Im Königspalast regiert das Misstrauen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das neue telc-Haus ist wirklich gelungen, moderne Architektur, helle Räume und eine hervorragende Kantine, perdão, Betriebsrestaurant. Hier hat man sich - selbst beim Spatenstich - spürbar Mühe gegeben. Schade nur, dass das Äußere so gar nichts mit dem Inneren zu tun hat.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ein Klima aus Angst, Verunsicherung und Intransparenz, das man sonst eher aus verkrusteten Familienunternehmen aus den Achtzigern kennt. Willkür regiert, emotionale Entscheidungen ersetzen jedes fachliches Fundament und die Gehaltsverteilung folgt offenbar dem Prinzip "Loyalität vor Leistung". Wer kompetent und eigenständig denkt, wird schnell als Bedrohung wahrgenommen und entsprechend behandelt.
Verbesserungsvorschläge
- Vertrauen und Respekt sind keine Einbahnstraße. Es ist nie zu spät, echte Führungskompetenz zu etablieren.
- Kompetenz als Chance statt als Bedrohung begreifen.
- Home-Office endlich als völlig normales Arbeitsmittel des 21. Jahrhunderts einführen.
- Die Angst vor starken Mitarbeitenden ablegen. Das ist der größte Bremsklotz des Unternehmens.
Arbeitsatmosphäre
Eine Atmosphäre, in der systematisch Misstrauen und Angst gesät und Unsicherheit geerntet wird. Die Geschäftsführung kultiviert mit großem Erfolg ein Klima, in dem man sich permanent beobachtet und klein fühlt. Vermeintlich belangloser Smalltalk im Treppenhaus kann jederzeit in eine außerplanmäßige Arbeitsanweisung münden, deren tatsächlicher Nutzen sich meist direkt nach Erledigung in Luft auflöst. Operative Rückfragen gelten hier nicht als Zeichen von Lösungsorientierung, sondern werden prompt als unnötige Zeitverschwendung gerügt.
Image
War nie besonders gut und wird auch nicht aktiv verbessert. Das Duopol im Markt wird fleißig ausgenutzt, um keinen wirklichen Service bieten zu müssen. An einer echten Imagepflege scheint wenig Interesse zu bestehen.
Work-Life-Balance
Nicht existent. Wer außerhalb der 37,5 Stunden noch ein Privatleben, Familie oder gar seine mentale Gesundheit pflegen möchte, wird schnell spüren, dass das hier als mangelnde Loyalität gewertet wird. Home-Office ist in Ausnahmefällen noch geduldet, aber von der Euphorie mit der Home-Office während der Pandemie eingeführt wurde, ist nicht mehr viel übrig, stattdessen wurde feierlich der „Come-Together-Monat“ angekündigt. Ein Euphemismus, der mich immer wieder zum Lachen animiert.
Karriere/Weiterbildung
Aufstiege sind grundsätzlich möglich, sofern man die sehr eigene, arbiträre Definition von "Loyalität" der Geschäftsführung erfüllt. Wer jedoch echtes Potenzial und Eigeninitiative mitbringt, sollte meines Erachtens sein Glück lieber woanders suchen. Hier bleiben die wirklich guten Leute meist nicht lange.
Gehalt/Benefits
Erwachsenenbildung und gemeinnützige Organisationen sind nun nicht für lukrative Gehälter bekannt, dennoch: Bei den Jahresüberschüssen wären moderate Anpassungen durchaus drin gewesen. Stattdessen klafft die Gehaltsschere innerhalb des Unternehmens weit auseinander, denn selbst auf identischer Hierarchieebene gibt es teilweise eklatante Unterschiede.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Früher war das Papieraufkommen durch die klassischen Papierprüfungen katastrophal. Mit der Einführung digitaler Prüfungen ist man in dieser Hinsicht tatsächlich deutlich grüner geworden. Ein echter Fortschritt, den man trotz aller Kritik anerkennen muss.
Kollegenzusammenhalt
Tatsächlich der einzig echte Lichtblick. Tolle Kolleg:innen, die durch gemeinsames Leid zusammenhalten. Wenn wieder einmal eine langjährige, geschätzte Kraft durch willkürliche Versetzung, absurden Workload oder eine Kündigung "verabschiedet" wurde, trauert zumindest der harte Kern, während gefühlt die Hälfte der Belegschaft jährlich fluktuiert. Arbeitsgerichtliche Urteile scheinen hier übrigens eher als freundliche Empfehlung denn als bindend betrachtet zu werden.
Vorgesetztenverhalten
Die Geschäftsführung lebt in der festen Überzeugung, dass Produktivität nur unter permanenter Kontrolle und Anwesenheit möglich ist, was für mein Dafürhalten weniger über die Arbeitsmoral der Mitarbeitenden aussagt, als über den eigenen Home-Office-Alltag. Kompetenz wird nicht gefördert, sondern als persönliche Konkurrenz empfunden. Langjährige Führungskräfte werden entsorgt, wenn sie zu eigenständig wirken. Das Credo: Lieber mittelmäßig und loyal als brillant und unbequem.
Arbeitsbedingungen
Das neue Haus ist durchaus komfortabel und modern ausgestattet. Leider hat man sich entgegen des mehrheitlichen Wunsches der Belegschaft für Großraumbüros entschieden. Ob das nun tatsächlich ein Fortschritt ist, bleibt wohl Geschmackssache.
Kommunikation
Vage, nebulös und stellenweise fast schon poetisch. Die Aufgabenstellungen der Geschäftsführung fühlen sich an wie blindes Feuern in die finstere Nacht: Man gibt alles, um irgendetwas Sinnvolles zu treffen, doch am Ende stellt sich heraus, dass das Ziel selbst nie klar definiert war. Egal wie sorgfältig und durchdacht man liefert, es ist nie ganz richtig, nie ganz ausreichend. Und sollte der Fehler dann einmal doch eindeutig oben liegt (die Kolleg:innen, die noch die Bleichstraße miterlebt haben, wissen genau, wovon ich spreche), wird kollektiv ein anderer Sündenbock gesucht.
Gleichberechtigung
Abgesehen von der intransparenten und teils eklatanten Gehaltsungerechtigkeit wird Diversität hier tatsächlich ganz natürlich gelebt. Menschen aller Nationalitäten, Sprachen und Kulturen sind herzlich willkommen und bereichern den (Arbeits-)Alltag spürbar. In diesem Punkt kann sich die telc durchaus sehen lassen.
Interessante Aufgaben
Grundsätzlich ja. Der gesellschaftliche Auftrag als eines der beiden großen Duopole im Integrations- und Sprachzertifikatssektor ist tatsächlich sinnstiftend und wichtig. Schade nur, dass jede echte Entscheidungsfreiheit von oben erstickt wird. Bei Misserfolgen wird nicht nach Lösungen, sondern nach Schuldigen gesucht, solange der Schwarze Peter nicht zufällig ganz oben landet. Dann herrscht plötzlich kollektives Schweigen.