Verantwortung ohne Entscheidungshoheit – Show vor Substanz
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wer hier in einer strategischen Rolle anfängt, sollte wissen: Das, was in der Stellenbeschreibung steht, und das, was tatsächlich passiert, liegen weit auseinander. Strategische Entscheidungen werden ausschließlich vom Vorstand gemeinsam mit dem Vertrieb getroffen – ohne fachliche Grundlage, ohne Governance, ohne Konsistenz.
Innerhalb weniger Wochen wurde dieselbe Roadmap-Entscheidung in drei aufeinanderfolgenden Vorstandssitzungen jedesmal vollständig gedreht. Nicht weil neue Fakten auf dem Tisch lagen, sondern weil die Stimmung im Raum eine andere war.
Das zentrale Entscheidungskriterium: Was lässt sich gut präsentieren? Frontend vor Backend. Optik vor Architektur. Ob im Hintergrund tatsächlich funktionierende Technik und funktionierende Prozesse laufen oder der Innendienst manuell kompensiert, ist irrelevant. Nachhaltigkeit ist kein Wert.
Die Unternehmenskultur ist stark politisch getrieben. Es geht weniger darum, das Unternehmen fachlich voranzubringen, als darum, dem Vorstand zu gefallen und nach oben gut auszusehen. Wer mit fachlichen Argumenten arbeitet und substanzielle Lösungen entwickeln will, läuft damit regelmäßig ins Leere. Entscheidungen folgen keinen Kriterien – sie folgen Stimmungen und Außenwirkung.
Budgets für notwendige Tools werden wochenlang diskutiert, obwohl die Notwendigkeit fachlich klar belegt ist. Wer strukturierte Arbeit braucht – eigene Workflows, sinnvolle Toollandschaft, stabile Priorisierungen – kämpft täglich um Grundlagen, statt gestalten zu können.
Die technische Ausgangslage verschärft das: erhebliche Medienbrüche, viele manuelle Prozesse, keine durchgängig digital abgebildeten Prozessketten.
Verbesserungsvorschläge
Klare Mandatsdefinition: Wer Verantwortung trägt, braucht auch Entscheidungseinfluss. Strategische Entscheidungen müssen auf Basis von Kriterien getroffen – und gehalten – werden. Solange das Ziel primär darin besteht, den Vorstand gut aussehen zu lassen statt das Unternehmen weiterzubringen, wird fachliche Arbeit strukturell verhindert.
Image
In der Finanzdienstleistungsbranche eher schlecht.
Karriere/Weiterbildung
Trotz mehrfachen nachfragen, kein konkretes Angebot erhalen.
Gehalt/Benefits
Gehalt war im dritten viertel der Marktüblichen Gehaltsspanne
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es gibt E-Ladesäulen für E-Autos
Vorgesetztenverhalten
Entscheidungen werden nicht anhand von Kriterien getroffen, sondern anhand von Außenwirkung und dem, was dem Vorstand gefällt. Einmal getroffene Entscheidungen sind nicht stabil. Fachliche Argumente zählen wenig. Wer Verantwortung trägt, bekommt keinen echten Entscheidungseinfluss.
Arbeitsbedingungen
Erhebliche Medienbrüche, viel manuelle Arbeit, zähe Budgetprozesse für Standardtools. Wer eine moderne, integrationsfähige Arbeitsumgebung erwartet, wird enttäuscht.
Kommunikation
Keine klare Governance, keine definierten Entscheidungswege, kein verlässlicher Rahmen für Priorisierungen. Einfach keine Standards oder geregelte Prozesse. Abstimmungsaufwand ersetzt Umsetzung. Transparenz findet nur statt, wenn sie der Außendarstellung dient.
Interessante Aufgaben
Konnte es geben. Die strukturellen Rahmenbedingungen und die politisch geprägte Kultur verhindern jedoch, dass man fachlich wirklich arbeiten kann.


