Ausbilderschein gemacht.
Letztendlich habe ich mich kurz vor den Prüfungen insgesamt sehr schlecht vorbereitet gefühlt.
Die Ganze Ausbildung war wenig strukturiert und in meinen Augen, auch nicht proffessionell.
Spaßfaktor
Es hängt viel vom Team und von den Kunden ab, allerdings ist es immer die selbe Arbeit, es gibt keine Abwechslung und man fühlt sich manchmal, wie der letzte Depp , wenn man drei Jahre in einem Laden ohne Klimaanlage arbeitet, sich immer das Gemecker der Kunden anhören muss und dann auch noch ständig die Freizeit darunter leidet, weil man immer länger bleiben muss, oder sich vom einen Tag auf den anderen wieder der komplette Dienstplan ändert.
Das erste Jahr lang haben wir Sonntags gegen 22 Uhr erst Bescheid bekommen, wann wir nächste Woche, auch am Montag, da sein müssen. Das erfolgte über Whatsapp...
Auch sonst sind ständig Arbeitszeiten oder freie Tage ohne Absprache geändert worden, bis ich irgendwann bei einem Mitarbeitergergespräch in Tränen ausgebrochen bin, weil ich das nicht mehr ausgehalten habe. Auf die Einlösung des Versprechens, es würde besser werden, habe ich vergeblich gewartet.
Aufgaben/Tätigkeiten
Es ist jeden Tag die selbe Arbeit gewesen. Familien, die "keine gestellten Fotos haben wollen", Pass & Bewerbungsfotos, und andere Shootings, wie Babybauch, Erotik, Porträtsfotos usw.
In 30min. oder weniger, wenn dein Kollege vor dir im Studio länger gebraucht hat, musst du so schnell wie möglich, so viele Bilder wie möglich hinbekommen, sonst gibts später Ärger, weil du nicht genug Variation gehabt hast. Dann noch innerhalb der nächsten 30min so viele Bilder verkaufen, wie irgendwie möglich, sonst gibt es auch hier wieder Ärger, weil du zu wenig Umsatz gemacht hast und darunter leidet natürlich das ganze Team.
Der Workflow aus schminken (wir sind zwar keine Visagisten, aber schminken trotzdem), fotografieren und Bilder auswählen, wird in 99% aller Fälle durch weinende Kinder, nicht funktionierende Computer oder Drucker, kaputte Hintergründe, überhitzte Studios, Konfetti auf dem Boden und Verzögerungen durch die Kollegen erschwert, meistens alles gleichzeitig.
Ich bin jeden Morgen aufgewacht und habe den Tag schon bedauert, bevor er überhaupt begonnen hat, weil es so viele schreckliche, stressige Tage gab, dass ich manchmal nicht wusste, wie ich damit umgehen soll.
Variation
Klar, es kommen jeden Tag neue Kunden, aber das Spiel ist das Selbe. Du musst den Kunden die Füße küssen, egal ob sie nett zu dir sind oder nicht und bekommst den ganzen Frust und Unmut ab, wenn etwas nicht so läuft, wie die Kunden es sich wünschen.
Da freut man sich sogar, wenn man den Müll wegbringen kann, um mal ein paar Minuten Ruhe zu haben und dem ganzen Stress zu entkommen.
Immer lächeln und lachen zu müssen, auch wenn es einem mal nicht so toll geht, ist schrecklich.
Mal einen schlechten Tag zu haben geht gar nicht, denn das hält die Kunden ja vom Kaufen ab. Letztendlich ist das Motto des Unternehmens sowieso: Wenn der Kunde nicht kauft, hast du einfach nicht gut genug verkauft.
Dass man 20 Min. zu spät ins Studio gekommen ist, weil die 12 Personen-Gruppe vorher sich nicht beeilt hat und man dann noch das Konfetti weg saugen musste und den Hintergrund mit Hilfe einer Leiter wieder befestigen musste, während die nächsten Kunden bereits sauer sind, weil sie warten müssen und die Kinder dann keine Lust mehr haben, im Studio bei 40 Grad Fotos zu machen, interessiert am Ende keinen. Es ist trotzdem deine Schuld, dass die Kunden nicht genug gekauft haben.
Respekt
Meine Kollegen sind freundlich und mit den meisten bin ich gut klargekommen. Dass es manchmal Reibereien oder Rumgezicke gibt, vor allem, bei überwiegend Frauen, ist schon klar und auch in Ordnung.
Das Verhalte der Studioleitung war allerdings oft fragwürdig und extrem grenzwertig.
Wenn man krank war, hat man ein schlechtes Gewissen dafür bekommen, weil man sein Team im Stich lässt.
Wenn man mal ein bestimmtest Wochenende frei brauchte, musste man darum betteln und quasi seine Seele dafür verkaufen und wurde immer wieder daran erinnert, dass man ja mal frei bekommen hat.
Auf Fragen an die Zentrale hat man oft wochenlang keine Antwort bekommen und musste sich immer wieder selber drum kümmern.
Wenn man eine gute Studioleitung hat, wie ich am Ende, wird alles viel besser. Wenn sich jemand kümmert und versucht, die Mitarbeiter zufrieden zu stimmen, hat man Glück. Meistens ist es aber so, dass der Umsatz IMMER vor geht und da wird man eher gefragt, wie man es wagen kann, auch noch im Weihnachtsgeschäft, ernsthaft zu fragen, ob man einen bestimmten Tag oder sogar einen Samstag frei haben kann.