Zwischen sehr gutem Image und sehr wiedersprüchlichen Führungserfahrungen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen hat gute Rahmenbedingungen – aber deren Wirkung hängt aktuell zu stark vom jeweiligen Führungsstil ab.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
• schwache Führung und ungenügende team-abhängige Belastungsanalysen
• fehlende HR-Prozesse
• schlechte Kommunikation, Unternehmenskultur und -werte werden nicht in jedem Team so gelebt wie nach außen präsentiert
• Führung bleibt über Jahre unverändert, obwohl Mitarbeiter häufiger wechseln
Verbesserungsvorschläge
• Strukturierte Wiedereinstiegs- und Reintegrationgespräche in/nach Elternzeit (Merkblätter und ein Gespräch davor reichen nicht aus)
• Verbindlichere, einheitliche Home-Office-Regelung - die plötzliche Büropflicht bringt viele junge Familien in Bedrängnis
• Klare Trennung zwischen fachlicher Führung und Personalführung (Vier-Augen-Prinzip)
• Analyse von Fluktuation auf Team- statt Unternehmensebene
• Anonymisierte Auswertung von Erkenntnissen aus Betriebsarzt- und Betriebsratsgesprächen
• Eine regelmäßige Überprüfung von Führungsrollen (z.B. durch Rotation oder zeitliche Begrenzung in den Teams) könnte helfen, Verfestigungen und einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden
Arbeitsatmosphäre
• Home-Office-Regelungen sehr interpretationsfähig
• Großraumbüro trotz konzentrativer Tätigkeiten - ruhiges Arbeiten dadurch stark erschwert
• Genauso unangenehm sind das lange Anstehen und die Lautstärke in der Kantine, entspannte Gespräche zu führen ist hier kaum möglich. Die Verpflegungsviefalt und die Qualität der Gerichte sind aber sehr gut
Kommunikation
• Konflikte selten offen moderiert, Fehler werden persönlich genommen
• Erwartungen ändern sich ohne klare Abstimmung
Kollegenzusammenhalt
Schwierig bei dem ständigen Personalwechsel. Fraglich bleibt, ob People (HR) die Fluktuation und Zustände in einzelnen Teams wirklich nicht bemerkt oder gar nicht melden darf..
Work-Life-Balance
Häufige Personalwechsel in einzelnen Bereichen - Ursachen werden aus meiner Sicht zu selten strukturell hinterfragt. Freiwillige Umfragen ersetzen keine echte Belastungsanalyse.
Vorgesetztenverhalten
• stark personenabhängig. In meinem Fall eher kontrollierend als unterstützend, mit wenig Raum für offene Fehlerkultur
• Feedback eher situativ statt strukturiert
• Kritik wird von der FK als persönliches Problem eingeordnet
Gleichberechtigung
• Wiedereinstieg/Reintegration nach Babypause kaum strukturiert begleitet
• Anforderungen während Elternzeit wenig abgestimmt
• Remote-Optionen von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich geregelt, abhängig vom Wohlwollen der FK
• kaum bzw. keine reinen Remote-Stellen ausgeschrieben – schwierig für Mitarbeitende mit Care-Verantwortung
Schade, dass hier Vereinbarkeit noch nicht so wirklich gefördert wird, wie es inzwischen viele andere moderne Unternehmen machen. Es könnte heutzutage schon über ein Angebot von Belegplätzen in Kitas hinausgehen
Arbeitsbedingungen
Trotz überwiegend digitaler Tätigkeiten wurde Präsenz teilweise sehr strikt eingefordert. Gleichzeitig wird die Einrichtung des Home-Office finanziell unterstützt, während die tatsächliche Nutzung im Arbeitsalltag stark vom jeweiligen Führungsverständnis abhängt.
Dadurch können insbesondere Mitarbeitende mit familiären Verpflichtungen oder in besonderen Lebenssituationen vor organisatorische Herausforderungen gestellt werden, bei denen mehr einheitliche und transparente Regelungen hilfreich wären.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen wirkt das Unternehmen sehr werteorientiert. Im Arbeitsalltag hängt die Umsetzung jedoch stark vom jeweiligen Team ab. Themen wie psychische Belastung oder nachhaltige Arbeitsorganisation werden unterschiedlich ernst genommen.
In meinem Eindruck wurden reguläre Arbeitszeiten, krankheitsbedingte Ausfälle oder familiäre Belastungen nicht als selbstverständlicher Teil des Arbeitslebens akzeptiert. Es entstand dadurch das Gefühl, sich hierfür rechtfertigen zu müssen.
Gehalt/Sozialleistungen
Tariflich solide und zuverlässig. Zusatzleistungen sind vorhanden, aber nicht immer passend zur tatsächlichen Lebenssituation (z. B. Vereinbarkeit Familie/Arbeitsorganisation).
Image
Sehr gutes externes Image und spannender gesellschaftlicher Auftrag. Die tatsächliche Mitarbeitererfahrung kann je nach FK (Führungskraft) deutlich davon abweichen.
Karriere/Weiterbildung
• Weiterbildungsmöglichkeiten existieren, sind aber stark abhängig von der direkten FK
• Interne Wechsel oder Neuorientierung werden organisatorisch und u.a. durch fehlendes internes Recruitingangebot eher erschwert. Es fehlen interne Wechsel- oder Orientierungsprozesse bei Team-Mismatch


