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Bewertung

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Hustle Culture vom Feinsten

2,9
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2025 im Bereich Vertrieb / Verkauf in München gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Der Onboarding-Prozess ist sehr intensiv ausgearbeitet, sodass man recht schnell in die Rolle findet.

Verbesserungsvorschläge

Der Arbeitgeber sollte sich dringend die deutschen Arbeitsschutzgesetze und seine Fürsorgepflicht näher bringen und umsetzen. Nicht alles, was in Großbritannien oder der USA funktioniert, kann man hier einfach genau so umsetzen. Im Bewerbungsprozess muss viel deutlicher klargemacht werden, dass man an die Arbeitszeiten der Kunden im Consulting geknüpft ist und wie stark die eigene Zukunft im Unternehmen von Leistung und Einhalten der KPIs abhängt, damit man eine informierte Entscheidung treffen kann, ob man für dieses Unternehmen arbeiten möchte. Die Work-Life-Balance muss dringend verbessert werden, um Burnout unter den Mitarbeiter*innen vorzubeugen. Die Benefits sollten ausgeweitet werden; der Barista reicht leider nicht, um den Stress auszugleichen und Urban Sports Club bringt nur wenig, wenn man aufgrund von Überstunden keine Zeit und Energie dafür hat.

Arbeitsatmosphäre

Das Unternehmen verfolgt definitiv das hustle culture mindset. Es geht immer noch mehr, es geht immer noch besser. Lob gibt es zwar aber der Druck, immer noch mehr zu leisten, überwiegt. Die Arbeitsatmosphäre ist oft geprägt von Stress, der durch den konstanten Leistungsdruck ausgelöst wird. Kolleg*innen stand der Druck regelmäßig ins Gesicht geschrieben. Tränen am Arbeitsplatz kamen ebenfalls vor. Micromanagement steht an der Tagesordnung. Man bespricht zwei Mal am Tag die eigenen Aufgaben mit der Teamleitung und jeder kann die Emails von allen mitlesen. Es wird normalisiert, dass Arbeitnehmer*innen mit Kündigung gedroht wird, wenn die Performance nicht in die Kennzahlen passt. Regelmäßig wird Kolleg*innen in der Probezeit gekündigt. Arbeitsverträge werden befristet abgeschlossen, eine Verlängerung ist extrem an die Leistung geknüpft und Arbeitnehmer*innen werden noch bis kurz vor Ablauf im Dunkeln darüber gehalten, ob der Vertrag verlängert wird oder nicht. Hire-and-fire-Kultur wird hier gelebt, dementsprechend gibt es auch laufend offene Stellen.

Kommunikation

Es gibt permanent Meetings und Rundmails, um Vorgänge zu kommunizieren. Veränderungen im Team werden allerdings am liebsten geheim gehalten, außer es handelt sich um Veränderungen in der Führungsebene. Meine eigene Kündigung musste ich im Teammeeting am Schluss selbst noch schnell verkünden, da die Teamleitung es (obwohl abgesprochen) wahrscheinlich einfach gar nicht getan hätte.

Kollegenzusammenhalt

Es bilden sich recht schnell kleine Grüppchen in einem ohnehin kleinen Team, aber da alle zusammen in einem Boot stecken, kann jeder sehr gut nachvollziehen, wie die Arbeitssituation tatsächlich ist. Da das Team sehr jung ist, gab es immer wieder Momente, in denen gemeinsam gescherzt wurde, was die Stimmung merklich gehoben hat.

Work-Life-Balance

Auf Work-Life-Balance braucht man bei diesem Unternehmen nicht hoffen. Es wird vorausgesetzt, dass Überstunden gemacht werden, da ein Großteil des Geschäfts in der Zeit nach 18 Uhr stattfindet. Erreichbarkeit bis in die späten Abendstunden (23.30 Uhr) wird ebenfalls vorausgesetzt. Falls dem nicht Folge geleistet wird, wird man direkt darauf angesprochen. Vier Überstunden pro Woche werden nicht vergütet, alles darüber kann eingereicht werden, jedoch steht es den Managern zu, die Bezahlung der Überstunden abzulehnen. Viele Kolleg*innen arbeiten auch am Wochenende und es wird vor Feiertagen festgelegt, wer an diesem Tag arbeitet. Die Bereitschaft dies zu leisten wird vorausgesetzt, vor allem sobald man eigene Projekte übernimmt. Es gibt kein Diensttelefon und es wird angeraten alle wichtigen Arbeits-Apps auf dem Privattelefon installiert und die Benachrichtigungen aktiviert zu haben, sodass man praktisch nie abschalten kann. Krank sein wird nicht gerne gesehen und später in Mitarbeitergesprächen durch die Blume kritisiert. Urlaub einreichen und nehmen ist kein Problem, deshalb einen Stern extra.

