Solide Kanzlei, empfehlenswert
Arbeitsatmosphäre
Es muss klar sein, dass ein Werkstudent die Atmosphäre ganz anders beurteilen kann wie ein Steuerberater, der täglich mit den Partnern zusammenarbeitet. Nach 5 Jahren kann ich für mich persönlich sagen, dass eine sehr angenehme Atmosphäre herrschte. Natürlich steht immer die Arbeit im Mittelpunkt, aber die Partner sind mir immer entgegengekommen, wenn es im Privaten mal etwas stressiger war und ich die Arbeitszeiten etwas flexibler gestalten musste.
Die einigen sehr negativen Bewertungen kann ich überhaupt nicht bestätigen. Auch das Thema "Lieblinge" der Partner ist aus meiner Sicht völliger Unsinn. Da wird versucht Kollegen schlecht dastehen zu lassen, die eigentlich nur ihre Arbeit sorgfältig machen und sich kollegial den andern gegenüber verhalten. Solche Bewertungen kommen meist von Leuten, die schon in den ersten Wochen Konflikte mit Kollegen beginnen weil in der alten Kanzlei angeblich alles besser war und sich dann aber wundern, wenn die Partner eher zu den Mitarbeitern halten, die seit 10 oder 15 Jahren in der Kanzlei arbeiten.
Work-Life-Balance
Kurzfristige Flexibilität wie später kommen, früher gehen oder einfach mal Home Office wegen Handwerker etc. war nie ein Thema. Einfach Bescheid bzw. im Kalender eintragen, damit die Kollegen informiert sind. Wichtig ist, dass die Arbeit am Ende gemacht ist.
Ansonsten gab es einige in Teilzeit. Insbesondere haben viele Steuerassistenten unterschiedliche Teilzeitmodelle in Anspruch genommen, wenn sie sich auf das StB Examen vorbereitet haben.
Karriere/Weiterbildung
Jeder der sich weiterbilden wollte, hat die Genehmigung zur Kostenübernahme erhalten. Auch Spezialseminare für Steuerberater wurden nach kurzer Abstimmung immer genehmigt. Egal ob Präsenz oder Online.
Gehalt/Benefits
Subjektiv sollte man natürlich immer viel mehr verdienen, aber im Vergleich zu anderen Großkanzleien war das Gehalt voll in Ordnung. Ansonsten gibt es noch Tankgutscheine, eine betriebliche Zusatzkrankenversicherung, der kostenlose Parkplatz (kann man auch am WE privat nutzen) und viele kleinere Events wo Essen und Trinken übernommen wird.
Kollegenzusammenhalt
Ich kann natürlich nicht für alle sprechen. Aus meiner Sicht gibt hier wenig zu beanstanden. Mann muss sich auch über die Größe der Kanzlei im Klaren sein. Es sind fast 80 Mitarbeiter über 3 Stockwerke verteilt. Natürlich gibt es da auch Gruppenbildungen. Es gibt Azubis, Werkstudenten, viele Assistenten, StB / WP im mittleren Alter. Die einen machen nur kurz Mittag, weil sie früher gehen wollen, und andere die ausgiebig Mittag und mehrere Kaffeepausen machen, weil sie offensichtlich auch gerne viel Zeit mit den Kollegen verbringen möchten.
Umgang mit älteren Kollegen
alles ok. Insbesondere in den Bereichen Fibu / ESt gab es ein paar sehr geschätzte ältere Kollegen, die wirklich einen sehr guten Job gemacht haben.
Vorgesetztenverhalten
Ich habe aus meinen früheren Tätigkeiten schon einiges mitbekommen und kann für mich behaupten, hier die besten Erfahrungen gemacht zu haben. Die Partner essen gemeinsam mit allen anderen in der Küche zu Mittag. Man kann mit Ihnen mittags definitiv auch über andere Themen sprechen wie nur über die Arbeit. Es ist eine gesunde Mischung aus Smalltalk und Distanz.
Das "wahre" Verhalten zeigt sich aber nicht mittags beim Smalltalk über Fußball, sondern im Arbeitsalltag wenn was schief gelaufen ist, oder es mal sehr stressig ist. Und da kann ich sagen, das passt. Man bleibst stets höflich (egal ob Email oder Gespräch). Ich habe nie Vorwürfe erlebt. Auch wenn es ein Auftrag nicht ideal verlaufen ist und komplett überbucht war, hat man sachlich darüber gesprochen was schief gelaufen ist und was man nächstes Jahr einfach anders machen muss.
Arbeitsbedingungen
Also was die Technik angeht, weit über dem Durschnitt. Monitore, Notebooks, Headsets etc. alles top. Klimaanlage in jedem Raum. Parkplatz in der Tiefgarage mit Fernbedienung. In der Küchen gibt es kostenlos Wasser, Kaffee, Tee, Eiscreme, Äpfel, Bananen und (wenn man weiß wo) Duplos und Kinderriegel.
Nicht ganz ideal sind hingegen die 4er-Büros, weil es doch etwas lauter werden kann. Mit dem Wachstum der Kanzlei hat sich das Problem noch etwas verschärft. Man versuchte dem entgegen zu wirken, indem man die Teilzeitkräfte so verteilt, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten im Büro waren. Für ganz wichtige Telefonate etc. gibt mehrere kleine Besprechungsräume, die man reservieren kann.
Kommunikation
Über wichtige Themen wird man grundsätzlich immer informiert. Es gab monatlich ein Kanzlei Jour Fix wo alle relevanten Themen angesprochen wurden. Dieses Jour Fix wurde auch aufgezeichnet und in MS Teams gespeichert um es sich im Nachgang nochmal ansehen zu können. Ansonsten nutzt die Kanzlei MS Teams. Es gibt verschiedene Kanäle für Informationen, je nachdem in welchem Bereich man arbeitet (Lohn / Fibu / ESt / Beratung / WP). Manche Kanäle sind verpflichtend zu aktivieren und manche darf man deaktivieren, falls einem die Neuigkeiten doch etwas zu viel sind.
Verbesserungsbedarf gibt es eher in der alltäglichen Kommunikation bei der Bearbeitung von größeren Mandaten an denen Partner, Berufsträger und Assistenten arbeiten. Da ist das Vorgehen nicht ganz einheitlich. Manche Kollegen setzen konsequent bei jeder Email alle Beteiligten in cc, manche nur bei wichtigen Emails und manche gar nicht. Dadurch entsteht etwas Zeitverlust durch doppelt Orga. Da hat mir manchmal ein einheitliches Vorgehen gefehlt.
Gleichberechtigung
alles i.O. aus meiner Sicht.
Interessante Aufgaben
Meine Aufgaben (StB) waren immer interessant. Durch die Kanzleigröße gibt es wirklich viele unterschiedliche Bereiche. Man kann hier mit den Partnern aber auch immer sehr gut reden und sagen, wovon man gerne mehr machen möchte und was einem aber auch nicht so sehr Spaß macht. Fairerweise muss man sagen, dass die Partner hier auch Grenzen haben. Es gibt leider auch Tätigkeiten, die niemanden Spaß machen, sodass man eben darauf sitzen bleibt. Man sollte sich daher keine Illusionen machen.