Mehr Fluch als Segen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Im Team herrschte ein sehr gutes und familiäres Umfeld. Man ist mit allen Vorgesetzten per du. Es wurden Sommer- und Weihnachtsfeiern organisiert, die immer sehr gut waren.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Alles andere. Die Führungsebene war immer, so lieb sie auch alle sind, eine eingefleischte Clique. Ist man da nicht zufällig eine Bekannte oder Freundin, ist ein Aufstieg ausgeschlossen. Brutale Arbeitszeiten und Entlohnung, die gerade so an den gesetzlichen Vorgaben kratzen. Unrealistische Vorgaben durch den Auftraggeber. Fließbandtelefonie aus dem Bilderbuch, bei dem ein Durchatmen zwischendurch nur mit einer schwachen Blase und dem damit zusammenhängenden Toilettengang akzeptabel ist.
Verbesserungsvorschläge
Eine solche Arbeit kann nicht pauschal mit ein paar Groschen über dem Mindestlohn vergütet werden. Schon gar nicht unter Beachtung der Arbeitszeiten. Bonusmodelle sind prinzipiell eine gute Idee, jedoch bewusst so gestaltet, dass es schwer ist sie zu erreichen. Gehalt muss verhandelbar und leistungs- /Kenntnisorientiert sein. Es kann nicht angehen, dass ein Mitarbeiter der mehrere Jahre dabei ist und sich mit der Materie auskennt und motiviert arbeitet, das selbe Gehalt bekommt wie jemand dem die Arbeit komplett egal ist und Dienst nach Vorschrift macht.
Arbeitsatmosphäre
Das einzige, was mich dort jahrelang gehalten hat (Neben dem schlechten Arbeitsmarkt zu der Zeit) war eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen. Generell hing immer eine dunkle Wolke über dem Bereich. Von der Führungsebene wird viel schöngeredet, man wurde mit Brot und Spiel (Obst und Wasser) bei Laune gehalten.
Kommunikation
Wichtiges wurde immer klar über mehrere Wege kommuniziert, da kann man nichts negatives zu sagen.
Kollegenzusammenhalt
Der feste Kern des Teams hat immer wie Pech und Schwefel zusammengehalten. Menschen, die ich bis heute sehr schätze.
Work-Life-Balance
Im Grunde nicht vorhanden. Regelmäßig musste sieben bis zehn Tage am Stück gearbeitet werden, im Schichtdienst. Freie Wochenenden gab es quasi nie, entweder musste Samstag und Sonntag gearbeitet werden oder einer der beiden Tage.
Vorgesetztenverhalten
Die direkten Vorgesetzten, sprich Team- und Gruppenleiter, haben sich mir gegenüber immer vorbildlich, rücksichtsvoll und fair verhalten. Der Auftraggeber hat unrealistische und fast menschenunwürdige Vorgaben.
Interessante Aufgaben
Ich hatte das Glück, neben der Fließbandtelefonie noch ein paar weitere Aufgaben übernehmen zu dürfen. Das hat die Arbeit sehr aufgewertet und erträglich gemacht, diese Aufgaben habe ich mit viel Freude übernommen. Die eigentliche Telefonie ist auszehrend und psychisch extrem belastend.
Gleichberechtigung
Interessant, dass man hier bewerten soll, ob Frauen die selben Aufstiegschancen haben wie Männer. Das muss man mit einem klaren "nein" bewerten, denn Männer haben quasi keine Chance, dem Hamsterrad (Schallschutzkäfig) zu entkommen. Als Frau auch nur mit genügend Sympathiepunkten und Vitamin B.
Umgang mit älteren Kollegen
Wurden immer sehr geschätzt und rücksichtsvoll behandelt, tadellos.
Arbeitsbedingungen
Die Büros sind an und für sich in Ordnung, genauso die Toiletten und Küchen. Auch die Aufenthaltsmöglichkeiten in den Pausen waren okay. Die Technik ist ein anderes Thema. Man war regelmäßig von technischen Problemen geplagt, langsam oder gar nicht laufende Systeme, Telefonprobleme die am Ende zu schlechten Werten am Telefon führten (Hohe Rate von erneuten Anrufen). Eine vernünftige IT-Abteilung gibt es nicht. Der Support wird an die Mitarbeiter ausgelagert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kann ich nichts zu sagen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist im Anbetracht der zu erbringenden Leistung ein Tritt in den Hintern. Knapp über dem Mindestlohn um sich von weltfremden und arroganten Kunden wie ein Fußabtreter behandeln zu lassen. Es gibt theoretisch die Möglichkeit, durch das Erfüllen von bestimmten Parametern (Bewertungen, Einhalten von Zeiten usw.) einen Bonus zu erarbeiten, das ist durch die astronomischen Vorgaben jedoch nur möglich, wenn man seinen Kopf vollständig ausschaltet und zur zielgesteuerten KI wird. Es gab einen weiteren Bonus, wenn man einen gewissen Wert an Krankheitstagen nicht überschreitet. Das ist eine unfaire Bestrafung chronisch kranker Mitarbeiter, auch wenn man sich mal einen Arm bricht oder operiert werden muss und ein paar Wochen ausfällt ist man angeschmiert. Man sollte sich als Unternehmen niemals damit brüsten, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Es sollte im Interesse des Arbeitgebers sein, diese zu überschreiten und somit für zufriedenere Mitarbeiter zu sorgen um diese auch halten zu können. Denn die Mitarbeiter sind das Kapital.
Image
Nach außen hin wird eine schon fast kitschige heile Welt suggeriert, unter den Mitarbeitern wurde darüber stets gelacht.
Karriere/Weiterbildung
Ohne Vitamin B und als männlicher Mitarbeiter quasi nicht denkbar.