Vorgesetztenverhalten

Das Vorgesetztenverhalten hängt sehr stark vom jeweiligen Team-Manager ab. Führungspersonen werden nach Seniorität und Leistung benannt, nicht unbedingt nach ihrer Eignung Menschen zu leiten. Man merkt allerdings, dass jeder versucht, gut mit den Managern zu sein, da diese die Projekte vergeben und der Verlauf eines Projekts trägt maßgeblich zur Einhaltung der KPIs bei, was die eigene Zukunft im Unternehmen direkt beeinflusst.

Interessante Aufgaben

Die Arbeit ist sehr repetitiv. Sobald man eingearbeitet ist, bleibt die Arbeit immer gleich. Es kommen ein paar neue Aufgabenbereiche dazu, sobald man Projekte übernimmt, aber danach stagniert es wieder. Allerdings hat man sehr viele interessante und nette Gespräche mit den Experten, dafür gibt es einen extra Stern. Eigentlich ist es ein klassischer Callcenter Job. 90% des Jobs besteht aus Cold Calling, was zumindest für den deutschen Markt sehr fragwürdig ist, da es sich nicht um B2B handelt, sondern Privatpersonen kontaktiert werden.

Gleichberechtigung

Alle werden gleich behandelt. Die Frauenquote im Unternehmen ist sehr hoch, auch in Führungspositionen.

Arbeitsbedingungen

Das Büro liegt sehr zentral in München. Allerdings sind die Büros recht klein für die Anzahl der Personen, die darin arbeiten. Die Belüftung/Klima ist schlecht, sodass das Fenster eigentlich ständig offen ist, wodurch natürlich die Geräusche der Fußgängerzone, inklusive Straßenmusik, in das Büro strömen. Der Lärmpegel ist ohnehin laut, da viele Menschen in einem Büro sitzen und ein Großteil der Zeit telefoniert wird. Die Headsets sind nicht noise cancelling, wodurch man am Telefon durch die anderen Telefonate und die Gespräche unter den Kolleg*innen gestört wird und man sich regelmäßig bei den Gesprächspartnern für den Lärm entschuldigen muss. Für große Personen sind die Schreibtische, die nicht höhenverstellbar sind, und die unflexiblen Schreibtischstühle ungeeignet. Es ist Gang und gäbe, dass Kolleg*innen krank arbeiten, sodass Erkrankungen im Team regelmäßig einmal die Runde machen. Generell sind viele Kolleg*innen dauerkrank, was wohl auf den Stress zurückzuführen ist. Es gibt nur einen Home-Office-Tag für das gesamte Team. Es wird normalisiert am Schreibtisch die Mittagspause zu verbringen, die Pause vorzeitig zu beenden oder ausfallen zu lassen, wenn viel Arbeit ansteht.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Es gibt viele Möglichkeiten sich im Unternehmen für wohltätige Zwecke einzusetzen und viele Gruppen für Frauen, LGBTQIA+, neurodivergente Personen, etc. Der Arbeitgeber erlaubt einem außerdem zwei Tage im Jahr frei zu nehmen, um sich an wohltätigen Zwecken zu engagieren (diese Tage scheinen allerdings die Wenigsten zu nutzen).

Gehalt/Benefits

Das Einstiegsgehalt ist attraktiv, weshalb auch größtenteils Personen dort arbeiten, die gerade aus der Uni kommen. Auf die tatsächlich gearbeiteten Stunden darf man es allerdings nicht herunterrechnen. Boni sind direkt an die individuelle Leistung geknüpft, nicht an die Leistung des Teams, darauf kann man sich also nicht verlassen.

Image

Innerhalb der Expert Network und Consulting Bubble ist Third Bridge auf jeden Fall ein bekanntes Unternehmen. Allerdings wissen die meisten Personen, die nicht in dieser Branche arbeiten, weder wer Third Bridge, noch was ein Expertennetzwerk ist. Es bringt definitiv nicht dasselbe "Prestige" wie eine Stelle im Consulting.

Karriere/Weiterbildung

Man kann im Unternehmen sehr schnell aufsteigen. Nach ein paar Monaten erhält man bereits die erste Beförderung zum Project Manager, jedoch ohne Gehaltserhöhung. Viele Personen im Unternehmen schaffen es in wenigen Jahren zum Manager, entweder im Teammanagement oder im Client Development. Wie bereits in einer anderen Bewertung erwähnt gibt es eigentlich keine Weiterbildung, nur Aufstieg.

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Wie läuft deine Arbeitswoche?

Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.