Der größte Fehler meines Lebens!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Aschenbecher auf den Toiletten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Während der Pandemie wurde ich beim Unterzeichnen des Kurzarbeitsvertrags vor etwa 30 Mitarbeitenden öffentlich zurechtgewiesen – nur weil ich zuvor einen Minijob beantragt hatte. Die Führungskraft entschuldigte sich einige Stunden später telefonisch; ich nahm die Entschuldigung an, vergaß es aber nicht. Das war der eigentliche Auslöser für meinen Abschied bzw. meiner inneren Kündigung. Als Einziger in unserer siebenköpfigen Abteilung wurde mir Homeoffice verwehrt – aus Angst, ich könnte meinem Minijob nachgehen. So viel zum Thema Wertschätzung und Vertrauen.
Verbesserungsvorschläge
Ein Verkauf des Unternehmens wäre der konsequenteste Weg, das Vermächtnis der Gründer zu wahren.
Arbeitsatmosphäre
Die Identifikation mit dem Unternehmen fehlt grundsätzlich. Erfahrene Mitarbeiter wollen Neue auflaufen lassen, um als Könner zu glänzen. Da ich jedoch aus einem professionellen Unternehmen kam und mehrere Weiterbildungen mitbrachte, war das Arbeiten mit den Produkten für mich kinderleicht – wie das Zusammenbauen eines Ü-Eis.
Image
Es gibt keine wirkliche Corporate Identity (CI). Das Unternehmen ist Marktführer in einem Nischenmarkt; 90 % des Geschäfts liegen außerhalb der EU. Entsprechend basiert das Image auf „Made in Germany“.
Work-Life-Balance
Praktisch nicht vorhanden. Mein Vorgesetzter forderte, dass ich Innendienst Aufgaben mit nach Hause nehme – obwohl er wusste, dass ich häufig im Außendienst bin und zu Hause eine Ehefrau und zwei Kinder auf mich warten, die Zeit mit mir verbringen möchten. Er nannte das Training in the Job.
Karriere/Weiterbildung
Ein Witz. Es gibt eine Idee, die sich „Academy“ nennt. Sie wirkt eher wie Entertainment als wie ein echtes Training der Ansprechpartner für Kunden. Karriere machen vor allem Speichellecker mit Säge unterm Tisch.
Gehalt/Benefits
Ich war im weltweiten Außendienst teils 12 bis 14h/d, hatte weniger Einkommen als bei meinem jetzigen Arbeitgeber wo ich 9‑to‑5 arbeite, kann meinen Hobbys nachgehen und das wichtigste, und bin jeden Abend bei meiner Familie.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt: Auf YouTube sieht man, wie die Kugeln am Strand treiben – ein Trauerspiel für Fische und Schildkröten. Sozial: In meiner Not bat ich um ein Arbeitgeberdarlehen und schilderte meine Lage; der Antrag wurde abgelehnt: „nicht ihr Problem“. Bezeichnend für ein sogenanntes Familienunternehmen. CSR ist gänzlich unbekannt.
Kollegenzusammenhalt
Gibt es nicht. Es befinden sich alle im Überlebenskampf. Survival of the fittest.
Umgang mit älteren Kollegen
Werden rausgeekelt.
Vorgesetztenverhalten
Es gab und gibt nur einen wirklich professionellen Vorgesetzten; zufällig kam er aus demselben Unternehmen wie ich. Die übrigen neigten zu übersteigerter Selbstdarstellung und verfügten nur über geringe Qualifikation und Allgemeinbildung.
Arbeitsbedingungen
Für eine fachlich einwandfreie Ausführung fehlen die notwendigen Arbeitsmittel. Die (vermutlich aus der Führungsriege stammende) Bewertung ist bereits stolz darauf, dass es überhaupt PSA gibt.
Kommunikation
Alle lästern über alle. Abteilungsübergreifend. Kritik von Vorgesetzten kommt bei den Mitarbeitenden erst ganz zum Schluss an – zuvor macht sie über den Flurfunk die Runde.
Gleichberechtigung
In der Not frisst der Teufel Fliegen. Es ist wirklich alles vorhanden.
Interessante Aufgaben
Im Wesentlichen ist es Kanalarbeit mit Stell- und Rotationsmotoren und zwei Sensoren – technisch simpel. Digitalisierung auf dem Niveau der guten 90er.
